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Wohin mit dem Elektroschrott? Das gilt ab dem 1. Juli

Nach Ablauf der Übergangsfrist müssen nun auch Discounter und andere Lebensmittelhändler mit Non-Food-Bereich generell kleinere Altgeräte zurücknehmen. Das besagt das neue Elektrogesetz.

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Blick auf die Recycling-Sammelstation eines Kaufland-Marktes. Ein Rückgabefach für Elektrokleingeräte ist bereits vorhanden. Foto: Kühn

Blick auf die Recycling-Sammelstation eines Kaufland-Marktes. Ein Rückgabefach für Elektrokleingeräte ist bereits vorhanden. Foto: Kühn

Mit dem "Elektrogesetz 3" hat der Bundesgesetzgeber seine Absicht umgesetzt, zunehmend mehr Rohstoffe in eine Kreislaufwirtschaft einzubringen. Insbesondere Elektroaltgeräte enthalten viele Wertstoffe, die sich kosten- und ressourcensparend in den Fertigungsprozess neuer Produkte zurückführen lassen.

Mit der am 1. Januar in Kraft getretenen Novelle des bestehenden Elektrogesetzes wurde die Rücknahmepflicht von alten E-Geräten für den Handel erweitert. Im Prinzip wird damit ab dem 1. Juli dieses Jahres jeder Discounter oder Supermarkt mit Nonfood-Bereich zur neuen Annahmestelle für alte Elektrokleingeräte. Auch Onlinehändler treffen neue Pflichten.

Die Rücknahmepflicht gilt bereits seit längerer Zeit für Elektrofachhändler und Märkte mit einer festen Verkaufsfläche von Elektrogeräten von 400 Quadratmetern und mehr. Die neue Rücknahmepflicht für den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) betrifft Kleingeräte mit einer Kantenlänge von nicht größer als 25 Zentimetern (siehe Fakten). Diese Geräte müssen immer zurückgenommen werden, selbst dann, wenn sie nicht an der Abgabestelle gekauft wurden. Wird die Kantenlänge überschritten, müssen solche Geräte nur dann zurückgenommen werden, wenn der Verbraucher ein gleichwertiges Gerät kauft.

Bislang werden im OM jährlich rund 2.000 Tonnen Elektroschrott angenommen

Clemens Nüske, Chef der Abfallwirtschaftsgesellschaft Landkreis Vechta mbH, sieht die Novelle positiv. Bislang hätten die bereits existierenden Rücknahmepflichten aber bei den eigenen Sammelstellen im Kreis Vechta "keine signifikanten Mengenveränderungen verursacht". Die Menge der zurückgegebenen Elektrogeräte stagniere seit mehreren Jahren bei rund 1000 Tonnen pro Jahr.

Ob sich mit Einführung der neuen Pflichten eine Verringerung der Menge des jährlich erfassten Elektroschrotts an den öffentlichen Annahmestellen ergibt, will Sascha Rühl, Sprecher des für die Abfallentsorgung auf seinem Gebiet zuständigen Landkreises Cloppenburg, nicht hochrechnen. Die Novelle gelte erst ab dem 1. Juli. Es sei richtiger für einen Vergleich, die Zahl erst am Jahresende zu ermitteln. Im Kreis Cloppenburg sei die Menge an gesammelten Elektroschrott aber zuletzt "angestiegen". Im Jahr 2021 belief sie sich auf 1080 Tonnen. Die Elektroschrottmenge, die der Handel zurücknimmt, ist weder Nüske noch Rühl bekannt.

Bei Famila wird die Rücknahme von Elektroaltgeräten schon seit längerer Zeit praktiziert

Auf sehr unterschiedliche Weise geht der LEH mit den neuen Pflichten um. So erklärt Martina Monsees, Sprecherin der Bünting-Gruppe, zu der unter anderen die Famila- und Combi-Märkte in der Region gehören, dass "in unseren Famila SB-Warenhäusern die Rücknahme alter Elektronikgeräte bereits Jahre vor der erweiterten Rücknahmepflicht zur geübten Praxis gehörte. Der Service wird gut angenommen". Kunden könnten Elektroschrott auch weiterhin kostenfrei zurückgeben und auch "Altgeräte in unsere Famila-Elektroabteilungen zurückbringen, ohne neue Produkte zu erwerben". Für die Combi-Märkte gelte, "dass alle Kunden Altgeräte im Elektrokleingeräte-Bereich beim Marktpersonal" abgeben können.

Jo-Lukas Hoffmann von der Schwarz Unternehmenskommunikation erklärt, dass "die Handelssparten der Schwarz-Gruppe – Lidl und Kaufland – die gesetzlichen Anforderungen fristgerecht umsetzen". In Kauflandfilialen sei es "bereits jetzt möglich, (kleine) Altgeräte direkt an einer Sammelstelle in der Filiale oder an der Kundeninformation abzugeben. Bei Lidl können sich Kunden ab dem 1. Juli 2022 an die Mitarbeiter in den Filialen wenden". Die Menge des bei Kaufland eingesammelten Elektroschrotts will Hoffmann nicht nennen, aber "die Rücknahmemöglichkeit wird von den Kauflandkunden gut angenommen".

Schwarz-Gruppe und Aldi Nord versprechen die fristgerechte Umsetzung von Annahmekonzepten

Wie sich Aldi Nord aufstellt, beantwortet Sprecher Dr. Axel vom Schemm nur wenig konkret. Man werde der gesetzlichen Vorgabe folgen und befinde sich derzeit in Gesprächen mit Entsorgungsdienstleistern, "um eine entsprechende Umsetzung vornehmen zu können", erklärt er. Es werde deutschlandweit ein einheitliches Konzept für die 2200 Märkte geben. Ab dem 1. Juli werde man unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche "einfache und unkomplizierte Rücknahme von Elektroaltgeräten in unseren Märkten gewährleisten". Über Einzelheiten des Annahmekonzeptes werde man die Kunden frühzeitig informieren.

Nüske wie auch Rühl begrüßen die neuen Pflichten. Positiv sei, dass Elektrogeräte richtig, und "nicht über den Hausmüll oder die Gelbe Tonne entsorgt werden", sagt Rühl. Die Sammelquote könnte sich "tatsächlich erhöhen" hofft Nüske, "weil die Entsorgungswege des Kunden kürzer werden".


Fakten:

  • Seit dem 1. Januar 2022 gilt das sogenannte Elektrogesetz 3 mit nochmals erweiterten Rücknahmepflichten alter Geräte für den Handel.
  • So müssen Onlinehändler bei Lieferung eines Elektrogeräts anbieten, ein entsprechendes Altgerät größer als 50 cm kostenfrei abzuholen.
  • Spätestens ab 1. Juli 2022 müssen Supermärkte und Lebensmittelmärkte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern, die Elektrogeräte verkaufen, alte Gerät kostenlos annehmen. Das galt bislang schon für großflächige Elektrohändler (über 400 Quadratmeter), für Kaufhäuser, Baumärkte und Möbelhäuser.
  • Es gilt die Regel, dass kleinere Altgeräte mit einer Kantenlänge unter 25 Zentimeter ohne den Kauf eines neuen Geräts abgegeben werden können, größere müssen nur beim Kauf eines gleichartigen Neugerätes zurückgenommen werden.
  • Die Rückgabe muss den Kunden "am Ort der Abgabe (des Neugerätes) oder in unmittelbarer Nähe hierzu", also in aller Regel im Geschäft, ermöglicht werden.
  • Kein Händler darf sich mit Verweis auf die Rückgabemöglichkeiten an den öffentlichen Sammelstellen – zum Beispiel an Wertstoffhöfen – seiner Rücknahmepflicht entziehen.

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