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Wirtschaftsstudie: Vor Ort mangelt es an Dynamik

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) präsentiert sein neues Regionalranking. Ergebnis: Das Niveau in Südoldenburg ist gut, zuletzt stockte die Entwicklung aber.

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Licht und Schatten in Sachen Wirtschaftskraft und Lebensqualität bescheinigt eine neue Studie dem Kreis Vechta. Foto: dpa/Assanimoghaddam

Licht und Schatten in Sachen Wirtschaftskraft und Lebensqualität bescheinigt eine neue Studie dem Kreis Vechta. Foto: dpa/Assanimoghaddam

Der Süden Deutschlands dominiert das neue Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Insgesamt liegen demnach 83 der 100 erfolgreichsten Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern oder Baden-Württemberg. Einbrechen in diese Phalanx kann der Kreis Vechta (Platz 90). Auch der Kreis Cloppenburg (Platz 187) taucht beim Status quo in der ersten Hälfte aller 401 Regionen auf (siehe Karte).

Aber: Im Dynamikranking, das separat nur die Entwicklung der vergangenen drei Jahre in Sachen Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität bewertet, sehen die Autoren Defizite in Südoldenburg. Hier rangiert der Kreis Vechta nur auf Rang 314, der Kreis Cloppenburg sogar nur auf Rang 349. 

Bewertung mit 14 Indikatoren

Mittels ausgewählter Indikatoren vergleicht das renommierte IW seit 2014 alle zwei Jahre die regionale Entwicklung in Deutschland. Die Ergebnisse erheben nach eigenen Angaben den Anspruch, eine "aussagekräftige Basis für politische Entscheidungsträger zu bilden". Zu den insgesamt 14 Indikatoren zählen unter anderem die Steuerkraft der Gemeinden, die Gewerbesteuerhebesätze, der Anteil der Hochqualifizierten unter den Beschäftigten, die Beschäftigtenrate von Frauen, die private Überschuldung und die Ärztedichte. 

Die jüngsten Resultate sehen beim Niveauvergleich (Ist-Zustand) den Landkreis und die Stadt München ganz vorne. Am Ende tauchen die Städte Gelsenkirchen und Bremerhaven auf (siehe auch Tabelle). Im Dynamikranking (Entwicklung) haben der Landkreis Mainz-Bingen und die Stadt Suhl (Thüringen) die Nase vorne, der Landkreis Dingolfing-Landau (Bayern) und der Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) das Nachsehen. Nachfolgend kommen die Detailergebnisse für Südoldenburg.

Grafik: Institut der deutschen WirtschaftGrafik: Institut der deutschen Wirtschaft

Das Niveau im Kreis Vechta: Positiv sticht der herausragende Gewerbesaldo von 1,9 hervor. Es gibt also viel mehr Gewerbeanmeldungen als -abmeldungen (Platz acht in Deutschland). Sehr gut ist auch der Altersquotient von 2,5 auf dem Arbeitsmarkt. Heißt vereinfacht: Es gibt deutlich mehr jüngere und mittelalte als ältere Arbeitskräfte (Platz 15). Hinzu kommen die vergleichsweise niedrigen Gewerbesteuerhebesätze (Platz 29). Schlecht ist es laut Studie um den Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten (8,8 Prozent, Platz 316) und den Anteil der naturnahen Flächen an der gesamten Bodenfläche (14,9 Prozent, Platz 369) bestellt.

Das Niveau im Kreis Cloppenburg: Auch hier fällt der herausragende Gewerbesaldo von 1,8 auf (Platz neun in Deutschland). Ähnlich sieht es mit dem Altersquotienten auf dem Arbeitsmarkt von 2,4 (Platz 22) aus. Und: Es wandern mehr 25- bis 30-Jährige zu als ab. Zudem werden relativ viele Baugenehmigungen erteilt (13,7 je 1000 Einwohner, Platz 38). Noch schlechter als in Vechta ist es laut Studie um den Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten (6,3 Prozent, Platz 394), den Anteil der naturnahen Flächen (14,4 Prozent, Platz 371) sowie die Ärztedichte (130 Mediziner je 100.000 Einwohner, Platz 350) bestellt.

Der Küstenkanal ist sowohl Wirtschaftsader als auch Erholungsort im Landkreis Cloppenburg. Foto: Alex Der Küstenkanal ist sowohl Wirtschaftsader als auch Erholungsort im Landkreis Cloppenburg. Foto: Alex 

Die Dynamik im Kreis Vechta: Positiv fällt im Drei-Jahres-Vergleich - zumeist der Jahre 2017 bis 2019 - nur die Entwicklung beim Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen auf. Schlecht schneidet Vechta vor allem bei der Entwicklung des Altersquotienten auf dem Arbeitsmarkt (Platz 361 in Deutschland, Erklärung siehe oben), der privaten Überschuldung (Platz 369) und der Zahl der Baugenehmigungen (Platz 355) ab.

Die Dynamik im Kreis Cloppenburg: Die Ärztedichte verringert sich nicht so stark wie in vielen anderen Regionen (Platz 36 in Deutschland) und der Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen ist weiter positiv (Platz 63). Wesentlich schlechter ist es etwa um die Entwicklung beim ohnehin nicht sehr hohen Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen bestellt, der weiter sinkt (Platz 363). Nahe am Ende des Rankings steht Cloppenburg auch in Sachen privater Überschuldung (Platz 361) und der zurückgehenden Zahl der Baugenehmigungen (Platz 399).

Fazit: Die Landkreise Vechta und Cloppenburg gehören den Angaben zufolge zu jenen 66 Regionen, in denen zwar ein starkes Niveau, aber zugleich eine relativ schwache Dynamik vorliegt. Das gilt etwa auch für die Stadt Wolfsburg. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass in diesen Gebieten die Gefahr besteht, "sich zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen und die entscheidenden Weichenstellungen für eine zukunftsträchtige Entwicklung zu verpassen".

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