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Weizenkorn Karl unterzieht sich "Blutbild" und sieht seiner Ernte langsam entgegen

"Vom Weizenkorn zum Brot" heißt die Serie, bei der OM-Online in Friesoythe die Entwicklung eines Weizenkorns von der Saat bis in den Backofen begleitet.

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"Blutbild": Pflanzenbauberater Frank Pelk hat ein paar komplette Pflanzen zur Analyse in ein Labor eingeschickt. Foto: Wimberg

"Blutbild": Pflanzenbauberater Frank Pelk hat ein paar komplette Pflanzen zur Analyse in ein Labor eingeschickt. Foto: Wimberg

Bevor er noch einige Wochen ruhen und dabei nicht gestört wird, hat sich Weizenkorn Karl noch einem "Blutbild" unterzogen. Für den Landwirt keine Pflicht, aber eine abschließende Analyse, bevor es in großen Schritten Richtung Ernte geht. Bei Karl stimmen die Nährstoffe und „liegen im optimalen Bereich“, kommentiert GS-agri-Pflanzenbauberater Frank Pelk, der gemeinsam mit dem Friesoyther Landwirtschaftsmeister Elmar Preut für die OM-Medien-Serie „Vom Weizenkorn zum Brot“ die Entwicklungen und einzelnen Arbeitsschritte anschaulich erläutert. Das Finale findet dann im Backofen statt, wenn aus „Karl dem Korn“ ein leckeres Brot geworden ist.

Was Karl auf seinem Feld in Pehmertange fehlt, ist Schwefel, der den Eiweißgehalt verbessert und bei der Stickstoffverwertung hilft. Ignorieren sollte man den Mangel nicht, aber er ist schnell zu beheben. Quasi intravenös und einfach mit der Feldspritze übers Blatt. Karls Stickstoffgehalt, so die Werte auf dem Diagramm, seien „ein Volltreffer“, sagt Pelk, der die Auswertung in Auftrag gegeben hat. Dafür hat er ein paar Pflanzen entnommen und in ein Labor in Jena eingeschickt. Eine Woche später dann die Ergebnisse.

Rostpilze: Sie darf der Landwirt nicht so einfach laufen lassen und muss tätig werden. Foto: WimbergRostpilze: Sie darf der Landwirt nicht so einfach laufen lassen und muss tätig werden. Foto: Wimberg

Ohne Forschungsinstitut sieht der Experte mit bloßem Blick die aktuell vorhandenen Baustellen. Der Mehltau, der Karl noch beim letzten Mal belästigt hat, ist verschwunden. Jetzt haben sich allerdings Rostpilze breit gemacht, die man ebenfalls nicht laufen lassen darf, und behandeln muss. „Sie tauchen in Nestern auf, vermehren sich durch Wind und Regen und gehören zu den gefährlichsten Pilzen, die wir haben“, stellt Pelk vor. Die Parasiten verhindern unter anderem, dass die Pflanze Zucker aus dem Blatt für die Kornfüllung abführen kann, weil sie ihn selbst verbrauchen.

Doch kein Grund zur Panik: „Elmar muss jetzt schnell sein, dann ist er einfach zu bekämpfen“, weiß der Experte und zieht eine weitere Pflanze aus den Boden. Die Larve eines Getreidehähnchens sitzt auf einem Blatt. Fast nicht zu erkennen „und warum man das ausgerechnet Hähnchen nennt, das weiß vermutlich kein Mensch“, kommentiert der Pflanzenbauberater lächelnd und hat über den Winzling hinaus auch ein paar Läuse entdeckt. Da beide jedoch keine Schadschwellen überschreiten, bleiben sie zurzeit einfach nur unter Beobachtung. Maßnahmen zur Bekämpfung sind nicht erforderlich.

Eine grundsätzliche Behandlung des Fahnenblatts Ende Mai, zu der auch unabhängig von existierenden Rostpilzen geraten wird, ist die letzte Fahrt des Landwirts vor der Ernte Anfang August. Das Getreide schiebt gerade die Ähren heraus, fängt dann an zu blühen und die Kornfüllungsphase startet.

Getreidehähnchen: Seinem Namen macht dieser Winzling zwar keine Ehre, aber steht auf dem Friesoyther Weizenfeld unter Beobachtung. Foto: WimbergGetreidehähnchen: Seinem Namen macht dieser Winzling zwar keine Ehre, aber steht auf dem Friesoyther Weizenfeld unter Beobachtung. Foto: Wimberg

Zur Kornkammer, wie die Ukraine, wird Deutschland nicht werden. Wie berichtet, gewinnt Weizen zwar auch hier an Bedeutung und gute Erträge können erzielt werden. „Doch gleichbleibend gute Qualitäten, die sich beispielsweise verlässlich für eine industrielle Brotherstellung eignen, sind in hiesigen Regionen trotz hoher Bodenfruchtbarkeit nicht möglich“, sagt Pelk. Die Ukraine habe schlicht die besseren Böden, die keinen hohen Schwankungen unterliegen, und nicht zuletzt seien auch die Produktionskosten niedriger.

Das Thema Öl beschäftigte die Agrarier zunehmend. „Was den Rapsanbau angeht, erhalte ich regelmäßige Anfragen, und dass man plötzlich auf 10 Hektar Sonnenblumen sieht, ist schon auffällig“, erklärt der Löninger, der die fachliche Begleitung übernommen hat. Damit Pflanzen jedoch nicht nur als Vogelfutter enden, sondern Öl gewonnen werden kann, kümmert sich die Genossenschaft um die Vermarktung.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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