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Ökolandbau: Minister hält 30 Prozent für unrealistisch

Noch wirtschaftet die überwältigende Mehrheit der Bauern in Niedersachsen konventionell. Der Öko-Anteil soll aber auch hierzulande steigen.

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Striegeln statt spritzen: Der Anteil des Ökolandbaus soll in den nächsten Jahren zunehmen. Foto: dpa/Philipp Schulze

Striegeln statt spritzen: Der Anteil des Ökolandbaus soll in den nächsten Jahren zunehmen. Foto: dpa/Philipp Schulze

Das Ziel ist eigentlich klar definiert: "Wir wollen 30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 erreichen", heißt es im Koalitionspapier der künftigen Ampelregierung. In Stein gemeißelt dürfte die Vorgabe aber wohl nicht sein. Für Niedersachsen zumindest könnten die Zielwerte deutlich niedriger angelegt werden, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Die Zeitung hatte Landesumweltminister Olaf Lies auf das Thema angesprochen. Dieser hält das Erreichen der 30-Prozent-Marke in seinem Bundesland für "unrealistisch". Grund ist der vergleichsweise niedrige Anteil, den die Biolandwirtschaft noch immer in Niedersachsen hat. Bis Ende 2019 wirtschafteten 2115 Betriebe ökologisch, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Das seien 6 Prozent aller Höfe. Der Anteil der Ökofläche an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche lag bei gerade einmal 4,7 Prozent, Tendenz steigend. 

Hessen liegt schon bei 18 Prozent Ökolandbau

Anderswo in Deutschland ist die 30-Prozent-Marke dagegen nicht mehr ganz so weit entfernt. Laut Thünen-Institut gab es Ende 2019 in Deutschland offiziell 34.110 ökologisch wirtschaftende Betriebe mit einer Gesamtfläche von 1, 6 Millionen Hektar. Dies entspricht 12,9 Prozent der Betriebe beziehungsweise 9,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Nach Schätzungen des Branchenverbandes BÖLW hat sich die Öko-Fläche in Deutschland im vergangenen Jahr noch einmal um 5,3 Prozent erhöht. Die Bedeutung des ökologischen Landbaus variiert dabei von Region zu Region beträchtlich. In Hessen etwa liegt der relative Flächenanteil mit 18 Prozent am höchsten. Absolut betrachtet befinden sich die Produktionsschwerpunkte in Bayern, Baden-Württemberg und Nordostdeutschland. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland aber nur im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Österreich mit einem Flächenanteil von etwa 25 Prozent.

Bis Niedersachsen so weit ist, dürfte es wahrscheinlich länger als die knapp acht Jahre dauern, die der Koalitionstext anvisiert. Als Zielsetzung für sein Land hätten daher weiter die 15 Prozent Öko-Landwirtschaft Bestand, auf die sich Politik, Umweltverbände und Landwirtschaft im sogenannten "Niedersächsischen Weg" geeinigt hätten, sagte Olaf Lies gegenüber der Zeitung. "Das ist zu schaffen", betonte der Minister, der für die Sozialdemokraten an den Koalitionsverhandlungen teilgenommen hatte. Für Gesamtdeutschland sei das 30-Prozent-Ziel jedoch glaubwürdig, betont er.

Auch das Landwirtschaftsministerium verweist auf die erst kürzlich  festgelegte 15-Prozent-Marke. "Es ist nicht beabsichtigt, sie kurzfristig infrage zu stellen", teilt Sprecherin Natascha Manski mit. Für das Ministerium sei klar, dass das "neue Öko-Ziel der neuen Bundesregierung" nur ein Durchschnitt sein könne. Aufgrund struktureller, klimatischer und wirtschaftlicher Unterschiede werde es auch weiterhin Unterschiede im Öko-Anteil zwischen den Bundesländern geben. Niedersachsen werde  seine Aktivitäten zum Ökolandbau aber weiter verstärken und seinen Beitrag zum angestrebten Ziel auf Bundesebene leisten. 

Kreislandvolkvorsitzender äußert Skepsis

Zweifel an der Umsetzbarkeit der ambitionierten Vorgaben äußerte auch der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Vechta, Dr. Johannes Wilking, gegenüber OM Online. Die Betriebsauswertungsergebnisse der Landwirtschaftskammer zeigten, wie ernst die Lage auf vielen Höfen geworden sei. "Deshalb bin ich beim Ziel 30 Prozent Ökolandbau für Deutschland außerordentlich skeptisch." Der Ökolandbau habe im vergangenen Jahr vielen ein gutes Auskommen ermöglicht, betont Wilking. "Dass das bei einem massiven Ausbau dieses Sektors so bleiben wird, halte ich für eher unwahrscheinlich."

Die Frage ist auch, wie die bislang konventionell wirtschaftenden Landwirte zur Umstellung gebracht werden sollen. Die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) kündigte ebenfalls in der NOZ an, dass in den Kantinen öffentlicher Einrichtungen  eine Bio-Untergrenze eingeführt werden soll. Künast sagte: "Hier wollen wir den Anteil regional und ökologisch erzeugter Lebensmittel deutlich erhöhen – auf mindestens 30 Prozent." Der Staat werde seine Nachfragemacht nutzen und die Landwirtschaft werde  mitziehen, ist sich Künast sicher.

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