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"GiroKomfort" kostet künftig 7,50 Euro

Die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) hat den monatlichen Pauschalpreis für ihr gängigstes Kontomodell erhöht. Kritik kommt unter anderem von den Cloppenburger Jusos.

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Der amtierende Vorstand der LzO mit: (von links) Jürgen Rauber, Michael Thanheiser (Vorsitzender), Tanja-Vera Asmussen und Olaf Hemker. Foto: Kühn

Der amtierende Vorstand der LzO mit: (von links) Jürgen Rauber, Michael Thanheiser (Vorsitzender), Tanja-Vera Asmussen und Olaf Hemker. Foto: Kühn

Die Landessparkasse zu Oldenburg hat jetzt den Kunden ihres Kontomodells „GiroKomfort“ eine Erhöhung des monatlichen Pauschalpreises auf 7,50 Euro angekündigt. Zum 1. Oktober wird das gebräuchlichste Konto der LzO um 1,50 Euro oder 25 Prozent teurer. Die Erhöhung erklärt die Sparkasse mit einer stetigen Weiterentwicklung des „Leistungsspektrums unserer Girokonten“. In diesem Zusammenhang wird unter anderem auf hohe Sicherheitsstandards und eine mit Höchstnote bewertete Banking-App verwiesen. In der Monatspauschale sind alle Buchungen und eine Sparkassen-Card enthalten. Die Kunden werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihr Konto bis zum 30. September kündigen müssen, soll sich der Vertrag nicht zu den neuen Konditionen verlängern.

Jusos werfen der Landessparkasse "Profitgier" vor

In einer Pressemitteilung „für die Jusos Cloppenburg“, die Jugendorganisation der SPD, hatten Jessica Heister und Jan-Oskar Höffmann von einer „unsozialen und unnötigen“ Erhöhung der Monatspauschale durch die LzO gesprochen. Sie sehen angesichts eines kontinuierlich ausgewiesenen Jahresgewinns von 20 Millionen Euro „Profitgier“. Insbesondere Kunden mit geringerem Einkommen würden die Erhöhung zu spüren bekommen. Sie fordern angesichts der hohen Gewinne ein kostenloses Grundkonto. Insbesondere wegen ihres gesetzlich formulierten Auftrags sei die Sparkasse zu gemeinnützigem Verhalten verpflichtet, heißt es in der Erklärung.

Im Verwaltungsrat der Kasse vertreten sind deren Anteilseigner, darunter auch die Landkreise Cloppenburg und Vechta. Die Landräte Herbert Winkel (CDU, Vechta) und Johann Wimberg (CDU, Cloppenburg) werden von den Jusos aufgefordert, den Vorstand der LzO „zurückzupfeifen“, damit dieser die Erhöhung zurücknimmt.

Die LzO unterhält laut eigenen Angaben 112 Filialen im Oldenburger Land. Foto: KühnDie LzO unterhält laut eigenen Angaben 112 Filialen im Oldenburger Land. Foto: Kühn

Ammerländer Landrat weist Kritik zurück 

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, der Ammerländer Landrat Jörg Bensberg (parteilos), weist die Kritik deutlich zurück. Nach dem Sparkassengesetz bestehe ausdrücklich keine Pflicht zu sozialem Handeln, sondern die Träger sollen unter anderem bei der Aufgabenerfüllung im sozialen Bereich unterstützt werden. „Insoweit kommt die LzO nach Ansicht aller Trägervertreter dieser Aufgabe durch die diversen Stiftungen, direkten Geldzuwendungen und durch das Sponsoring in ausgezeichneter Weise nach, und hebt sich dabei deutlich zum Beispiel von den privaten Mitbewerbern ab“, erklärt Bensberg.

Als Verwaltungsratsvorsitzender wie auch als persönlich betroffener Kontoinhaber „halte ich die Erhöhung für vollkommen unspektakulär“, so Bensberg.

Auf die Frage dieser Redaktion, ob denn angesichts der für viele Menschen finanziellen Unwägbarkeiten wegen der Coronakrise die Erhöhung nicht zur Unzeit komme, und „instinktlos“ sei, antwortet Bensberg: „Eine Erhöhung um 1,50 Euro im Monat hat auch nichts mit Instinktlosigkeit zu tun; einen geeigneten Zeitpunkt für eine Erhöhung wird es nie geben.“ Die monatliche Erhöhung dürfte verkraftbar sein: „Manch einer gibt alleine bei ungeschicktem Tankverhalten für nur eine Tankfüllung deutlich mehr Geld aus.“

Auf eine Rücknahme der Erhöhung werde er nicht drängen, sagt Bensberg, „es ist nicht Aufgabe eines Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratsmitgliedes, sich in das operative Geschäft einzumischen. Die große Zufriedenheit der jeweiligen Träger mit der Arbeit und den getroffenen Entscheidungen der Geschäftsführung mag man daran erkennen, dass alle diesbezüglichen Entscheidungen in den jeweiligen Gremien jeweils einstimmig getroffen wurden“, stellt Bensberg klar.

"Seit der letzten Preisanpassung im Jahr 2016 – also vor vier Jahren – haben wir unser Leistungsspektrum bei unseren Girokonten stetig ausgebaut."LzO-Sprecher Andreas Renken

Persönliche Stellungnahmen der beiden Landräte aus dem Oldenburger Münsterland waren gestern nicht zu erhalten – wie zahlreiche weitere Verwaltungsratsmitglieder der LzO weilen beide im Urlaub. Im Kreis Vechta sind Landrat Winkel und Heiner Thölke (CDU) Mitglied des Verwaltungsrates. Kreissprecher Jochen Steinkamp wollte in Urlaubsabwesenheit beider keine Stellung nehmen.

LzO-Sprecher Andreas Renken meint, dass das „GiroKomfort“ ein sehr transparentes Kontomodell ist. „Seit der letzten Preisanpassung im Jahr 2016 – also vor vier Jahren – haben wir unser Leistungsspektrum bei unseren Girokonten stetig ausgebaut.“ Die LzO unterhalte – im Gegensatz zu Direktbanken oder anderen Wettbewerbern – mit ihren 112 Filialen im Oldenburger Land ein dichtes Filialnetz. Daran wolle man festhalten, den Service in den Filialen weiter ausbauen: „Das alles ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit“, erklärt Renken. Man sei der Meinung, mit dem Gesamtpaket den Kunden ein faires und gutes Preis-Leistungsverhältnis zu bieten.

LzO prescht bei der Preisgestaltung vor

Eine nicht repräsentative Kurzumfrage unter Banken, die regional ebenfalls noch über ein größeres Filialnetz verfügen, ergab, dass die LzO mit ihrem neuen Preis für ihr gängigstes Kontomodell vorne liegt. Der Sprecher der Oldenburgischen Landesbank (OLB), Timo Cyriacks, verweist hinsichtlich der üblichen Basisbankleistungen auf das „Girokonto Kompakt“. Das koste inklusive kostenloser Girocard 5,90 Euro pro Monat. Dr. Martin Kühling, Sprecher des Vorstandes der Volksbank Vechta, nennt als ein ähnliches Modell seiner Bank das Kundenkonto „Online plus“. „Die meisten Kunden schließen heute ein Onlinekonto ab“, sagt er. Das Modell kostet 4,40 Euro im Monat inklusive Bankkarte.

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