Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Genossenschaften erweisen sich als solide

Etwa 120 Vertreter der Mitgliedsunternehmen des Verbandes Weser Ems trafen sich in Oldenburg, um über das Geschäftsjahr 2019 zu sprechen. Das verlief zufriedenstellend.

Artikel teilen:
Verbandstag des Genossenschaftsverband Weser-Ems: Das Grußwort sprach der Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann umringt von Ralph Zollenkopf (Verbandsratsvorsitzender, links) und Johannes Freundlieb (Verbandsdirektor, rechts). Foto: Dittrich

Verbandstag des Genossenschaftsverband Weser-Ems: Das Grußwort sprach der Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann umringt von Ralph Zollenkopf (Verbandsratsvorsitzender, links) und Johannes Freundlieb (Verbandsdirektor, rechts). Foto: Dittrich

Etwa 120 Vertreter der genossenschaftlichen Mitgliedsunternehmen sind der Einladung des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems zum Verbandstag am Mittwoch (2. September) in die Weser-Ems Hallen nach Oldenburg gefolgt. Das Grußwort sprach Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung und stellvertretender Ministerpräsident. Der Verbandsratsvorsitzende Ralph Zollenkopf führte durch den Verbandstag, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels berichteten über das abgelaufene Geschäftsjahr sowie über die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

In seinem Grußwort ging Wirtschaftsminister Althusmann auf die Bedeutung des Verbandes ein: Die über 300 dem Verband angehörenden Genossenschaften und genossenschaftlich orientierten Gesellschaften zählen annähernd 555. 000 Mitglieder und beschäftigen fast 10. 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Die Genossenschaften in Weser-Ems sind bedeutsame Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor für die Region – und zeichnen sich zudem durch ein hohes Maß an Stabilität aus: In den wesentlichen Branchen sind keine corona-bedingten staatlichen Hilfskredite in Anspruch genommen worden und Kurzarbeit wurde lediglich in sehr geringem Umfang aufgrund angeordneter Teilbetriebsschließungen genutzt“, wird Althusmann in der Mitteilung zitiert.

Ländliche Genossenschaften und Gesellschaften solide aufgestellt

Axel Schwengels ließ in seinem Bericht wissen, dass die Genossenschaftsbanken ihre Marktposition 2019 gefestigt haben. Die Ergebnisse im Kredit- (22,76 Milliarden Euro, plus 5,7 Prozent) und Einlagengeschäft (20,25 Milliarden Euro, plus 7,2 Prozent) spiegelten das hohe Vertrauen der Mitglieder und Kunden in die Genossenschaftsbanken wider, sagte Schwengels. Das Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von 0,98 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme fällt gegenüber dem Vorjahr (1,01 Prozent) leicht niedriger aus, sei im Bundesvergleich aber wiederum ein Spitzenwert. Nach Verrechnung des Bewertungsergebnisses aus dem eigenen Wertpapierbestand und aus den Kundenforderungen, das insgesamt positiv ausfiel, beträgt das Betriebsergebnis 1,10 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme.

„Trotz zusätzlicher Herausforderungen wie stark schwankende Weltmarktpreise, zunehmende gesellschafts- und agrarpolitische Anforderungen sowie erforderliche Investitionen in die weitere Digitalisierung sind unsere Ländlichen Genossenschaften und Gesellschaften solide aufgestellt“, hob Schwengels hervor. So konnten die beiden Obst- und Gemüsegenossenschaften ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf 301,0 Millionen Euro ausbauen und ihre Eigenkapitalquote weiter auf 34,2 Prozent verbessern. Bei den 40 Warengenossenschaften und -gesellschaften ist der Umsatz 2019 mit rund 1,7 Milliarden Euro stabil geblieben. Die Eigenkapitalausstattung sei mit über 54 Prozent der Bilanzsumme sehr gut.

Stabile Zahlen gegenüber dem Vorjahr

Die 23 Genossenschaften und Gesellschaften, die in der Vieherfassung und vereinzelt auch in der Fleischvermarktung tätig sind, vermarkteten mit 6,8 Millionen (Vorjahr: 7,0 Millionen Tiere) etwas weniger Tiere als im Vorjahr. Der damit erzielte Umsatz beträgt 1,1 Milliarden Euro, rund 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote liegt bei 56 Prozent der Bilanzsumme und sei ebenfalls sehr gut, so Freundlieb. Der erwirtschaftete Umsatz der vier Molkereigenossenschaften war 2019 mit 6,5 Milliarden Euro stabil gegenüber dem Vorjahr. Die Umschlagsmenge ist leicht um 600.000 Kilogramm gesunken.

Für 2019 beträgt der Gesamtumsatz aller Energiegenossenschaften in Weser-Ems knapp 100 Millionen Euro (2018 noch über 100 Millionen Euro); Grund für den leichten Rückgang sind gesunkene Energiepreise.

Pandemie-Folgen machen sich bemerkbar

Johannes Freundlieb berichtete daraufhin, dass die Genossenschaften in der Corona-Krise gezeigt hätten, dass man sich auf sie verlassen könne. Wie nah die Genossenschaftsbanken am Kunden sind, belegen laut der Mitteilung die knapp 30. 000 und damit 30 Prozent der KfW-Förderanträge mit einem Antragsvolumen von 7,7 Milliarden Euro, die bundesweit durch die genossenschaftliche FinanzGruppe verzeichnet wurden. Das addierte Bilanzvolumen der 58 in die Statistik einbezogenen Genossenschaftsbanken erhöhte sich im ersten Halbjahr um 4,2 Prozent auf rund 31,76 Milliarden Euro (2019: 30,47 Milliarden Euro). Die durchschnittliche Bilanzsumme ist damit auf 547,59 Millionen Euro angestiegen (2019: 525,34 Millionen Euro). Das Betriebsergebnis vor Bewertung wird per Ende Juni zum 31. Dezember 2020 auf einen im Vergleich zum Vorjahr um 0,14 Prozentpunkte verringerten Wert von 0,84 Prozent erwartet.

Corona schlägt sich zudem bei den Viehvermarktungsgenossenschaften auf die Preise nieder: Während der Pandemie ging der Absatz von Schweine- und Rindfleisch im Inland drastisch zurück. Lange geschlossene Restaurants und Kantinen sowie die Absage von Großveranstaltungen ließen die Schweinepreise einbrechen. Auch Rindfleisch ist in der Pandemie aufgrund der Gastronomieschließungen beziehungsweise Einschränkungen immer weniger gefragt und die Preise sinken. Die Pandemie hat auch spürbare Auswirkungen auf den Milchmarkt: Ein erschwertes Exportgeschäft und die weggebrochene Nachfrage von Gastronomie und Großverbrauchern führte zu erheblichen Absatzeinbußen, die durch eine deutlich erhöhte Nachfrage aus dem Lebensmitteleinzelhandel nicht kompensiert werden konnten.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Genossenschaften erweisen sich als solide - OM online