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Fast 1,6 Milliarden Euro Bilanzsumme: Die Volksbanken Vechta und Bakum wollen fusionieren

Die beiden genossenschaftlichen Geldinstitute wollen zum 1. Januar 2022 zusammengehen. Die dann 224 Mitarbeiter der neuen "Volksbank Vechta eG" werden an zwölf Standorten über 52.000 Kunden betreuen.

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Die Volksbanken Vechta und Bakum stehen vor einer „Liebesheirat“: (von links) Herbert Hermes, Dr. Martin Kühling und Ludger Wessel (alle Volksbank Vechta) mit Siegfried Böckmann, Hermann Bohmann und Christian Götting (Volksbank Bakum). Foto: Kühn

Die Volksbanken Vechta und Bakum stehen vor einer „Liebesheirat“: (von links) Herbert Hermes, Dr. Martin Kühling und Ludger Wessel (alle Volksbank Vechta) mit Siegfried Böckmann, Hermann Bohmann und Christian Götting (Volksbank Bakum). Foto: Kühn

Die Fusionen der genossenschaftlichen Geldinstitute im Oldenburger Münsterland gehen weiter. Nachdem deren Mitglieder zuletzt im Landkreis Cloppenburg die Spar- und Darlehenskasse Friesoythe mit der Volksbank Bösel vereinigt hatten, steht nun im Landkreis Vechta eine Verschmelzung an. Zum 1. Januar 2022 wollen die Volksbank Bakum eG und die Volksbank Vechta eG fusionieren. Aufsichtsräte und Vorstände der beiden Genossenschaftsbanken haben am Dienstag (23. November) eine entsprechende Absichtsvereinbarung unterzeichnet.

Mit Abschluss der konkreten Fusionsverhandlungen würde eines der größten genossenschaftlichen Geldinstitute in der Weser-Ems-Region entstehen. Die Bank soll die Bezeichnung Volksbank Vechta eG tragen. Aus heutiger Sicht, so die Angaben der Bankvorstände Dr. Martin Kühling und Herbert Hermes (Vechta) sowie Hermann Bohmann und Christian Götting (Bakum), kommt die vergrößerte Volksbank Vechta auf eine Bilanzsumme von rund 1,575 Milliarden Euro und auf ein bilanzielles Kundenwertvolumen von über 2,3 Milliarden Euro. Sie wird 21.500 genossenschaftliche Anteilseigner haben. An zwölf Standorten werden von 224 Mitarbeitern über 52.000 Kunden betreut.

Vorstand Dr. Martin Kühling sprach am Dienstag auf Anfrage von einer "Liebesheirat" der beiden Banken. Mit der Fusion werde kein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verlieren. Betriebsbedingte Kündigungen werde es im Zuge des Vereinigungsprozesses nicht geben, versicherten die Verhandlungspartner. Vorstände der Bank werden Kühling und Hermes bleiben, die beiden Bakumer Bankchefs "werden leitende Positionen" in der neuen Struktur innehaben. Der bestehende Aufsichtsrat der Volksbank Vechta wird ergänzt.

Die Volksbank Bakum residiert in einem Bankgebäude im Ortszentrum.  Foto: VolksbankDie Volksbank Bakum residiert in einem Bankgebäude im Ortszentrum.  Foto: Volksbank

Im Juni 2022 sollen die Mitglieder in Bakum und die Vertreter in Vechta im Rahmen der General- beziehungsweise Vertreterversammlung über die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2022 abstimmen.

Durch die Verschmelzung sollen Synergieeffekte gehoben und Kosten eingespart werden, erklärten im Gespräch mit OM Online die vier Vorstände der beiden Volksbanken. Sie betonen unisono, dass so weitere Investitionen in digitale Infrastruktur und Anwendungen getätigt werden könnten. Für Mitglieder und Kunden „bleiben die vertrauten Ansprechpartner“.

Die Bakumer Banker und ihr Aufsichtsrat sehen die Fusion als Ausrichtung auf die Zukunft

Im Gespräch betonen die hauptamtlichen Bankleiter, dass mit der Fusion weitere Investitionen in digitale Infrastruktur und Anwendungen getätigt werden können. Für Mitglieder und Kunden „bleiben die vertrauten Ansprechpartner“. Beide „Banken orientieren sich mit ihrer Fusion an den Bedürfnissen ihrer Kunden“, sagt Hermes. Beide würden an ihren jeweiligen Standorten als „die Bank vor Ort wahrgenommen“, und das solle auch zukünftig so bleiben.

Für die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden Ludger Wessel (Vechta) und Siegfried Böckmann (Bakum) ist es ein „Zusammenschluss auf Augenhöhe“, so Wessel. Böckmann betont: „Die Volksbank Bakum ist eine starke Bank und geht selbstbewusst, aber nicht überheblich in die Fusion. Wir kommen nicht aus einer Schwäche.“

Die Volksbank Bakum feiert in diesem Jahr das 125-jährige Bestehen, am 1. Januar wird sie in einer neuen Volksbank Vechta aufgehen. Dieses „Ende“ nach langer Zeit der Eigenständigkeit sehen die Bakumer jedoch als Ausrichtung auf die Zukunft. „Wir stellen den Bankstandort Bakum für die nächsten 125 Jahre sicher“, sagt Bohmann. Als Genossenschaftsbank wisse man: „Wer seine Kräfte bündelt, wird stärker. Die anhaltende Niedrigzinsphase, eine zunehmende Regulatorik, die demografische Entwicklung und der digitale Wandel erfordern neue Antworten.“ Gemeinsam wolle man die Herausforderungen meistern, „um unsere Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit für die Mitglieder und Kunden nachhaltig auszubauen“, sagt Götting.

Die Hauptstelle der Volksbank Vechta befindet sich in der Kreisstadt an der Falkenrotter Straße. Foto: KühnDie Hauptstelle der Volksbank Vechta befindet sich in der Kreisstadt an der Falkenrotter Straße. Foto: Kühn

Bohmann ergänzt, dass man die „Entscheidung nicht von heute auf morgen getroffen“ habe. Die beiden Banken „passen gut zueinander – angefangen von den angrenzenden Geschäftsgebieten bis hin zur bereits erfolgreichen Zusammenarbeit im Immobilien- und Konsortialkreditgeschäft“: Gerade zur Finanzierung des Mittelstands „ergeben sich in der größeren Bank mehr Möglichkeiten“.

Das sieht auch Hermes so, der angesichts dessen, „was da alles in Bakum, besonders entlang der Autobahn wächst“, besonders den Unternehmerkunden „die Vorteile einer größeren Bank“ mit Blick auf Kreditierungsmöglichkeiten bieten will.

Von den nackten Zahlen her betrachtet, sei die Volksbank Bakum „eine Perle“ zitiert Kühling einen in der Fusion eingeschalteten Wirtschaftsprüfer. Die mit einer Bilanzsumme von 100 Millionen Euro kleinste Volksbank hat mit 12,6 Prozent die höchste Eigenkapitalquote unter den Volksbanken im Kreis. Sie bringt 3800 Kunden und etwas über 1400 Mitglieder in die Ehe ein. Zuletzt wuchs die Bilanzsumme - ähnlich wie die der Volksbank Vechta – kontinuierlich um „rund sechs Prozent pro Jahr“, weiß Götting.

„Es ist genau die richtige Zeit, um zusammenzuwachsen.“Herbert Hermes, Vorstand der Volksbank Vechta

Als „regional verwurzelte Genossenschaftsbanken“ wolle man zukünftig das Produkt- und Dienstleistungsangebot gemeinsam weiterentwickeln. Die „hohe persönliche Bindung zu unseren Mitgliedern und Kunden und die ausgeprägte lokale Präsenz“ werden bleiben, versichert Kühling. Als einen „vorausschauenden Zusammenschluss“ bezeichnet Hermes die Fusion der beiden Banken. Er hebt hervor, dass es „genau die richtige Zeit ist, um zusammenzuwachsen“. Beide Geldinstitute handelten „aus einer Position substanzieller Stärke und ohne wirtschaftliche Not“ heraus.

Die fusionierte Volksbank wird ihren juristischen Sitz in der Kreisstadt haben. Rechtlich aufnehmendes Institut ist die Volksbank Vechta eG. Die drei Aufsichtsratsmitglieder der Volksbank Bakum mit dem Vorsitzenden Siegfried Böckmann werden den von Ludger Wessel angeführten neunköpfigen Aufsichtsrat der Volksbank Vechta erweitern. Wessel wie Böckmann sehen in dem nun vergrößerten Gremium „kein Übergewicht der Bakumer“. Man werde sich zusammenfinden.

Die Mitarbeiter beider Banken waren am Dienstagnachmittag (23. November) über die Fusion informiert worden. Betriebsbedingte Kündigungen wird es aufgrund der Vereinigung nicht geben. Ganz im Gegenteil, so betonen die Vorstände, solle durch Spezialisierungsmöglichkeiten die Entwicklung der Mitarbeiter gefördert und die Beratungskompetenz insgesamt weiter gesteigert werden.

Siegfried Böckmann: Die Mitarbeiter in Bakum werden durch die Fusion gewinnen

Für die 13 Mitarbeiter in Bakum bedeute die Fusion „einen Gewinn“ und Entlastung, meint Böckmann, der darauf verweist, dass besonders hinsichtlich der Regulatorik eine kleine Bank dieselben Anforderungen zu erfüllen habe, wie eine größere - bei weniger Mitarbeitern. Die Mitarbeiter hätten die Pläne sehr positiv aufgenommen.

Wird die Fusion in Bakum und in Vechta von den Mitgliedern abgesegnet, wird es nur noch fünf Volksbanken im Kreis Vechta geben. In den 1970er Jahren hatte es in fast jedem größeren Ort im Kreisgebiet noch kleine, eigenständige Volksbanken gegeben, die zumeist aus Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Spar- und Darlehenskassenvereinen hervorgegangen waren. Die Volksbank Vechta fusionierte in ihrer Historie zuerst mit der in Langförden.

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