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Export trotz Schweinepest: Franzosen einigen sich mit Chinesen

Ob das Abkommen als Blaupause auch für andere europäische Länder dienen kann, muss sich erst zeigen. Den darbenden Schweinehaltern in Deutschland dürfte es zumindest Hoffnung auf bessere Preise geben.

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Wachsender Markt: Schweinefleisch ist in China gefragt. Deutsche Exporteure haben zurzeit aber das Nachsehen. Foto:  dpa/ Dong Jinlin

Wachsender Markt: Schweinefleisch ist in China gefragt. Deutsche Exporteure haben zurzeit aber das Nachsehen. Foto:  dpa/ Dong Jinlin

Die französische und die chinesische Regierung haben in dieser Woche eine Vereinbarung  unterzeichnet, die sicherstellt, dass französisches Schweinefleisch auch bei einem  Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) weiter nach China exportiert werden darf. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche zwischen den beiden Regierungen haben sich nach französischen Angaben 2 Jahre lang hingezogen.

Das Abkommen wurde während eines Treffens französischer und chinesischer Wirtschaftsexperten unterzeichnet. Laut der Vereinbarung lässt China Schweinefleischexporte aus nicht von der ASP betroffenen Regionen Frankreichs zu, auch wenn die Seuche anderswo im Land auftritt. "Dieses Abkommen ist das erste seiner Art, das China zugunsten eines EU-Landes unterzeichnet hat. Es ist somit ein Modell und läutet zukünftige Abkommen mit anderen Sektoren und Ländern ein", sagte der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie. Chinas Finanzministerium ließ erklären, dass es "das Inkrafttreten des regionalen Managementabkommens für die Afrikanische Schweinepest" begrüße. 

Die ASP hat sich in Europa stark ausgebreitet.  Am 10. September 2020 wurde der erste Ausbruch beim Schwarzwild in Deutschland im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg festgestellt. Am 31. Oktober 2020 wurde die ASP in Sachsen amtlich nachgewiesen, am 15. November 2021 schließlich auch in Mecklenburg-Vorpommern. China hatte die Einfuhr deutschen Schweinefleisches  sofort gestoppt, was zu einem massiven Preisverfall führte, der den Tierhaltern bis heute  hohe wirtschaftliche Verluste beschert.

Guericke kritisiert alte Bundesregierung

Auch das bis vor Kurzem von Julia Klöckner (CDU) geführte Bundeslandwirtschaftsministerium hat in den vergangenen Jahren mit den Chinesen verhandelt. Zu einem Abschluss war es aber nicht gekommen. Kein Wunder also, dass der französische Verhandlungserfolg auch hierzulande für Aufmerksamkeit sorgt. Das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) sieht darin "ein eindeutiges Signal, in welch hohem und verantwortungsbewusstem Maße Frankreich die Zukunft seiner landwirtschaftlichen Betriebe sichert". Mit der deutschen Politik geht AEF-Vorsitzender Sven Guericke dagegen kritisch ins Gericht. Bereits Anfang des Jahres habe man die Bundesregierung aufgefordert, die Regionalisierungsgespräche auf allerhöchster Ebene stattfinden zu lassen, so wie China es erwartet habe. "Mir ist es unverständlich, warum die damalige Bundesregierung die Verhandlungen seinen Staatssekretären überlassen hat. Sie hätte sich mit gleichem Nachdruck wie die französische Regierung für ihre Landwirte einsetzen müssen." 

Große Erwartung setzt das AEF jetzt in den neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir. Dieser habe nun die Chance, die Versäumnisse der Vergangenheit aufzugreifen und die Gespräche mit der chinesischen Staatsführung zeitnah anzuschieben, so Guericke. Damit könne Özdemir seiner Verantwortung für die Zukunft der deutschen Tierhaltung gerecht werden und gleichzeitig Perspektiven für den Schweinemarkt aufzeigen.

Ministerium sieht andere Ausgangslage

Das Bundeslandwirtschaftsministerium äußert sich auf Nachfrage von OM-Medien zurückhaltend.  Die Einigung wird zwar begrüßt. Die Verhandlungsposition Deutschlands mit China sei aber mit der Frankreichs nicht zu vergleichen, da in Frankreich bisher keine Fälle von Afrikanischer Schweinepest nachgewiesen wurden, erklärt eine Ministeriumssprecherin. "Die Ausgangslage ist also eine komplett andere."  Deutschland sei jedoch weiterhin in Gesprächen mit China. Auch das Bundeskanzleramt sei darin einbezogen. "Politisch wurde die Verhandlung seit Jahren intensiv und hochrangig unterstützt", betont die Sprecherin. Das Ministerium informiere die zuständigen chinesischen Behörden "transparent und sehr umfassend" und kommuniziere detailliert die deutsche Präventions- und Bekämpfungsstrategie.

Otte-Kinast ruft Jäger zur Vorsicht auf

Derweil rückt die für den Menschen ungefährliche Tierseuche auf etwa 50 Kilometer an die niedersächsische Landesgrenze heran. Um die Gefahr der Ausbreitung zu verringern, appelliert Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast deshalb an alle Jägerinnen und Jäger: "Bitte verzichten Sie nach Möglichkeit auf Jagdreisen in die betroffenen ASP-Gebiete." In einem Brief, der an alle Revierinhaber und Revierinhaberinnen in Niedersachsen versandt wurde, wirbt sie dafür, Fallwild, verendet aufgefundene Tiere und auch Wildbret unbedingt beproben zu lassen.  Das sprunghafte Seuchengeschehen zeige deutlich, dass der Mensch ein entscheidender Faktor bei der Verbreitung sein könne.

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