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EWE erhöht die Preise zum Oktober: So viel müssen Strom- und Gaskunden mehr bezahlen

Der Energieversorger mit Sitz in Oldenburg sehe sich gezwungen, die Preise noch einmal anzuheben. Das sagt EWE-Chef Dohler bei einer Pressekonferenz. Die nächste Erhöhung bahnt sich im Herbst an.

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Symbolfoto: dpa

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Die EWE wird ihre Strompreise zum 1. Oktober erhöhen. Das hat der Energieversorger am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz bekannt gegeben. „Wie es sich schon aufgrund der Entwicklungen der letzten Wochen angekündigt hat, ist EWE gezwungen, den Preis für Strom und Gas in der Grund- und Ersatzversorgung erneut anzuheben“, so Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler. Die nächste Preiserhöhung kündigt sich bereits an, wenn die politisch gewollte „Gasumlage“ im Herbst zum Tragen kommt.

Die Kunden der EWE im Nordwesten werden ab Oktober für Strom pro Kilowattstunde brutto 37,81 Cent und damit 11,76 Cent mehr als heute zahlen. Der jährliche Grundpreis von rund 180 Euro bleibt unverändert. Für einen Durchschnittshaushalt mit Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden ergeben sich laut Berechnung des Versorgers Mehrkosten von etwa 352 Euro im Jahr oder rund 29 Euro im Monat. Die Strompreisanhebung gilt jedoch nicht in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, weil EWE dort kein Stromgrundversorger ist.

Der Gaspreis steigt pro Kilowattstunde von aktuell brutto 13,17 Cent auf 14,99 Cent. Das entspricht einem Plus von 1,82 Cent und bedeutet bei einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden jährliche Mehrkosten von 364 Euro – pro Monat sind das ebenfalls 30 Euro mehr. Der Grundpreis bleibt auch für Gas unverändert (bisher rund 200 Euro/Jahr).

Betroffen sind mehr als 300.000 Strom- und 100.000 Gaskunden

Betroffen sind von dieser Preisanpassung laut Oliver Bolay, Geschäftsführer der EWE Vertrieb GmbH, insgesamt 375.000 Strom- und 110.000 Gaskunden der Grund- und Ersatzversorgung. Sie erhalten in Kürze auch ein persönliches Schreiben zur Preisanpassung. Der Versorger hat in Summe etwa 1,5 Millionen Kunden.

Der Großteil der EWE Strom- und Gaskunden verfügt laut Bolay über sogenannte Laufzeitverträge mit einer Preisgarantie von 12 oder 24 Monaten. Die Preise bleiben bis Vertragsende weiter garantiert.. „6 Wochen vor dem kundenindividuellen Ende der Laufzeit schreibt EWE diese Kunden jeweils an und bietet ihnen eine Verlängerung des Vertrages zu dem Preis, der dann für das jeweilige Laufzeitprodukt gilt, an. Das heißt, Kunden können sich den dann gültigen Preis wieder für 12 Monate sichern“, so Bolay.

Stefan Dohler bei der Online-Pressekonferenz: Die Erhöhungen sind eine riesige soziale Herausforderung, das wissen wir. Bildschirmfoto: KühnStefan Dohler bei der Online-Pressekonferenz: "Die Erhöhungen sind eine riesige soziale Herausforderung, das wissen wir". Bildschirmfoto: Kühn

Die Tarife für Produkte mit Preisgarantie passe EWE unterjährig, etwa im Quartalsrhythmus, an. Kunden, die ihr jetziges Laufzeitprodukt in Kürze zum dann aktuellen Tarif verlängerten, müssten sich jedoch beim Vergleich des neuen Tarifes mit dem Ausgangstarif von vor 12 oder 24 Monaten auf erhebliche Preissprünge einstellen.

Die zum Oktober vorgesehene Erhöhung der Preise über die Gasumlage müssen alle Kunden zahlen. Die Höhe dürfte in etwa der jüngst weggefallenen EEG-Umlage entsprechen. Dohler rechnet mit 1,5 bis 5 Cent Nettoerhöhung pro Kilowattstunde.

Seit Beginn des Jahres hat die EWE ihre Preise für Strom um rund 36 Prozent (andere Versorger: plus 45 Prozent), die für Gas um knapp 83 Prozent (90 Prozent) angehoben. Dohler versprach den Kunden, sinkende Energiepreise schnell weiterzugeben.

Preiserhöhungen seien unumgänglich gewesen

Dohler begründet die erneute Gaspreisanhebung vor allem mit der Preisdynamik auf dem Energiemarkt. Diese sei „nach wie vor ungebrochen“. Zahlte EWE auf dem Gasmarkt im September 2021 noch 23 Euro für die Megawattstunde, liege der Einkaufspreis derzeit bei 160 bis 180 Euro.  Die Preise gingen weiterhin deutlich nach oben, so Dohler, nicht zuletzt aufgrund des Angriffskrieges auf die Ukraine und der nochmal reduzierten russischen Gasliefermengen durch die Pipeline Nordstream 1.“ Aktuell liege die Megawattstunde "sogar bei 200 Euro.“

Die Preiserhöhungen habe EWE nicht umgehen können, meinte Dohler. Er hätte gerne bereits im Juli die Preise erhöht, damit die Anpassung langsam erfolgt, aber "bei Wegfall der EEG-Umlage war uns zugleich verboten worden, unsere Preise an die aktuelle Energiekrise anzupassen." Mit Blick auf die jetzige Preiserhöhung, in die die Einführung der Gasumlage noch nicht eingerechnet ist, sprach Dohler von "riesigen sozialen Herausforderungen. Die Versorger können das nicht allein abfedern." Er forderte ein rasches Handeln der Politik und Entlastungen für die Haushalte, "zum Beispiel über das Wohngeld", um die hohen Energiekosten aufzufangen.

Vorstandsvorsitzenden empfiehlt "Einsparung"

Dohler sieht die "soziale Sprengkraft", die die jetzigen Erhöhungen mit sich bringen. Anhand einer möglichen Erhöhung des Preises für die verbrauchte Kilowattstunde von 2,5 Cent durch die Gasumlage rechnete er vor, dass EWE rund 90 Millionen Euro pro Monat in das Umlagekonto einzahlen müsse. "Das sind etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr". Diese Dimension sei auch für EWE "echt heftig". Um selbst finanziell handlungsfähig zu bleiben, sei EWE gezwungen, die Umlagekosten direkt an die Kunden weiterzureichen.

Um die Preiserhöhungen abzumildern und einen Energienotstand zu vermeiden, empfiehlt der Vorstandsvorsitzende allen Energieverbrauchern "Einsparung". Alles, was man jetzt nicht den Gasspeichern entnehmen müsse, helfe, "um über den Winter zu kommen". Derzeit seien die Gasspeicher zu "70 Prozent gefüllt, 90 Prozent müssen wir erreichen, was wir angesichts der jetzigen Liefermengen absehbar nicht schaffen werden".

Gibt es Maßnahmen gegen eine Energiekostenexplosion? Haushalte, die sich derzeit in der Grundversorgung befinden, sollten einen Wechsel in günstigere Tarife erwägen, rät Dohler. Sofern es möglich sei, könnten Haushalte ihren Abschlag erhöhen, damit die Nachzahlungen nicht zu hoch ausfallen.

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