Die Gerätschaften sind abgebaut und eingepackt. Die Schausteller waren mit dem Umsatz auf dem Cloppenburger Junimarkt zufrieden. Selbst der selten um ein kritisches Wort verlegene Schausteller Don Wimmert spricht von einem Erfolg. Sei’s ihnen gegönnt. Der Marktplatz kann wieder als dringend benötigter Parkplatz genutzt werden. Das ist vor allem für die Pendler auch schön. Am Antoniusplatz wird natürlich weiter gebuddelt und nicht geparkt. An der Bürgermeister-Heukamp-Straße schrumpfen die Plätze auch stündlich. Die Osterstraße, einst Bundesstraße, bleibt weiterhin gesperrt, und der Verkehr quält sich müßig durch die huckelige Burgstraße.
Soweit keine besonderen Vorkommnisse in der Kreisstadt. Business as usual. Heißt: Die Geschäfte gehen ihren Gang. Alles geht seinen Gang? Von wegen. Der Fetisch ist wieder da. Nicht mal angestaubt. So schnell ging das. Das Goldene Kalb „verkaufsoffener Sonntag“ steht endlich wieder im Mittelpunkt. Doch selten war ein Tanz so verlogen, wie das Gehopse um ein paar Stunden Verkaufszeit an einem Sonntag. Der Wettbewerb der Ahnungslosigkeit, der Böswilligkeit wie Gläubigkeit und des bewussten Populismus hat wieder Fahrt aufgenommen. Man steuert eigenen Unsinn bei und macht sich wichtig. Sach- und Rechtslage interessiert niemanden. Das gilt übrigens nicht nur für die Cloppenburger. Da stehen die Friesoyther ihnen in nichts nach. Dort auch gerne „verkaufsoffen“ contra legem.
Und dann die „sozialen Medien“, die weder „sozial“ noch „Medien“ sind, sondern ein Forum für vielleicht Viertelwissende, aber mit maximalem Brustton des Wichtigtuns. Selten von Kenntnis getrübt. „Hate“ heißt das heute. Und anonym darf es sein, wegen Persönlichkeitsschutz und so.
„Die Beschäftigten brauchen keinen verkaufsoffenen Sonntag. Mancher Ladeninhaber auch nicht. Viel heiße Luft um wenig bis nichts.“
Doch zurück – warum Kaufleute den Fetisch „verkaufsoffen“ immer wieder hervorholen, mag der Himmel wissen. Sie bewerten ihn als einen Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden. Der Umsatz soll es sein? Ist das der Tag des Riesen-Umsatzes? Endlich Geld verdienen? Die Antworten werden ernüchternd sein. Viele würden den Laden lieber dicht lassen. Jahrelang der ständige Zoff mit der Gewerkschaft. Verdi reagierte mit Eilanträgen. Die Gerichte entschieden fast immer gegen die Kommunen. Also Kompromiss: Höchstens 4 verkaufsoffene Tage, aber anlassbezogen, also mit Junimarkt oder Tausendjahrfeier oder sonst was Bedeutendem, und nur in der Innenstadt mit Radius und maximal 5 Stunden.
Das ist der Rahmen. Das ist die Rechtslage. Und da kann eine Kommune nicht einfach sagen: Interessiert mich nicht, wir machen 5 offene Sonntage. Oder was brauche ich einen Anlass? Wir öffnen, wann wir Bock haben. Dann kommt Verdi und macht dir 3 Tage vorher den gesamten Laden zu. Das nennt man einen Kompromiss. Einen was? Kompromiss, hä? Brauchen wir nicht, kennen wir nicht, sagen sie in den Foren.
Stattdessen: Typisch Cloppenburg. Oder: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Oder: Auch unter Kaufleuten soll es vorkommen, dass einer den anderen piesackt. Da kommen unklare Rechtslagen gelegen. Also runter vom Aufblasen. Abkühlen. Cool bleiben.
Die Beschäftigten brauchen keinen verkaufsoffenen Sonntag. Mancher Ladeninhaber auch nicht. Viel heiße Luft um wenig bis nichts. Cafés sollten geöffnet haben. Plätze zum Schnacken und Verweilen. Doch die gibt es ja nicht mehr. Der Fetisch verschleiert nur, wie sich die Kaufgewohnheiten geändert haben. Kaufen kann ich im Internet Tag und Nacht. Aber das Flanieren durch eine schöne Innenstadt an einem freien Arbeitstag, mit konditern und kaffeesieren, Menschen treffen und seinen Wohnort genießen, dazu braucht es andere Ideen als den immer wieder aufgebrühten, doch leider abgestandenen und schal gewordenen Einfall „verkaufsoffen“.
Zur Person:
- Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
- Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.