Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Bei den Gastronomen im Kreis Vechta ist ein Aufatmen zu spüren

Den sinkenden Inzidenzzahlen sei Dank: Ab Freitag (21. Mai) können Einzelhandel und Außengastronomie im Kreis öffnen. Eine Umfrage zeigt: Nicht alle Gastgeber öffnen bereits an den Pfingsttagen.

Artikel teilen:
Blicken nach vorne und eröffnen am Samstag ihren Beach-Club am Hartensbergsee in Goldenstedt: Estelle (5 Jahre), Jonny (35), und Natascha Barber (33). Foto: Niehues

Blicken nach vorne und eröffnen am Samstag ihren Beach-Club am Hartensbergsee in Goldenstedt: Estelle (5 Jahre), Jonny (35), und Natascha Barber (33). Foto: Niehues

Ist es tatsächlich die Rückkehr zu dauerhafter Normalität? Am Donnerstag (20. Mai) hat der Landkreis Vechta eine Corona-Allgemeinverfügung veröffentlichen können, mit der er bestehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben hat. Seit dem vergangenen Freitag liegt die offiziell durch das Robert-Koch-Institut festgestellte Inzidenz unter 100. Zuletzt am Donnerstag (20. Mai) bei 68,6. Wird der Schwellenwert an 5 Werktagen hintereinander unterschritten, können am übernächsten Tag Handel und Gastronomie unter strengen Auflagen für Kunden und Gäste öffnen.

Während im Kreis Vechta bereits am Freitag geöffnet wird, hinkt der Kreis Cloppenburg ein wenig hinterher. Dort wird laut Kreisverwaltung die Öffnungsverfügung am Samstag bekannt gemacht – wenn die Inzidenz so niedrig bleibt wie bisher. Am Donnerstag lag die Zahl mit 80,3 den dritten Tag nacheinander unter 100. Bleiben auch die folgenden beiden Tage unter der gesetzlich festgelegten Grenze, ist eine reglementierte Öffnung von Handel und Gastronomie ab Pfingstmontag auch im Kreis Cloppenburg erlaubt.

Umfrage: Werden die Gastronomen ihre neuen Freiheiten nutzen und bereits an den Pfingsttagen öffnen?

Doch werden auch alle Gastronomen ihre Betriebe öffnen? OM online hat versucht, ein – nicht vollständiges und abschließendes – Stimmungsbild einzufangen.

"Es ist wunderbar, dass jetzt endlich ein Anfang gemacht werden kann", freut sich Ulrich Steinkamp, Vorsitzender des Kreisverbandes Vechta des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Er rät Ausflüglern und Kneipengängern generell dazu, sich vorher zu erkundigen, ob das ausgewählte Lokal auch geöffnet ist. "Nicht jeder Betrieb hat Außenplätze. Über solche verfügen vielleicht 20 Prozent der dem Kreisverband angeschlossenen 112 Gastronomen. Und: Viele Gastgeber scheuen den hohen Aufwand einer kurzfristigen Öffnung. Das betrifft vor allem den Personaleinsatz oder die Hygieneauflagen. Da ins Geld zu gehen ist erst einmal – insbesondere, wenn der Betrieb nicht eine ausgesprochene Ausflugsdestination ist – ein Risiko. Man weiß nicht, wie viele Gäste tatsächlich kommen."

Dass einige Betriebe möglicherweise auch technisch nicht vorbereitet sind, etwa die digitalen Nachverfolgungsmöglichkeiten noch nicht eingerichtet haben, verhehlt Steinkamp nicht. Die Nachverfolgung, etwa über die Luca-App, müsse natürlich funktionieren. In anderen Gebieten im Nordwesten gehe man in den gastronomischen Betrieben bereits sehr "professionell" mit den Apps um.

"Die Gäste sind heiß und wollen raus."Sandra Scrapic, Restaurant Schomaker in Dümmerlohausen

Im Vechtaer Südkreis wird das Restaurant Schomaker in Dümmerlohausen den Biergarten und die beliebten beheizten Hütten öffnen. Laut Inhaberin Sandra Scrapic sind "die Gäste heiß und wollen raus". Ihre Hütten sind am Pfingstsonntag bereits ausgebucht.

Das Restaurant Lübke (Hubertushof) in Damme plant dagegen die Öffnung in der kommenden Woche. Derzeit werden die Stützen für eine Überdachung des Außenbereichs aufgebaut, auch zusätzliche Sitzplätze werden geschaffen. "Wir wollen, dass sich die Gäste auch draußen in einem schönen Ambiente wohlfühlen und erstklassig bewirtet werden können", berichtet Tim Lübke. Peter Blanke vom "Esswerk" an der Vördener Straße plant in der Woche nach Pfingsten die Öffnung der Außengastronomie und verspricht einige Neuerungen in diesem Bereich.

Das Landhaus Gössen in Harpendorf steht in den Startlöchern. Inhaber Josef Harpenau sagt: "Wir freuen uns auf die Wiedereröffnung." Direkt am Freitag (21. Mai), an dem er seinen 55. Geburtstag feiert, steht der weitläufige Biergarten für Gäste bereit. "Wir arbeiten mit der Luca-App zur Kontaktverfolgung, stellen aber auch gegebenenfalls Zettel zur Verfügung."

Keine Überbrückungshilfen vom Staat erhalten

Für den Steinfelder bedeutete die Corona-Pandemie eine harte Zeit. Er habe keine Überbrückungshilfen vom Staat erhalten. "Außerdem sind das Weihnachtsgeschäft und die Kohlessen ins Wasser gefallen. Irgendwann geht's dann ans Eingemachte." Umso glücklicher ist Harpenau jetzt, den Restart des Gastronomiebetriebs angreifen zu können.

Heinz Hilbert, Inhaber des gleichnamigen Bistros mit Kneipe am Alten Markt in Lohne, will mit der Wiedereröffnung warten, bis die Inzidenz mindestens 14 Tage die 100er-Marke unterschritten hat – "mit fallender Tendenz". Nach einem halben Jahr Zwangspause brennen er und sein Team zwar darauf, dass es wieder losgeht. "Aber es muss auch Sinn machen." Eine Katastrophe wäre es aus seiner Sicht, alles wieder hochzufahren und dann wieder schließen zu müssen. Er nennt den Landkreis Cloppenburg als Beispiel.

Lohner Wirt Heinz Hilbert befürchtet Probleme mit den vorgeschriebenen Corona-Testungen

Probleme befürchtet Hilbert auch mit den vor dem Einlass vorgeschriebenen Test, weshalb er es am liebsten hätte, wenn die Inzidenz in den kommenden Wochen weiter fällt – und dann die 50er-Marke stabil unterschreitet. Dann wäre das aufwendige Prozedere nach seinen Worten nicht mehr notwendig.

Ein weiterer Grund, warum Hilbert noch bis Ende Mai/Anfang Juni abwartet: Der Boden für den neuen Biergarten ist noch nicht fertig. Der Lohner Gastronom will eine große Schirmbar vor seinem Lokal aufstellen. Die Stadt hat dazu eine 10-jährige Sondernutzungserlaubnis von März bis Oktober erteilt.

Thea Meyer wird ihr Lokal  am 3. Juni (Donnerstag) öffnen, Pfingsten bleibt Meyer-Bünne aber noch geschlossen. Foto: Made in DinklageThea Meyer wird ihr Lokal  am 3. Juni (Donnerstag) öffnen, Pfingsten bleibt Meyer-Bünne aber noch geschlossen. Foto: Made in Dinklage

"Wir freuen uns sehr über die ersten Lockerungen – auch für uns Gastronomen", sagt Thea Meyer, "trotzdem haben wir uns entschlossen, vorerst noch nicht zu öffnen." Die Wirtin des Lokals Meyer in Dinklage-Bünne spricht von einer "nicht leichten Entscheidung". Sie beklagt das immer noch vorhandene Wirrwarr von Regelungen und Vorschriften: "Ein Kneipenbesuch sollte ja spontan sein und nicht wie eine Urlaubsreise präzise vorbereitet werden müssen. Wir freuen uns für die Kollegen, die auch an Pfingsten schon öffnen, wir wollen das am 3. Juni tun,  und werden dann wieder gute Gastgeber sein."

Was den Vechtaer Wirten am ersten Wochenende nach dem langen Lockdown einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist das Wetter. Die Meteorologen kündigen Regen und Wind an, und die Temperaturen sind auch nicht gerade frühsommerlich. Doch die Gäste auf dem Alten Markt in Vechta sind gut geschützt. Die Lokale Melchers und Krögers Kleine Schwester haben ihre Außengastronomie komplett überdacht, dazu stehen Heizstrahler und Decken zur Verfügung. "Ein Jäckchen muss man haben, den Rest machen wir", sagt Matthias Kröger schmunzelnd.

In Zusammenarbeit mit David Pytel, Inhaber der Kneipe "Deivs", hätte Gastronom Matthias Kröger zu Pfingsten auch schon die neue Bar "Airport Beach" eröffnet. Sie befindet sich auf dem Parkplatz vor der Schützenburg, etwas abseits der Vechtaer Innenstadt im Gewerbegebiet am Alten Flugplatz. Doch die Premiere soll noch so lange warten, bis die Temperaturen steigen und Urlaubsfeeling bei den Gästen aufkommen kann.

Soll Familien wie auch Partygänger an den Hartensbergsee in Goldenstedt ziehen: Die Jo Ba Beach Bar. Foto: NiehuesSoll Familien wie auch Partygänger an den Hartensbergsee in Goldenstedt ziehen: Die Jo Ba Beach Bar. Foto: Niehues

Zeitgleich mit den Corona-Lockerungen wollen Jonny Barber und seine Frau Natascha mit einem Beach Club am Hartensbergsee eine besondere Attraktion schaffen. 400 Plätze direkt am See bietet das Gastronomen-Ehepaar den Gästen. Dazu gehört auch ein Lounge-Bereich mit besonderem Ambiente im Zelt. Barber, der sonst ein bundesweit agierendes Event-Unternehmen mit Sitz in Neuenkirchen betreibt, will seine Jo Ba Beach Bar am Hartensbergsee künftig ganzjährig betreiben. Zum Unternehmen gehört auch ein Imbiss, eine Minigolf-Anlage, ein Spielplatz und ein Autoscooter für Kinder. Über Pfingsten hat der Beach Club am Samstag und Sonntag geöffnet.

"Der Einsatz muss sich lohnen. Ich muss Geld verdienen."Klaus Fleming, Dehoga-Vorsitzender im Landkreis Cloppenburg

Cloppenburgs Dehoga-Kreisvorsitzender Klaus Fleming hat bislang keine Stimmen seiner Kollegen eingeholt, hat aber sehr wohl eine persönliche Meinung zur Öffnung der Außengastronomie. Er wird die Außenplätze seines Restaurants in Cloppenburg am Pfingstmontag nicht öffnen. Für ihn sei nun einmal das Essen das Geschäftsmodell: "Bei Betrieben, die ausschließlich auf Getränke abstellen, mag das ja alles noch gehen, bei mir, der ich Lebensmittel einkaufen, für den Verzehr vorbereiten muss, bedeutet Außenöffnung einen hohen Aufwand und viel Arbeit bevor ich etwas anbieten kann. Jetzt zwei Tage öffnen und danach vielleicht wieder für länger schließen, das ist keine Option. Der Einsatz muss sich lohnen, ich muss Geld verdienen. Und bevor ich abends keinen Euro in der Kasse habe, lasse ich die Außenöffnung lieber."

Fleming sieht die Öffnung der Außengastronomie als überflüssiges "Bonbon" der Politik, das man "sich meiner Meinung nach hätte sparen können. Gerade Restaurants brauchen vernünftige Perspektiven. Von mir aus hätten wir noch vier Wochen länger geschlossen, wären dann aber ohne großartige Einschränkungen wieder ins Geschäft gestartet. So vorzugehen, wäre für uns alle verlässlich planbar." Wie weitere Wirte im Kreis Cloppenburg kalkulieren, lesen Sie hier auf OM online.

Die jetzt geltenden Regeln für die Gastronomie:

  • Die Außenbereiche von Gastronomiebetrieben (mit und ohne Speiseangebot) dürfen mit einem Hygienekonzept, das insbesondere angemessene Abstände zwischen den Tischen vorsieht, bis 23 Uhr geöffnet haben. Der Zugang ist dem Gast nur mit einem negativen Testergebnis möglich, wenn nicht bereits eine vollständige Impfung oder eine Genesung nachgewiesen werden kann. Die Besucher müssen sich an Tischen aufhalten.
  • Auch Beherbergungsbetriebe dürfen wieder öffnen. Noch nicht vollständig geimpfte oder genesene Gäste müssen bei Anreise und mindestens zweimal pro Woche einen negativen Test nachweisen. Hotels und Pensionen, Jugendherbergen und Campingplätze dürfen nur bis zu 60 Prozent belegt werden, für Ferienwohnungen und Ferienhäuser gilt eine eintägige Wiederbelegungssperre, um die Ab- und Anreise zu entzerren.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Bei den Gastronomen im Kreis Vechta ist ein Aufatmen zu spüren - OM online