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So diskutiert Molbergen über das Abschneiden der AfD

Die AfD ist mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Partei in Molbergen. Darüber wird in den sozialen Medien heiß diskutiert, es geht auch um Bürgermeister Witali Bastian.

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Viel Zuspruch in Molbergen: Die AfD holt mehr als 20 Prozent der Zweitstimmen. Foto: Schrimper

Viel Zuspruch in Molbergen: Die AfD holt mehr als 20 Prozent der Zweitstimmen. Foto: Schrimper

Mehr als 20 Prozent der Molberger haben ihre Zweitstimme bei der Landtagswahl der Alternative für Deutschland (AfD) gegeben – und damit hat die Partei in der Gemeinde ein überdurchschnittliches Ergebnis eingefahren. Zum wiederholten Mal.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr bei der Bundestagswahl entfielen 19,07 Prozent der Erststimmen auf den AfD-Direktkandidaten Waldemar Herdt. Zudem errang die Partei in Molbergen 19,16 Prozent der Zweitstimmen. Damit schneidet die AfD erneut als zweitstärkste Kraft nach der CDU ab und kann ihr Ergebnis sogar noch einmal steigern. Zum Vergleich: Im Gesamtergebnis der Landtagswahl kommt die AfD auf 10,9 Prozent. 

In den sozialen Netzwerken wird das Ergebnis heiß diskutiert, etwa in der Facebook-Gruppe "Molbergen unser Dorf". Knapp 80 Kommentare kamen dort in kürzester Zeit zusammen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht Bürgermeister Witali Bastian, der dazu aufgefordert wird, Stellung zu beziehen, was anderen Usern sauer aufstößt. "Ich kann nicht verstehen, warum sich der Bürgermeister dazu äußern soll. Er hat nichts mit der Politik zu tun, die in Berlin oder Hannover betrieben wird", schreibt ein Internet-Nutzer. Ein weiterer Kommentar lautet: "Nur, weil uns das Ergebnis nicht passt, können wir die Schuld nicht dem Bürgermeister in die Schuhe schieben. Dann müssen sich die anderen Parteien mehr ins Zeug legen und mehr für uns Bürger da sein."

"Wir leben in einer Demokratie, in der jeder frei und geheim wählen darf."Facebook-Nutzer

Der Verfasser des Internet-Beitrags sieht dies anders. Er schreibt: „Mir geht es ganz klar um seine politische Einstellung. Vielleicht möchte er wiedergewählt werden. Sollte er sich dazu nicht äußern, ist er bei der nächsten Bürgermeisterwahl nicht mehr mein Kandidat. Und ich bin mir sicher, dass viele das auch so sehen.“ Was der Bürgermeister mit dem Ergebnis der Landtagswahl zu tun habe, will ein Molberger wissen. Der Verwaltungschef sei nicht verpflichtet, Stellung zu beziehen. "Wir leben in einer Demokratie, in der jeder frei und geheim wählen darf."

Und was sagt Witali Bastian selbst zu der Debatte um ihn und das AfD-Ergebnis? Er, stellt der Bürgermeister zunächst klar, habe keinen Einfluss auf die Landes- oder Bundespolitik. Er sei nicht ohne Grund parteilos. Trotzdem ärgere ihn die Diskussion: "In anderen Kommunen hat die AfD auch starke Ergebnisse eingefahren, dort spielen die Positionen der Bürgermeister aber keine Rolle. Ich frage mich, warum das in Molbergen so ist. Ich tippe auf meine Herkunft", erklärt er. Bastian kam in Kasachstan zur Welt, ist aber Deutscher.

Dass in den Facebook-Beiträgen oftmals von "wir" und "die" die Rede sei, "ist destruktiv", schreibt ein Molberger. So werde versucht,  die Menschen in Molbergen gegeneinander aufzubringen. Eine weitere Internetnutzerin weist auf die aktuell "schwierigen Zeiten" hin, sie sei dankbar, hier leben und wählen zu dürfen, "wen ich will und muss nicht unter einem Orban, Putin oder Vucic leben, die Meinungsfreiheit fürchten, Diversität verteufeln und ihrem Volk die EU mies machen wollen". Für sie sei das Ergebnis "dieser AfD" beschämend. Es sei würdelos, diese Partei zu wählen, ein kurzer Blick in deren Parteiprogramm zu Familie und Bildung reiche. Sie schlägt einen Lese- oder Filmabend mit Titeln wie ,Die Welle‘ oder ,Als Hitler das rosa Kaninchen stahl‘ vor, "die Inhalte erinnern vielleicht daran, was eine solche Gesinnung anrichtet".

"Es ist beschämend, sich gegenseitig für das Recht zu verurteilen, frei wählen zu dürfen."Internet-Nutzerin

Ein anderer Facebook-User stellt in Frage, wie weit man in Deutschland beziehungsweise Molbergen schon gekommen sei, wenn man Leute denunziere, weil sie die "falsche Partei" gewählt hätten. Mit dieser Meinung steht der Molberger nicht allein da, so schreibt jemand, es sei beschämend, dass man sich gegenseitig verurteile für das Recht, frei zu wählen. Man solle die Kirche im Dorf lassen, heißt es abschließend in der Facebook-Diskussion. 

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