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#Schwesternsolidarität

Kolumne: Irgendwas mit # – Misogynie ist ein rein männliches Problem? Falsch gedacht. Auch Frauen haben Vorurteile gegenüber anderen Frauen.

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Komplimente wie "Du bist nicht wie andere Frauen" oder Sätze wie "Ich hänge lieber mit Männern ab, die machen nicht so viel Drama" – Wenn Sie eine Frau sind, was lösen diese Statements bei Ihnen aus? Können Sie sich mit ihnen identifizieren?

Als ich in die Pubertät kam, trug ich am liebsten schwarze Kleidung. Und bloß keine Röcke oder Kleider. Ich mochte Horror-Filme, hörte am liebsten Rock-Musik beziehungsweise Metal und verachtete mit Überzeugung die Farbe Pink. Diese Oberflächlichkeiten verwässerten, als ich etwas älter wurde. Ich trug irgendwann Kleidung in verschiedenen Farben, es durften sogar Röcke oder Kleider sein. Mein Musik-Geschmack erweiterte sich – auf Partys durfte zu Beyoncé getanzt werden. Mir schmeichelte es aber, wenn man mir sagte, ich sei nicht wie andere Frauen. Ich unterstrich das, indem ich betonte, wie unwohl ich mich in Räumen voller Frauen fühlte. Diese Stutenbissigkeit, dieses Gezicke – wie anstrengend.

Wem das bekannt vorkommt, dem darf ich fröhlich die Hand reichen. Wir saßen im selben Boot – mit dem klangvollen Namen "internalisierte Misogynie". Das ist nichts anderes als verinnerlichte Frauenfeindlichkeit. Denn Überraschung: Nicht nur Männer können Frauen gegenüber sexistisch sein, auch Frauen können dies gegenüber Frauen sein.

"Frauen laufen andauernd Gefahr, als zu dumm, zu schwach, zu emotional wahrgenommen zu werden."Carina Meyer, Reporterin

Anfang 2020 hat der Gender Social Norms Index der Vereinten Nationen nachgewiesen: Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung hat Vorurteile gegenüber Frauen. Man muss kein Mathegenie sein, um zu wissen: Das schließt eine Menge Frauen mit ein. Das zeigt leider, dass Sexismus so tief in unserer Gesellschaft verankert ist wie ein kleiner, fieser Splitter unter der Haut, der sich nicht ohne Weiteres herausziehen lässt. Nur mit sehr viel Mühe und dem richtigen Werkzeug.

Das liegt daran, dass vieles, das weiblich assoziiert wird, negativ konnotiert ist. Dabei wird gerne pauschalisiert. Ein einfaches Beispiel: Frau mag Make-up, Schuhe und romantische Komödien? Tussi. Will kaum jemand sein. Frauen laufen andauernd Gefahr, als zu dumm, zu schwach, zu emotional wahrgenommen zu werden. Also gilt es, sich möglichst davon abzugrenzen. Auch wenn es eben heißt, andere Frauen abzuwerten, um selbst besser dazustehen. Das führt übrigens zu ständigem Wettbewerb um – zumeist männliche – Anerkennung. Als gäbe es nicht genug Platz. So viele Frauen auf einmal können schließlich nicht so toll sein, oder wie?

Einfach bisschen weniger Frau sein hilft leider auch nicht

Das Ganze ist dabei auch noch ein waghalsiger Balanceakt. Denn einfach typisch männlich assoziierte Muster aufzugreifen, hält auch Fallstricke bereit. Innerhalb unseres patriarchal geprägten Systems werden Frauen so sozialisiert, dass sie zu gefallen haben. Schon einmal gemerkt, dass Frauen sich andauernd entschuldigen? Sogar, wenn es nicht einmal Sinn ergibt? Frauen sind die Netten. Die, die stets freundlich lächeln. Kommen sie diesen Erwartungen nicht nach, hat es negative Konsequenzen. Es braucht nicht viel, um als zu hysterisch, zu aggressiv oder zu arrogant zu gelten.

Frauen sollten nicht Komplizinnen dieser Denkmuster sein, sondern diese als das entlarven, was sie sind: misogyn. Es ist selbstverständlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diesen Blödsinn zu überwinden. Aber wir erreichen schon viel, wenn zumindest wir Frauen solidarischer untereinander sind. Damit ist bereits die halbe Weltbevölkerung gewonnen. Die andere Hälfte überzeugen wir auch noch.


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