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Landkreis Vechta will für 27,8 Millionen Euro erweitern

Der Kreistag soll im Dezember den Planungsauftrag für drei Bauabschnitte erteilen. Grundlage ist ein Konzept des Dortmunder Architekten Eckhard Gerber.

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So könnte das erweiterte Kreishaus aussehen. Die Pläne wurden im Bauausschuss des Kreistages diskutiert. Foto: M. Niehues

So könnte das erweiterte Kreishaus aussehen. Die Pläne wurden im Bauausschuss des Kreistages diskutiert. Foto: M. Niehues

Der Landkreis Vechta will das Kreishaus an der Ravensberger Straße in Vechta in großem Umfang erweitern. Erste Pläne in einem Gesamtvolumen von 27,8 Millionen Euro hat Landrat Herbert Winkel (CDU) am Donnerstag (26. November) im Bauausschuss des Kreistages vorgestellt. Die Sitzung fand als nicht öffentliche Videokonferenz statt. Das Protokoll der Sitzung wird Anfang Dezember auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht. 

Im Anschluss teilte Winkel mit, der Ausschuss empfehle dem Kreistag, die Verwaltung am 17. Dezember mit der Planung von drei Bauabschnitten zur Erweiterung des Kreishauses zu beauftragen. Als Architekt muss aufgrund von Urheberrechten Eckhard Gerber aus Dortmund beauftragt werden, der das Verwaltungsgebäude vor 22 Jahren entworfen hat. Die fertigen Pläne würden dann noch einmal vom Kreistag abgesegnet. Es folge die europaweite Ausschreibung von Fachplanungen und Gewerken. Parallel müsse die Stadt Vechta den noch fehlenden Bebauungsplan aufstellen. 

"Wir müssen diese Investition über Kredite finanzieren, aber wir schaffen auch Werte."

Herbert Winkel (CDU), Landrat

Realistisch ist nach Angaben Winkels ein Baubeginn im zweiten Quartal 2023. Die Fertigstellung sei Ende 2025 vorgesehen. Für den ersten Bauabschnitt inklusive neuer Tiefgarage seien 14,8 Millionen Euro angesetzt, für den zweiten Abschnitt 10,3 Millionen Euro und für dritten Abschnitt 2,6 Millionen Euro. Die notwendigen Kredite sollen in den nächsten Jahren je nach Baufortschritt aufgenommen und vom Kreistag zur Verfügung gestellt werden.

Im Kreistag war bisher unstrittig, dass die Kreisverwaltung mehr Platz benötigt. Ein wesentlicher Grund ist der schon 2019 beschlossene Verkauf des Gesundheitsamtsgebäudes an der Kolpingstraße in Vechta. Das Grundstück muss Ende 2025 an das Bankinstitut übergeben werden. Dort wird die LzO einen Neubau errichten, um den Neuen Markt im Zentrum der Kreisstadt für eine städtebauliche Entwicklung freizumachen.

Das Vechtaer Kreishaus soll im rot markierten Bereich erweitert werden. Ein Parkhaus wird an der Ecke JohannesstraßeKrusenschlopp entstehen. Grafik: Landkreis VechtaDas Vechtaer Kreishaus soll im rot markierten Bereich erweitert werden. Ein Parkhaus wird an der Ecke Johannesstraße/Krusenschlopp entstehen. Grafik: Landkreis Vechta

Zusätzlich ging in den vergangenen Jahren mit dem stetigen Bevölkerungswachstum im Kreisgebiet ein Anstieg der Mitarbeiterzahl einher. Außerdem werden den Landkreisen von Land und Bund immer wieder neue Aufgaben auferlegt, die ebenfalls Mitarbeiterzahl und Raumbedarf stetig steigen lassen. So hat die Kreisverwaltung in den vergangenen Jahren mehrere Außenstellen errichten müssen, laut Landrat Winkel "mit steigender Tendenz". Auch diese Ämter sollen künftig im erweiterten Kreishaus Platz finden.

Nach Angaben der Kreisverwaltung hat das Architekturbüro Gerber eine Konzeptstudie erarbeitet. Gerber entwarf seinerzeit das 1998 eingeweihte Kreishaus als u-förmiges Verwaltungsgebäude, das einen großzügigen Innenhof umschließt. In dessen Mitte wurde damals ein kreisrunder Sonderbau errichtet, in dem bis heute auch der Sitzungssaal des Kreistages untergebracht ist.

Bis 2030 werden fast 100 zusätzliche Büros benötigt 

Das Konzept sieht insgesamt vier Erweiterungsmöglichkeiten vor. In den ersten drei Bauabschnitten könnten 20 zusätzliche Büros für zwei Personen sowie 84 Büros für drei Personen entstehen. Ein vierter Bauabschnitt, der aktuell aber kein Thema ist, böte später noch einmal die Chance, um weitere 19 Büros aufzustocken.

Die Kreisverwaltung geht bei einem Bestand von 398 Mitarbeitern im Kreishaus und 46 Mitarbeitern in Gesundheitsamt sowie weiteren Nebenstellen (Stand Februar 2020) davon aus, dass 2030 im Kreishaus bis zu 135 zusätzliche Mitarbeiter arbeiten werden und zusätzliche 98 Büros sowie 14 Besprechungsräume benötigt werden.

Landrat Winkel betonte, bei der Ermittlung des Raumbedarfs seien  auch aktuelle Entwicklungen in der Arbeitswelt wie Homeoffice, Telearbeit, Coworking oder die zunehmende Digitalisierung von Verwaltungsarbeit beachtet worden. So würden für zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa sieben bis acht Arbeitsplätze entstehen  Auch habe es Befragungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum künftigen gemeinsamen Arbeiten gegeben. 

Die Zahl der Parkplätze soll von 212 auf 563 steigen

Das Konzept sieht auch eine Erweiterung der Parkflächen vor. So soll eine zweite Tiefgarage und eine Parkpalette gebaut werden, um wegfallende Parkplätze zu ersetzen sowie zusätzliche Stellflächen zu schaffen. Die Zahl soll im Zuge des ersten Bauabschnitts von heute 212 auf 563 anwachsen.

Für die vom Kreistag bereits 2019 genehmigte Parkpalette auf kreiseigenen Flächen an der Ecke Krusenschlopp/Johannesstraße müssen zusätzliche 3,4 Millionen Euro aufgebracht werden. Dort sollen allein 260 Fahrzeuge Platz finden. Auch Aufladestationen für Elektroautos und -fahrräder wird es geben.

Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Sabine Meyer aus Dinklage, signalisierte am Donnerstag vor der Sitzung volle Unterstützung der Kreistagsmehrheit. Bisherige Planungen sollten nun konkret vorangetrieben werden. Der Kreistag werde zudem die grundsätzliche Entscheidung für eine Erweiterung des Kreishauses treffen.  

"Verteilt auf mehrere Haushaltsjahre ist das Projekt finanziell zu stemmen.“

Sabine Meyer, CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Eckhard Knospe forderte die Rückkehr zu öffentlichen Präsenzsitzungen des Bauausschusses im Sitzungssaal des Kreistages. Diese seien unter Wahrung des Infektionsschutzes möglich. Großprojekte wie die Kreishaus-Erweiterung seien in nichtöffentlichen Videokonferenzen nicht ordnungsgemäß zu beraten. „Das missfällt uns sehr“, kritisierte Knospe die Kreisverwaltung.

Dem entgegnete gestern Winkel, die Videokonferenzen fänden den Vorgaben des Landes Niedersachsen entsprechend aus Gründen des Infektionsschutzes und auf der Grundlage von Paragraf 182 des Kommunalverfassungsgesetzes statt.

Das Konzept sieht vier Erweiterungen vor, von denen zunächst drei in Angriff genommen werden könnten.  Grafik: Landkreis VechtaOM onineDas Konzept sieht vier Erweiterungen vor, von denen zunächst drei in Angriff genommen werden könnten.  Grafik: Landkreis Vechta/OM onine

Angesichts des gleichzeitigen Breitbandausbaus und der nicht absehbaren Folgen der Corona-Pandemie auf die Gewerbesteuereinnahmen der Städte und Gemeinden drohe dem Landkreis eine deutliche Steigerung der Verschuldung, warnte Knospe. Der Kreistag müsse deshalb Ausbaupläne und zeitliche Abfolge genauestens prüfen, auch wenn der zusätzliche Raumbedarf unbestritten sei.

"Diese Videokonferenz kann nur der Startschuss für detaillierte Beratungen sein, die in aller Öffentlichkeit stattfinden müssen.“

Eckhard Knospe, SPD-Fraktionsvorsitzender

Im Mai war der Leasing-Vertrag für das – 1998 von Investoren finanzierte – Kreishaus ausgelaufen. Gebäude und Gelände gehören jetzt vollständig dem Landkreis Vechta. Seitdem müssen auch keine Leasing-Raten mehr gezahlt werden. Die Stadt Vechta bezuschusst den Umzug des Gesundheitsamtes ins Kreishaus mit 730.000 Euro. Den Verkaufserlös für das Gesundheitsamtsgebäude an der Kolpingstraße in Höhe von 1,16 Millionen Euro erhält das Land Niedersachsen als bisheriger Eigentümer. Vertraglich geregelt wurde all das vor Jahresfrist zwischen Landkreis, Stadt Vechta und der LzO als Nachnutzer der Gesundheitsamtsfläche.

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