Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Kein Radweg für Varnhorn

Bereits Anfang des Jahres stand die Forderung im Raum, die Sicherheit für Radfahrende in Varnhorn mit einem Radweg zu erhöhen. Die Visbeker Politik erteilte dem Wunsch jetzt erneut eine Absage.

Artikel teilen:
Sollen besser geschützt werden: Radfahrende in Varnhorn konkurrieren insbesondere mit Autos und Lkw um Platz auf der Straße. Das ist speziell für Kinder gefährlich. Einen eigenen Radweg soll es aber nicht geben. Nun sollen andere Lösungen her. Symbolfoto: dpa/Becker

Sollen besser geschützt werden: Radfahrende in Varnhorn konkurrieren insbesondere mit Autos und Lkw um Platz auf der Straße. Das ist speziell für Kinder gefährlich. Einen eigenen Radweg soll es aber nicht geben. Nun sollen andere Lösungen her. Symbolfoto: dpa/Becker

Es wird voraussichtlich kein Radweg in Richtung Varnhorn gebaut. Denn: Zumindest die Mitglieder des Visbeker Bau-, Umwelt- und Digitalisierungsausschusses sprachen sich in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich – bei einer Enthaltung – dagegen aus.

Bürgermeister Gerd Meyer stellte bezüglich des gewünschten Radwegs in Varnhorn noch einmal die Sachlage dar. Bereits im März war der Antrag von Annette Hanken (Grünen) Thema im Gemeinderat. Damals wurde jedoch – in Anbetracht der fehlenden finanziellen Mittel – lediglich beschlossen, dass im Rahmen der Beratungen zum Haushaltsplan 2022 das Thema erneut auf die Tagesordnung kommen soll.

Verkehrserhebung im November

Konkret geht es um einen 2400 Meter langen Radweg, der von der Wildeshauser Straße bis zum Varnhorner Ortskern führen soll. Meyer ließ wissen, dass das Projekt, ohne Berücksichtigung der Kosten für Grunderwerb, rund 365.000 Euro kosten würde. Er gab zu, dass es einen „Knackpunkt“ im Verlauf der Strecke gebe, und zwar den entsprechenden Schwerlastverkehr, der von dem Unternehmen Contrail ausgeht. Dies stelle eine gefährliche Situation für Radfahrende da.

Deshalb seien zwei Verkehrserhebungen durchgeführt worden. Die erste fand zwischen dem 1. und 18. November statt und ergab eine Gesamtsumme von 535 Fahrzeugen – mit hohem Schwerlastanteil, so Meyer. Dies sei jedoch mit der Gemüseernte zu diesem Zeitpunkt zu erklären. Bei der zweiten Erhebung vom 15. bis 22. November seien es insgesamt 506 Fahrzeuge gewesen, aber mit einem deutlich höheren Pkw-Anteil. Nichtsdestoweniger seien es nach wie vor rund 500 Fahrzeuge im Begegnungsverkehr, sagte Meyer. Im Vergleich mit anderen Bereichen in Visbek sei das aber eine nicht ganz so hohe Verkehrsbelastung.

Überdies wies der Bürgermeister auf die neue Verkehrssituation in Varnhorn hin. Statt Tempo 30 gelte dort nun Tempo 50, auch die Bodenschwellen seien entsprechend erneuert worden. Zeitnah solle gemeinsam mit der Verkehrssicherungskommission erörtert werden, mit welchen Mitteln die Situation für Radfahrende verbessert werden könne. Im Entwurf des Haushaltsplanes 2022 wurde der Bau des Radweges bislang nicht mit eingeplant. Die finanziellen Mittel seien, wie schon im Frühjahr, nicht gegeben. Parallel gebe es nach wie vor den Antrag aus Rechterfeld, einen Radweg Richtung Hesterhöge einzurichten. Dort gebe es eine höhere Verkehrsbelastung und es sei auch mit Kosten von mehr als einer Million Euro zu rechnen.

Klaus Muhle wünscht sich gernerelles Konzept

Peter Kuhlmann (FDP) regte an, ob es nicht möglich sei, die Straße in Varnhorn stattdessen mit entsprechenden Straßenmarkierungen zu versehen. Das werde mit der Verkehrssicherungskommission geklärt, entgegnete Meyer, der zu bedenken gab, ob so eine Linie am Fahrbahnrand nicht eine Sicherheit suggeriere, „die gar nicht da ist“.

Dort, wo die Verkehrserhebung vorgenommen wurde, sehe er gar nicht das große Gefahrenpotenzial, warf Klaus Muhle (CDU) ein. Gemessen wurde weiter nördlich Richtung Varnhorn. Gefährlich sei es dort, wo die Fahrzeuge im Bereich des Unternehmens Contrail die Straße befahren – also weiter südlich Richtung Wildeshauser Straße. Muhle ließ wissen, dass ihm der Radweg ohnehin nicht weit genug gehe. Er wünscht sich ein Gesamtkonzept, wie der Verkehr durch Varnhorn geführt werden soll. Schließlich habe die Bauerschaft das neue Gewerbegebiet im Rücken. Deshalb würde er zu diesem Zeitpunkt von dem Radweg absehen und sich stattdessen Unterstützung vonseiten der Verwaltung und des Rates wünschen, „um generell Entspannung in Varnhorn zu kriegen“.

Parallel ein Antrag aus Rechterfeld

Martin Rohe (SPD) dagegen gab den Gedanken an einen Radwegbau noch nicht auf und wies auf den „erheblichen Schwerlastverkehr“ hin. Zudem sei die Straße „nicht unbedingt gerade, eher huckelig.“ Varnhorn entwickle sich und der Radweg werde für die Sicherheit von Radfahrenden, insbesondere Schülerinnen und Schüler, benötigt. Es sei richtig, dass etwas für Radfahrende getan werden müsse, sagte Josef Langfermann, aber ob es so ein Radweg sein müsse, „weiß ich nicht“. Seiner Ansicht nach gebe es Alternativen, weshalb er den Vorschlag des Bürgermeisters in Ordnung finde, gemeinsam mit der Verkehrssicherheitskommission Lösungsvorschläge zu erarbeiten und daraufhin zu beraten.

Der Bürgermeister ließ wissen, dass er die Gedanken von Martin Rohe nachvollziehen könne, aber er müsse sich den Blick auf die Gesamtsituation bewahren. Schließlich stehe immer noch der Antrag aus Rechterfeld – wo die Straße noch schlechter und die Verkehrsbelastung höher sei – im Raum. Auch andere Straßen, beispielsweise in Erlte oder der Döller Damm, hätten darüber hinaus Bedarf. Für Varnhorn sei einfach kein Geld da. Rohe entgegnete, dass auch andere Projekte finanziert werden, es also eine Frage der Priorisierung sei. Auch Klaus Muhle störte sich an dem Argument, dass nichts gemacht werden soll, „nur weil es woanders schlecht ist“. Meyer stellte klar, dass eine Abwägung erfolgen müsse. Die Ausschussmitglieder entschieden sich letztlich gegen den Radweg in Varnhorn.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Kein Radweg für Varnhorn - OM online