Jetzt ist gut, Herr Merz. Die Republik hat verstanden. Ihre CDU ist nicht mehr die wertegeleitete, christlich-konservative Partei der Merkel-Ära. Die Union ist zunehmend hart konservativ, populistisch, im Zweifel eher rechts als zu links. Das ist die Parteilinie ins Wählerherz. Kaum anders ist zu erklären, dass aus der Partei bisher nur vergleichsweise zarte Kritik am häufig faktenbefreiten Gepolter aus der Parteiführung kommt.
Bisher kannten die Deutschen dieses Gebaren vor allem von der bayerischen Schwesterpartei CSU, deren Führung zu Wahlkampfzeiten immer gerne auf Zuwanderern und Geflüchteten herumhackt, sie wahlweise kriminalisiert oder zu Schmarotzern erklärt – und willkürliche Obergrenzen fordert. Das mag im Bierzelt schick sein. Im Rest des Landes ist das schlicht Gewäsch. Das weiß das bayerische Wahlvolk. Die CSU profitiert nur wenig davon, dass sie seit Jahren immer wieder den Diskurs weiter nach rechts verschiebt. Sie macht nur die Positionen der Rechtsextremen salonfähiger. Nicht nur in Bayern. Und die CDU reitet auf der Populismus-Welle mit.
"Gesellschaftlich erweist die CDU Deutschland zumindest gerade einen Bärendienst."
Natürlich: Deutschland muss die Zuwanderung endlich besser steuern und vor allem konsequenter ausweisen, wenn es nach fairer Prüfung kein Bleiberecht gibt. Wenn irgendwann alle Aufnahmeeinrichtungen überfordert sind und Integration gar nicht mehr machbar ist, kann auch die Bundesrepublik ihren hohen Werten nicht mehr gerecht werden.
Gesellschaftlich erweist auch die CDU Deutschland zumindest gerade einen Bärendienst. Während die Bevölkerung gerade wegen ganz anderer Probleme ächzt, sorgt der Chef einer Partei mit Regierungsanspruch für sozialen Unfrieden, Missgunst und Neid. Schlechte Aussichten.