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Globukalypse – Die Rückkehr der Homöopathie-Kritik

Kolumne: Homöopathie ist mehr Religion als Heilverfahren. Deshalb gehören Globuli und Co. auf den Prüfstand.

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Neben Corona – ja, das bekommen immer noch welche – feiern Erkältung und die Grippe – nein, das ist nicht das Gleiche – gerade ihr Comeback. Und wenn wir kränkeln, sind gut gemeinte Ratschläge unserer Mitmenschen nicht fern. Manche sind sinnvoll – "Trink einen heißen Tee" –, andere sind eher was für religiöse Menschen – "Schon Ferrum phosphoricum D12 genommen?" Wenn Sie Letzteres verwirrt, Sie des Lateinischen mächtig sind und Sie Eisenphosphat eher mit Pflanzenschutzmitteln als mit Erkältungen in Verbindung bringen – dann sind Sie offenbar mit Homöopathie nicht sonderlich vertraut.

Ich habe mich vor 3 Jahren an dieser Stelle schon einmal mit der Herstellung und Wirksamkeit von Globuli befasst. Kurzfassung: Es handelt sich um unverschämt teure Zuckerkugeln, die nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirken. Demzufolge sollte diese Form der Alternativmedizin – was für ein Wort – keine Leistung von Krankenkassen mehr sein. 2019 war noch Jens Spahn (CDU) Bundesgesundheitsminister und sah keine Notwendigkeit darin, die Kostenübernahme homöopathischer Behandlungen durch gesetzliche Krankenkassen zu hinterfragen.

Mittlerweile ist ein Mediziner, Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, der vor dieser Tätigkeit durchaus mit seiner Kritik an der Förderung von Homöopathie durch Krankenkassen auffiel. Wie hält er es jetzt als Minister? Im Oktober ließ er den "Spiegel" noch wissen, dass er die Finanzierung homöopathischer Behandlungen durch gesetzliche Krankenkassen auf den Prüfstand stellen möchte. Lauterbach ist der Ansicht, dass die Homöopathie "in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz" habe.

"Apothekenpflicht von Homöopathika ist irreführend."Carina Meyer

Diese Feststellung ist sehr wichtig. Denn die Krankenkassen finanzieren die Placebos für meine gläubigen Mitversicherten nicht, weil sie von deren Wirkung überzeugt sind, sondern weil so viele Menschen an der Alternativmedizin festhalten und Krankenkassen ein Interesse an einem möglichst großen Kundenkreis haben. Sie merken: Es geht ums Geld. Und warum sind so viele von Homöopathie überzeugt? Vielfach liegt es daran, dass sie von den Herstellern als "sanfte Heilmethode" angepriesen wird. Eben eine Alternative zu der bösen, "aggressiven Chemie". So wird wohlwollend hingenommen, dass Globuli fälschlicherweise mit pflanzlicher Arznei gleichgesetzt wird. Nur ist es aber so, dass Acetylsalicylsäure (Aspirin) – "böse Chemie" – und Ingwer – "gute Pflanze" – beide einen nachgewiesenen (!), entzündungshemmenden Effekt haben und Ferrum phosphoricum D12 uns diesen Nachweis seit der Erfindung schuldig bleibt.

Irreführend ist in diesem Zusammenhang natürlich die Apothekenpflicht von Homöopathika. Das suggeriert, dass es sich um echte Arzneimittel handelt. Wussten Sie übrigens, dass wir das im Grunde dem früheren Bundespräsidenten Karl Carstens (1914 bis 1992) zu verdanken haben? Seine Frau Veronika schwor als Ärztin auf die Alternativmedizin und grob zusammengefasst wurde durch geschickte Lobbyarbeit 1976 durchgewunken, dass es für die Zulassung homöopathischer Arzneimittel keinen Wirksamkeitsnachweis nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden bedarf. Das ist bis heute so. Lassen Sie das mal sacken.

Wer wider besseres Wissen von Homöopathie überzeugt ist, sollte sich weiter an Globuli und Co. erfreuen dürfen. Das sollte jedem selbst überlassen bleiben. Vielmehr sollte es darum gehen, die Menschen gut aufzuklären. Damit die Homöopathie irgendwann in der Liga spielt, in die sie auch hingehört – und nicht in der gleichen wie evidenzbasierte Medizin.


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