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Kolumne: Irgendwas mit #

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300000 bis 400000 Euro will der Freistaat Bayern für eine Studie ausgeben, die herausfinden soll, ob Antibiotika durch Globuli ersetzt werden können. Wie witzig. Scherze über Homöopathie nehme ich stets wohlwollend zur Kenntnis. Wie wir alle mittlerweile wissen, meinen die Bayern das tatsächlich ernst. Die Bayern, die Angst um ihr Streber-Abitur haben, wenn sie mit den anderen Bundesländern beim Thema Bildung zusammenarbeiten. Was für eine Tragikomödie. Der Spott im Internet ließ natürlich nicht lange auf sich warten.

Dennoch hat die Homöopathie in Deutschland eine bizarre Daseinsberechtigung und erfreut sich faszinierend großer Beliebtheit. Die Leute wollen sich nicht „immer nur Chemie einwerfen“. Sie sind froh, wenn es sanfte Alternativen gibt. So hört man. Dabei erliegen manche Nutzer dem Irrglauben, dass es sich bei der Homöopathie um Naturheilkunde handelt. Allerdings hat das von Samuel Hahnemann im 18. Jahrhundert erdachte Ähnlichkeitsprinzip nur wenig damit zu tun.

Er ging – kurz gesagt – davon aus, dass Substanzen, die eine Krankheit auslösen, dieselbige auch heilen können. Um das Ganze zu verkomplizieren – und um Vergiftungen vorzubeugen – entwickelte er die sogenannte Potenzierung. Die Grundsubstanz wurde daraufhin mit Wasser oder Alkohol verschüttelt, also verdünnt. Dabei erdachte sich Hahnemann, dass seine Arzneimittel umso besser wirken, desto öfter sie verdünnt wurden. Das geht bei den Hochpotenzen etwa so weit, dass sich die Grundsubstanz in dem Wasser gar nicht mehr nachweisen lässt. Hahnemann sagt aber, das Wasser habe eine Art Gedächtnis. Zahlreiche Studien stimmen mittlerweile darin überein, dass das naturwissenschaftlich nicht haltbar ist. Die Wirkung geht demzufolge nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Wie überraschend. Es wirft ja auch niemand einen Beutel mit schwarzem Tee in die Nordsee und glaubt, dass er dabei schmackhaften Ostfriesentee erzeugt. Vielleicht sollten die Bayern die 400000 Euro lieber in eine Aufklärungskampagne stecken?

„Die kleinen Kugeln und Tropfen scheinen jedoch wie zu einem deutschen Kulturgut verklärt“Carina Meyer, Redakteurin

Die kleinen Kugeln und Tropfen scheinen jedoch wie zu einem deutschen Kulturgut verklärt. Beim jüngsten Parteitag der Grünen beispielsweise wollten Mitglieder – mehrheitlich aus der Grünen Jugend – einen Antrag durchsetzen, der sich gegen Homöopathie als Kassenleistung ausspricht. Was hätten die Grünen für ein Zeichen setzen können. Wie wir alle mittlerweile wissen: Passiert ist nichts. Eine Kommission soll sich des Themas annehmen. Ein Schelm, wer denkt, dass die Grünen ein bestimmtes Wählerklientel nicht verschrecken wollten.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte es sich offenbar nicht mit den Homöopathie-Anhängern verscherzen. Die 20 Millionen Euro, die die Krankenkassen jährlich für Zuckerkugeln und anderen Hokuspokus verfeuern, hält er für eine zu geringe Summe, als dass es sich lohne, dafür einen Streit vom Zaun zu brechen. Und auch gemäßigte Homöopathie-Kritiker halten die Ausgaben für vertretbar. Wenn es den Menschen doch damit besser gehe, solle man sie dann nicht einfach gewähren lassen?

Damit man mich nicht falsch versteht: Die Leute sollen sich einwerfen, was sie möchten. Aber bitte nicht auf Kosten der Allgemeinheit. 20 Millionen Euro scheinen im Vergleich mit anderen Ausgaben der Krankenkassen nicht viel zu sein. Mit diesen 20 Millionen könnten aber besser Dinge bezahlt werden, die einen nachgewiesenen medizinischen Nutzen haben – über den Placebo-Effekt hinaus. Jeder stark Fehlsichtige dürfte sicher ein Interesse daran haben.

Zur Person

  • Carina Meyer ist Redakteurin der OV.
  • Die Autorin erreichen Sie unter info@om-online.de.

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