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Bin ich nur solidarisch, wenn ich mich gegen das Coronavirus impfen lasse?

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Solidaritäts-Debatten sind äußerst suspekt. Denn sie kaschieren die eigentlichen Probleme der Corona-Pandemie.

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Solidarität. Kaum ein anderes Wort prangt seit Monaten über der Corona-Pandemie in Deutschland. Immer wieder hallen die Appelle zur Solidarität durch das Land. Solidarisch ist, wer sich impfen lässt. Etliche Politiker betonen dies immer wieder und auch in der Gesellschaft ist diese These angekommen. Ich finde: Die These ist fraglich.

Solidarität bedeutet das gegenseitige Eintreten für die Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel. Viele in Südoldenburg wollen die Corona-Pandemie schnellstmöglich beenden. Hat ein selbsterklärter Querdenker wirklich das gleiche Ziel?

Solidarität bedeutet auch, dass keine Gegenleistung voneinander verlangt wird. Das Gegenteil ist aktuell der Fall. Ich bin nur solidarisch, wenn ich mich impfen lasse. Ungeimpfte Menschen sind demnach schlechtere Menschen. Wo sind wir hier nur angelangt. 

Die Politik versucht, von ihrem eigenen Versagen abzulenken

Doch wozu führen wir Solidaritäts-Debatten, wenn sie keinerlei Diskussionsgrundlage haben? Da liegt der Verdacht nahe, dass die Politik mit der Debatte eines versucht: von ihrem eigenen Versagen abzulenken.

Denn an der aktuellen Corona-Situation ist vor allem die Politik selbst mit Schuld. Es waren keine Impfgegner, die Ende August die Impfzentren in Deutschland geschlossen haben. Es waren auch keine Corona-Leugner, die Testzentren kostenpflichtig machten und versprachen, es brauche nur noch eine Kraftanstrengung. Es waren auch keine "Spaziergänger", die Wochen verstreichen ließen, ohne wirklich zu handeln und lieber im Geheimen koalierten.

Immer wieder mahnen zudem Experten, dass etwas getan werden muss. Erst jüngst vor Weihnachten forderte das RKI "maximale Kontaktbeschränkungen". Der von der neuen Bundesregierung eingesetzte Expertenrat hat ähnliche Maßnahmen empfohlen. Am Ende gab es eine FFP2-Maskenpflicht und deutlich sanftere Kontaktbeschränkungen.

"Die Politik räumte erst große Freiheiten ein und erklärt dann durch die Solidaritäts-Debatte diese, die ihre Freiheit ausüben, als schlechte Menschen."Jan-Christoph Scholz

Wer sich impfen lässt, ist solidarisch. Doch eine allgemeine Impfpflicht gibt es nicht. Die Politik räumte erst große Freiheiten ein und erklärt dann durch die Solidaritäts-Debatte diese, die ihre Freiheit ausüben, als schlechte Menschen. Das ist mehr als fraglich.

Die Politik versucht, ihr Versagen durch die Debatte auf die Ungeimpften abzuschieben. Aber: Mit Solidaritätsaufforderungen erreicht keiner das Impfziel von 80 Prozent. Vielmehr müssen von der Bundesregierung Taten folgen.

Was ist also zu tun? Ein Vorschlag: Zunächst braucht es dringend die Einführung einer Impfpflicht. Das geht nur, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Sollte dies nicht der Fall sein, dann braucht es, um Omikron zu stoppen, härtere Corona-Maßnahmen. Für alle. Das empfehle nicht ich, sondern Experten – und zwar seit Wochen.

Zu guter Letzt: Querdenker und Gleichgesinnte wird die Politik mit Argumenten nicht überzeugen können. Um zukünftig solche queren Gedanken zu verhindern, braucht es eines: Bildung. Statt über Solidarität Debatten zu führen, sollten wir lieber über diese Vorschläge debattieren.


Zur Person

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OM-Medien.
  • Sie erreichen den Kolumnisten per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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