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Zwischen Anti-Frizz-Spray und Feuchtigkeitsserum – eine Dramogerie in drei Akten

Kolumne: Ein Besuch in der Drogerie kann schnell mal zum Drama werden. Zur „Dramogerie“, sozusagen.

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Shampoo, Gesichtscreme, Waschmittel – die Einkaufsliste war überschaubar, die nächste Drogerie nicht weit entfernt. Ein kurzer Abstecher. 5 Minuten maximal. Was ich bei meinem Plan nicht bedacht hatte: Ein Besuch in der Drogerie kann schnell zum Drama werden. Zur „Dramogerie“, sozusagen.

Akt I – Der Eintritt ins Paradies: Es beginnt harmlos. Die automatischen Türen öffnen sich geschmeidig, helles Licht durchflutet den Raum. In den Regalen warten unendlich viele Flacons, Tiegel und Tuben. Auf einmal scheint alles möglich. Nur ein paar dieser Produkte – und ich würde aussehen wie der nächste Hollywoodstar. Ebenmäßige Haut, frischer Teint, glänzendes Haar. Genau wie es das makellos lächelnde Model auf dem Werbeplakat verspricht. Ich schnappe mir einen dieser Körbe, die sich ganz schnell wie Fremdkörper anfühlen, solange sie leer bleiben, und gehe los. Hinein ins Paradies.

Akt II – Der Kampf im Labyrinth der endlosen Regale: Erster Stopp: das Shampoo-Regal. Bewährtes Produkt oder etwas Neues? Die vielen bunten Flaschen machen es mir nicht leicht. Und brauche ich nicht auch Conditioner, Haaröl und ein Hitzeschutzspray? Ich greife nach einer Flasche, drehe sie um, lese. Während ich versuche, den Unterschied zwischen Haarmaske und Haarkur herauszufinden, schiele ich neidisch auf das 5-in-1-Shampoo in der „Männerabteilung“. Plötzlich wirken die Regale immer größer, ich bin gefangen zwischen Anti-Frizz-Spray und Feuchtigkeitsserum – und während mein Kopf voller wird, füllt sich der Korb ganz nebenbei mit.

Auch beim nächsten Regal – keine Besserung. Habe ich trockene, empfindliche oder gestresste Haut? Eigentlich wollte ich doch nur etwas Pflege für mein Gesicht, jetzt frage ich mich, ob meine Haut ein Problem hat, von dem ich bis eben nichts wusste. Zwischen „Hydro Boost“, „Balance“ und „Detox“ verliere ich langsam den Überblick. Ob meine Wäsche lieber tiefenrein oder strahlend sauber werden soll, kann ich jetzt wirklich nicht mehr entscheiden. Doch der Korb füllt sich weiter.

Akt III – Der Moment der Wahrheit: Am Ende führt jeder Weg zur Kasse – und die klassische Dramogerie endet fast immer gleich: Der Korb ist plötzlich voll mit Dingen, von denen ich vor 10 Minuten noch nicht einmal wusste, dass ich sie „brauche“. Aber geht es nicht auch anders? Während ein Produkt nach dem anderen über das Kassenband wandert, frage ich mich, was wäre, wenn ich einfach nur das kaufe, was wirklich auf meiner Liste steht. Ohne mir einreden zu lassen, dass ich für jedes Körperteil ein eigenes (oder mehrere) Wundermittel benötige. Mit einem „schönen Tag noch“ verlasse ich den Laden. Vielleicht beim nächsten Mal …


Zur Person:

  • Jana Pille ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Der Kontakt zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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