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Zum Abschied von Uwe Bartels als AEF-Chef gab es viele ehrende Worte mit Gewicht

Der Ex-Landwirtschaftsminister gibt den Vorsitz des Agrar- und Ernährungsforums ab. Sein Nachfolger Sven Guericke setzt auf Kontinuität. Dankesworte gibt es auch von Ministerpräsident Stephan Weil.

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Führungswechsel: Sven Guericke (links) ist der neue AEF-Vorsitzende. Zum Abschied von Uwe Bartels (rechts) aus dem Amt gab es einen Spendencheck der AEF-Mitglieder für die Honduras-Hilfe, für die Bartels sich engagiert. Auch Vechtas Bürgermeister Kristian Kater (Mitte) gehörte zu den Rednern, die Bartels Einsatz würdigten. Foto: Tzimurtas

Führungswechsel: Sven Guericke (links) ist der neue AEF-Vorsitzende. Zum Abschied von Uwe Bartels (rechts) aus dem Amt gab es einen Spendencheck der AEF-Mitglieder für die Honduras-Hilfe, für die Bartels sich engagiert. Auch Vechtas Bürgermeister Kristian Kater (Mitte) gehörte zu den Rednern, die Bartels Einsatz würdigten. Foto: Tzimurtas

Es ist das Ende einer Ära beim Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF): Uwe Bartels hat am Dienstag auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des AEF, dem etwa 100 Firmen und Verbände angehören, seinen Abschied als Vorsitzender genommen.

Das geschah erwartungsgemäß, denn der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Bartels hatte diesen Schritt bereits vor zwei Jahren angekündigt – aus Gründen der Lebensplanung angesichts seines bevorstehenden 75. Geburtstages am 17. Mai.

Die Mitgliederversammlung wurde als hybride Veranstaltung im Vechtaer Rathaus abgehalten. Einige Vorstandsmitglieder und Gäste waren – nach einem vor Ort durchgeführten Corona-Schnelltest – in Präsenz dabei. Mehr als 130 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren per Video zugeschaltet. Dazu zählte auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der über die Zukunft der Nutztierhaltung sprach. Vechtas Bürgermeister Kristian Kater sprach ein Grußwort.

Bartels hat das AEF seit Ende 2012 geleitet. Es ist unter seiner Führung zu einer politisch einflussreichen Denkwerkstatt geworden, die sich zum Ziel gesetzt hat, pro-aktiv Probleme und Herausforderungen der Branche anzugehen – und die gesellschaftliche Akzeptanz zurückzugewinnen. Als Nachfolger von Bartels wurde Sven Guericke (64) gewählt, ehemaliges Vorstandsmitglied des Calveslager Unternehmens Big Dutchman. Guericke erhielt 70 von 99 Stimmen, es gab eine Enthaltung.

Guericke dankte für das Vertrauen und sagte: „Dieses Votum ist für mich zugleich die Verpflichtung, die Arbeit des Agrar- und Ernährungsforums im Sinne des gemeinsame Auftrags weiter fortzuführen.“ Dass Guericke also auf Kontinuität in der Arbeit des AEF setzt, wurde auch hieran deutlich: Dem Ministerpräsidenten sagte er, dass die Anwesenden „sehr gespannt“ seien, welche Botschaft der Regierungschef mitgebracht habe.

Kater: Bartels ist feste politische Größe in Niedersachsen

Der Hintergrund: In einem Strategiepapier des Agrarministeriums in Hannover war vor Wochen zunächst ausdrücklich von einer Reduzierung der Tierzahlen in viehdichten Landesteilen die Rede – also im Nordwesten, insbesondere auch im Oldenburger Münsterland.

Das war auf massiven Protest des AEF gestoßen.
Bartels ging in seiner Abschiedsrede darauf ein – und konnte von einer Abänderung der entsprechenden Passage und mithin der Positionierung – berichten. Dabei dankte er besonders für die Unterstützung der SPD-Agrarexpertin Karin Logemann, Landtagsabgeordnete aus der Wesermarsch, für ihre Unterstützung.

In der Veranstaltung gab es Rück- und Ausblicke – und viele ehrende Worte für Bartels. Ein Überblick:

Bürgermeister Kristian Kater: Mit Uwe Bartels verliere das AEF „eine unglaublich erfahrene fachliche Kapazität, die nicht nur in unserer Region, sondern weit darüber hinaus, in ganz Niedersachsen hohes Ansehen genießt“, sagte Kater. Davon zeuge auch die Anwesenheit des Ministerpräsidenten.

„Ohne die Arbeitsgruppen wäre das AEF nichts.“Uwe Bartels in seiner Absciedsrede als AEF-Vorsitzender

Bartels sei auch der erste gewählte hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Vechta gewesen, hob Kater hervor, und „nach wie vor als ehemaliger Staatssekretär und Landwirtschaftsminister a.D. eine feste politische Größe in unserem Land“. Es sei der Zeitpunkt, erneut „Danke zu sagen“ – für weitere „fast zehn Jahre Arbeit zum Wohle der Menschen in unserer Stadt und in der Region“.

Unter der Führung von Bartels habe sich das AEF „als kompetentes politisches Sprachrohr der hiesigen Agrar- und Ernährungswirtschaft etabliert, dessen Ideen, Anregungen und Forderungen auf kommunaler, auf Landes- und auf Bundesebene gehört werden“.

Uwe Bartels: In seiner Abschiedsrede erklärte Bartels den Ansatz des AEF während der vergangen neun Jahre mit ihm an der Spitze. Nämlich, sich pro-aktiv mit den jeweils aktuellen Herausforderungen der Agrar- und Ernährungsbranche auseinanderzusetzen und Lösungen zu finden. Dabei sei es von Anfang an um Öffnung, Dialog, Gestaltung, Werbung sowie Forderungen an Politik und Gesellschaft gegangen.

Bartels betonte zudem: „Ohne die Arbeitsgruppen wäre das AEF nichts.“ Er zählte sechs Arbeitsgruppen samt der Vorsitzenden und erfolgreichen Ergebnisse und Projekte auf. Dazu zählt auch die Antibiotikadatenbank „Aniplus“.

Bartels zeigte sich am Ende sichtlich bewegt, als er neben einem Fotobuch mit markanten Stationen seiner AEF-Führung auch für die Honduras-Hilfe, für die er sich engagiert, einen Spendencheck erhielt. Darauf stand die von AEF-Mitgliedern zusammengetragene Summe von 21.000 Euro. Die Hondurashilfe ist ein Projekt der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), das Frauen, die in dem lateinamerikanischen Land in Armut leben, mit Mikrokrediten unterstützt.

„Dabei werden wir auch die Interessen und Erfordernisse einer zunehmend ökologisch orientierten Gesellschaft genauso berücksichtigen müssen wie die Ansprüche der Agrarbranche mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen.“Sven Guericke, neuer AEF-Vorsitzender

Sven Guericke: In seiner Vorstellung vor seiner Wahl zum neuen AEF-Vorsitzenden schilderte Guericke seine enge biografische und später auch berufliche Verbindung zum Agrar- und Ernährungsbereich. Auch er betonte: „Die Arbeitskreise des AEF sind und bleiben das Rückgrat unserer Arbeit zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsraumes Oldenburger Münsterland.“

Und: „Dabei werden wir auch die Interessen und Erfordernisse einer zunehmend ökologisch orientierten Gesellschaft genauso berücksichtigen müssen wie die Ansprüche der Agrarbranche mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen.“

Hoher Gast: Ministerpräsident Stephan Weil war zugeschaltet. Im Vordergrund ist der neue AEF-Chef Sven Guericke zu sehen. Foto: TzimurtasHoher Gast: Ministerpräsident Stephan Weil war zugeschaltet. Im Vordergrund ist der neue AEF-Chef Sven Guericke zu sehen. Foto: Tzimurtas

Ministerpräsident Stephan Weil: Der Regierungschef würdigte Bartels auch mit diesen Worten: Weil, der vor 2013 lange Oberbürgermeister von Hannover war, sagte, für ihn sei bei seinem Wechsel in die Landespolitik die Agrarpolitik ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Es handele sich allerdings um eines der „Kernthemen“ der Landespolitik. Und er sei dankbar, dass er mit Bartels jemanden gehabt habe, der ihm Orientierung gegeben habe. Weil dankte für „die ersten Schritte“.

Der Ministerpräsident versprach, den Austausch mit dem AEF auch nach dem Abschied von Bartels aufrecht zu erhalten.  Und Weil versicherte, dass die Landesregierung nicht plane, die Tierzahl im Nordwesten abzubauen. „Das Ziel ist, dass Tiere, wie viele es auch sein mögen, unter guten Bedingungen gehalten werden, so dass wir alle guten Gewissens auch zu dieser Haltungsform stehen können“, sagte er. „Meiner Ansicht nach ist nicht die Frage der Quantität, sondern der Qualität maßgeblich“, betonte der Ministerpräsident. Weil mahnte allerdings mehr Anstrengungen beim Klimaschutz in der Agrar- und Ernährungsbranche an.

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