Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Wolf wird bei Autounfall getötet

Das Tier wird beim Überqueren der Bundesstraße 51 im Bereich Mäkel von einem Fahrzeug überfahren. Möglicherweise handelt es sich um die Goldenstedter Wölfin.

Artikel teilen:
Tod durch Autounfall: Eine Wolfsfähe an der B51 bei Dreeke. Foto: M. Niehues

Tod durch Autounfall: Eine Wolfsfähe an der B51 bei Dreeke. Foto: M. Niehues

Den Spuren auf dem Acker nach lief das Tier zuerst mehrfach hin und her, bevor es sich über die viel befahrene Bundesstraße traute, um Richtung Moor zu gelangen. Dann knallte es plötzlich bei 2 Autofahrern. Am Montagmorgen gegen 7.45 Uhr kollidierte ein Wolf mit einem Transporter auf der B 51 in Höhe Dammershausen südlich von Barnstorf. Das Tier stieß zuerst gegen das Fahrzeug, das von einem 46-jährigen Mann aus Eydelstedt gelenkt wurde, und schleuderte dann gegen den Pkw einer entgegenkommenden 37-jährigen Barnstorferin. Es verendete sofort vor Ort.

Durch den Zusammenstoß entstand nach Angaben der Polizei Diepholz auch noch ein Folgeunfall. Als eine 68-jährige Barnstorferin mit ihrem Wagen an der Unfallstelle halten musste, übersah dies eine 23-jährige Autofahrerin aus Barnstorf und fuhr auf. Um den getöteten Wolf kümmerte sich Wolfsberater Dr. Marcel Holy aus Hüde. Er sah sich vor allem die Zähne des weiblichen Tieres an, um das Alter grob einschätzen zu können. Ein Jungtier konnte er auf diese Weise schnell ausschließen.

Raubtier soll eher 8 als 6 Jahre alt sein

Zur näheren Bestimmung tauschte sich Holy mit einem Berufsjäger aus, der Trophäenbewertungen bei Raubsäugern vornimmt. Das Tier soll dessen Einschätzung nach "eher 8 als 6 Jahre" alt sein, berichtete Holy anschließend. Ein genaue Untersuchung in einem tiermedizinischem Institut soll über die Genetik präzise Daten liefern. Der Unfallort gehört zum Revier des im nahen Moor ansässigen Goldenstedter/Barnstorfer Wolfsrudels.

Das einzige weibliche Tier, das von der Altersbestimmung her passen würde, wäre die sogenannte Goldenstedter Wölfin, die Fähe des Rudels. Sie stammt gebürtig aus der Region Gorleben, aus dem dort ansässigen Gartower Rudel. Sie wurde im Frühjahr 2014 erstmals im Kreis Vechta gesichtet und ließ sich im Moor zwischen Goldenstedt und Mäkel nieder. Monate später sorgte sie mit einer Vielzahl von Nutztierrissen für Schlagzeilen, auch weil sie wiederholt als sicher geltende Zäune problemlos überwinden konnte und diese wolfsuntypisch übersprang. Der einstige Vorsitzende des Arbeitskreises Wolf sprach sich damals sogar für eine Entnahme des Tieres aus, auch damit der Nachwuchs das problematische Jagdverhalten der Wölfin nicht erlernt. Der damalige grüne Umweltminister wurde aber nicht tätig.

Zwischenzeitlich war es um die Goldenstedter Wölfin etwas ruhiger geworden, auch weil es kaum noch Schafhalter gab, die sich trauten, ihre Tiere draußen weiden zu lassen. Die Rissvorfälle nahmen in letzter Zeit aber wieder zu, nachdem im Mai 2020 mindestens 4 Welpen geboren wurden. Die letzten 5 gerissenen Schafe musste Marcel Holy erst am vergangenen Sonntag in Barnstorf untersuchen. Es war sein 99. Fall. Dass sein jetzt rundes Einsatzjubiläum ausgerechnet der mögliche Unfalltod der Goldenstedter Wölfin sein würde, konnte er da noch nicht ahnen.

Tod wird Auswirkungen auf Rudelstruktur haben

Und er fragt sich jetzt, welche Auswirkungen das Fehlen der Fähe auf das Rudel und dessen Struktur hat. "Da wird einiges durcheinander geraten", ist er überzeugt. Denn die diesjährigen Welpen erlernen in dieser Jahreszeit das Jagen von ihren Eltern und begleiten sie dabei. Noch fehlen genetische Ergebnisse zu gesammelten Kotproben der Welpen. Aber der mutmaßliche Rüde des Rudels, der als Vater des diesjährigen Nachwuchses angenommen wird, erweckte noch vor einem Jahr den Eindruck, selbst recht jung und vor allem unerfahren zu sein.

Nach einer Rissuntersuchung im Bereich Steinfeld konnte im November letzten Jahres aber auch eine Tochter der Goldenstedter Wölfin genetisch nachgewiesen werden, die bis dahin unbekannt war. Auch Fotoaufnahmen des Wolfsbüros wiesen im Frühjahr bisher unbekannte Rudelmitglieder nach. Möglicherweise übernehmen diese, sofern sie noch im Moor leben, jetzt eine neue Funktion innerhalb der Wolfsfamilie. Die Aufnahmen waren im Rahmen eines intensiveren Monitorings des Wolfsbüros entstanden. Weil sich der junge Rüde im vergangenen Jahr Menschen gegenüber wenig scheu zeigte, war dies eine vorbereitende Maßnahme für ein mögliche Besenderung des Tieres.

Wolfsbüro will Rüden doch nicht besendern

Wolfsberater Ulrich Heitmann aus Dinklage hatte dies beantragt und zuletzt auch angemahnt. Aber daraus wird jetzt offensichtlich nichts. Auf Anfrage unserer Redaktion teilt der stellvertretende Pressesprecher des Umweltministeriums mit, dass auf "keiner der Aufnahmen der auffällige Rüde aus dem vergangenen Jahr eindeutig zu erkennen" gewesen sein soll. "Erst ein privates Handyfoto von einem Schafriss Ende Juni zeigt einen Wolf, bei dem es sich tatsächlich um den Rüden handeln könnte", teilt Matthias Eichler weiter mit. Weitere Hinweise auf das Tier würden dem Wolfsbüro nicht vorliegen. "Daher bestehen keine konkreten Planungen für eine Besenderung", sagt er. "Das Wolfsbüro bittet jedoch darum, alle Sichtungen, insbesondere Nahbegegnungen, bei denen es sich um den Rüden handeln könnte, dem Wolfsmonitoring zu melden."

Die Zähne verraten das Alter: Dr. Marcel Holy untersucht die Wölfin. Foto: M. NiehuesDie Zähne verraten das Alter: Dr. Marcel Holy untersucht die Wölfin. Foto: M. Niehues

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Wolf wird bei Autounfall getötet - OM online