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Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Durch KI-Dienste wie ChatGPT oder Gemini können wir noch schneller an Informationen kommen. Das kritische Denken sollten wir dabei nicht vergessen.

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„Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht.“ So soll es einst niemand Geringeres als Albert Einstein gesagt haben, obwohl es dafür keine eindeutigen Belege gibt. Durch unsere Umgangssprache hat sich daraus das Sprichwort „Man muss nicht alles wissen. Man muss nur wissen, wo es steht“ entwickelt. Es gibt Hinweise darauf, dass eine ähnliche Aussage oder der Kerngedanke dahinter schon früher existierte. So findet sich im 19. Jahrhundert die lateinische Devise „Dimidium scientiae cui scit ubi sit scientia“.

Diese Informationen hat mir „Gemini“ verraten, als ich das Programm fragte, worin denn der Ursprung dieses Zitats liegt. Vielleicht kennen Sie das auch. Urplötzlich kommt Ihnen eine Frage in den Sinn und statt lange überlegen zu müssen, was Sie in die Google-Suchleiste eingeben oder bis Sie sich durch sämtliche Suchergebnisse geklickt haben, fragen Sie einfach den Chatbot Ihres Vertrauens. Denn der Online-Dienst „Gemini“ ist ein von Google entwickelter KI-basierter, multimodaler Chatbot, ähnlich wie der wohl prominenteste Vertreter dieser Art, „ChatGPT“ von OpenAI.

Als ich Gemini jedoch im zweiten Anlauf gebeten habe, bei der Antwort eine Quelle mitanzugeben, kam ein anderes Ergebnis dabei heraus: „Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht“ wird oft dem deutschen Schriftsteller und Philosophen Carl Joachim Friedrich zugeschrieben. Du findest diese Aussage in seinem Werk „Constitutional Government and Democracy: Theory and Practice in Europe and America“, das erstmals 1941 veröffentlicht wurde, schreibt Gemini. Dort prägte er diesen Gedanken im Kontext der Bedeutung von zugänglicher Information und Dokumentation für eine funktionierende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Dieser Ausführung des Chatbots folgte eine ausführliche Quellenangabe.

„Wer etwas (Wahres) wissen will, sollte also in jedem Fall die Quellen überprüfen und Informationen kritisch hinterfragen.“

Das ist jetzt nur eine Spielerei von mir gewesen, aber es zeigt ziemlich deutlich, dass KI-Dienste so ihre Tücken haben können. Wer etwas (Wahres) wissen will, sollte also in jedem Fall die Quellen überprüfen und Informationen kritisch hinterfragen. Leider ist dies nicht selbstverständlich, denn nur gut ein Viertel der Nutzer in Deutschland überprüft einer Umfrage zufolge die Ergebnisse, die KI-Chatbots wie ChatGPT, Google Gemini und Microsoft Copilot erstellen. Konkret gaben 27 Prozent der Befragten hierzulande an, KI-generierte Texte, Bilder oder Übersetzungen gegenzuprüfen. Das zeigt die internationale Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Der Durchschnitt in den 15 untersuchten Ländern lag bei 31 Prozent.

Noch seltener als in Deutschland prüften nur Nutzerinnen und Nutzer aus Frankreich und Schweden ihre KI-Ergebnisse – dort lag der Anteil bei je 23 Prozent. Für die Umfragen wurden zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 gut 15.000 Menschen in 15 Ländern befragt, mehr als 1000 davon in Deutschland.

Dass nur jede und jeder Vierte in Deutschland KI-Ergebnisse überprüft, ist ein ernüchterndes Ergebnis – und alarmierend zugleich. Denn natürlich kann die Technologie nützlich sein, indem sie uns zum Beispiel dabei hilft, einen ersten Überblick über ein Thema zu verschaffen. Gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht vergessen, die Informationen, die wir bekommen, richtig einzuordnen. Erst recht im Zeitalter von Fake News. Denn: „Jeder Narr kann wissen, der Punkt ist zu verstehen“ (Dieses Zitat wird übrigens ebenfalls Albert Einstein zugeschrieben).


Zur Person:

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