Willkommen beim winterlichen Behördendomino!
Kolumne: Bei den aktuellen Plusgraden sind wir natürlich auf der sicheren Seite. Aber wissen Sie noch, wie es Anfang Februar war?
Stefan Freiwald | 25.02.2026
Kolumne: Bei den aktuellen Plusgraden sind wir natürlich auf der sicheren Seite. Aber wissen Sie noch, wie es Anfang Februar war?
Stefan Freiwald | 25.02.2026

„Geil, Alter!“, hallt es aus den Kinderzimmern im Nordwesten bis in die frostige Abendluft. Mama und Papa schütteln derweil mit dem Kopf, denn der Wetterbericht kündigt leichten Frost und nur hier und da gefrierenden Regen an. „Früher sind wir bei Eis und Schnee zu Fuß 10 Kilometer zur Schule gelaufen – und wir hatten nicht einmal Funktionsjacken“, schwadroniert Papa. „Heute sprechen die Medien gleich von Schnee-Katastrophe, bei uns hieß das ,Winter‘“, fällt ihm Mama ins Wort. Opa holt Luft. „Ein rutschender Schüler, ein empörter Vater, ein Anwalt – und schon ist aus Winter eine Wetterlage mit Aktenzeichen geworden.“ In den Behörden geht am nächsten Tag die Diskussion in der Kantine los. „Musste das sein, es ist doch gar kein Eisregen gefallen“, sagt der eine Beamte zum anderen. „Stimmt. Die sollten mal nicht so freigiebig sein, die Kinder sollen doch was lernen. Und die Lehrer haben ja bestimmt schon wieder…“ Die Kolleginnen und Kollegen in der Schulbehörde sehen das naturgemäß anders. Lieber einmal zu früh absagen als einmal zu spät haften. Ein rutschender Schüler, ein empörter Vater, ein Anwalt – und schon ist aus Winter eine Wetterlage mit Aktenzeichen geworden. Und schließlich gibt es ja Videokonferenzen, in denen die Lehrerinnen und Lehrer den Kleinen etwas beibringen können. Theoretisch. Nach 3 Tagen Behördendomino bleibt die Katastrophen-App nachmittags still. Na endlich, denkt sich Papa. Morgen wird der durch Schneestürme gestählte Mann sein Kind mit seinem SUV wie gewohnt einen Meter vor dem Schuleingang absetzen. Bis zum nächsten Domino-Spiel.
Sie kennen das Prinzip: Ein Dominostein kippt – klack, klack, klack – und die ganze Reihe fällt. Im Nordwesten geht das auch behördlich. Erst meldet der Landkreis Diepholz am Montag gegen 16 Uhr per Katastrophen-App: „Morgen fällt der Präsenzunterricht an allen Schulen aus. Grund: extreme Glätte.“ Eine Stunde später folgt Vechta. 30 Minuten später fällt in Cloppenburg der nächste Stein.Zur Person:
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