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Wettlauf gegen die Kälte: Linderner sammeln Wintersachen für die Ukraine

Der Transport soll so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Die Emmanuel-Christen werden erneut von der katholischen Kirche unterstützt. Auch Stromgeneratoren und Kerzen werden benötigt.

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Sie wollen helfen (von rechts): Victor Haar, sein Enkel Raphael und Schwiegersohn Eduard unterstützen Valeri Timakow (Mitte). Mit im Team ist auch der Ukrainer David (links). Foto: privat

Sie wollen helfen (von rechts): Victor Haar, sein Enkel Raphael und Schwiegersohn Eduard unterstützen Valeri Timakow (Mitte). Mit im Team ist auch der Ukrainer David (links). Foto: privat

Die Ukraine steht vor einem harten Kriegswinter. Weil die russische Armee inzwischen dazu übergegangen ist, die Infrastruktur des Landes gezielt zu zerstören, dürfte sich die Lage für die Zivilbevölkerung schon sehr bald weiter verschärfen. Die Emmanuel-Christengemeinde Lindern hat deshalb eine Wintersammlung gestartet und bittet um Kleiderspenden.

Gebraucht werde alles, was wärmt, erklärt Gemeindemitglied Victor Haar. Und zwar von der dicken Jacke bis zum Handschuh. Auch Schlafsäcke, Zelte und Kerzen seien gefragt. Um die Stromversorgung aufrechtzuhalten, wollen die Linderner außerdem mobile Generatoren in ein Sammellager bringen, das rund 200 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt. Von dort aus gelangen die Hilfsgüter zu den Notleidenden, aber auch direkt an die Front. Von der katholischen Kirchengemeinde haben die Emmanuel-Christen eine Geldspende in Höhe von 1200 Euro erhalten. "Mit dem Geld gehen wir einkaufen, um den Transport aufzufüllen", berichtet Haar. Er bedankt sich für die Unterstützung in Lindern. "Die katholische Gemeinde hat uns von Anfang an sehr geholfen."

Während Haar berichtet, nickt Valeri Timakow zustimmend. Der Ukrainer hatte die Hilfstransporte im Frühsommer angeregt. Dreimal machten sich die Aktiven bereits auf den weiten Weg. Bislang wurden die  Güter, darunter vor allem Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamente, nach Polen gebracht und dort in ukrainische Fahrzeuge umgeladen. Die Wintersachen will Valeri direkt in seine Heimat bringen. Obwohl der Endfünfziger auf den Rollstuhl angewiesen ist, nimmt er die Strapazen bereitwillig auf sich. Ans Aufgeben denke er ebenso wenig wie seine Landsleute, sagt er. 

Kochen im Freien: Die russischen Angriffe zerstören derzeit die Lebensgrundlagen der Menschen in der Ukraine. Foto: dpaKochen im Freien: Die russischen Angriffe zerstören derzeit die Lebensgrundlagen der Menschen in der Ukraine. Foto: dpa

Tochter von Timakow ist zurückgekehrt

Bis die Russen sein Dorf in der Nähe von Mariupol besetzten, hatte Timakow dort ein privates Seniorenheim geleitet. Weil er ukrainischen Soldaten bei der Flucht half, steht er auf der Fahndungsliste des russischen Geheimdienstes und musste sein Zuhause deshalb fluchtartig verlassen. Seine Familie fand in Löningen Obdach. Eine seiner Töchter ist jedoch inzwischen mit ihren Kindern in die Ukraine zurückgekehrt. Sie sei mit der Situation überfordert gewesen und habe Depressionen bekommen, übersetzt Victor Haar. Sie lebe jetzt in Lemberg. Die westlichste Großstadt des Landes ist zum Ziel zahlreicher Flüchtlinge aus den besetzten Gebieten geworden. "Sie platzt förmlich aus allen Nähten", bestätigt Haar.  

Dort, wo Russland das Sagen habe, gehe es wieder zu wie in den 1970er Jahren, sagt Valeri Timakow. Sogar die alten Lenin-Fahnen seien wieder aufgehängt worden. Über das Internet hält er den Kontakt zu Bekannten. Sie berichten von großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. "Die Bauern können ihr Getreide nicht gewinnbringend verkaufen, weil ihnen die Russen nur wenige Rubel bezahlen, die ihre Kosten nicht decken."

Abgabe auch in der Kleiderkammer möglich

Das sogenannte Referendum über den Anschluss des Donbass an die Russische Föderation sei reine Farce gewesen. "Die Wahlhelfer gingen mit den Urnen von Haus zu Haus. Viele haben gar nicht erst aufgemacht. Dann haben die Russen die Zettel selbst ausgefüllt." Die von ihm betreuten Senioren konnte Valeri in einem anderen Heim unterbringen. Ihnen gehe es einigermaßen, die Besatzer hätten sogar Brot vorbeigebracht – natürlich unter Begleitung eines Fernsehteams. "Auf Propaganda verstehen sie sich", sagt Valeri bitter.

Die Zeit drängt. In der Ukraine sinken die Temperaturen nachts inzwischen bereits unter den Gefrierpunkt. Zwar hat sich die Luftabwehr besser auf die russischen Drohnen und Raketen eingestellt. Trotzdem drohen Engpässe bei der Versorgung mit Strom und Wärme.

  • Info: Wer sich an der Sammlung beteiligen möchte, kann die Wintersachen am Seiteneingang des Gemeindezentrums (Alte Schulstraße 2) ablegen oder sie jeweils donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr in der Kleiderkammer in Lindern abgeben (von Galen Straße 9).

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