Wer sind Sie denn eigentlich?
Kolumne: Mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen, ist erst einmal nicht verkehrt. Manchmal darf man sich aber auch loben – und dafür sollte man sich vielleicht mal etwas daten.
Julian Röben | 04.03.2026
Kolumne: Mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen, ist erst einmal nicht verkehrt. Manchmal darf man sich aber auch loben – und dafür sollte man sich vielleicht mal etwas daten.
Julian Röben | 04.03.2026

Sind Sie mit sich selbst im Reinen? Akzeptieren Sie sich voll und ganz, genau so, wie Sie sind? Haben Sie eine innere Stimme, die immer wieder mit negativen Bemerkungen an Ihrem Selbstbewusstsein nagt? Die Sie runtermacht und Ihnen erzählt, dass Sie nicht gut genug sind und dass andere immer alles besser hinbekommen? Wissen Sie was? Manchmal hat diese Stimme recht. Hart zu sich selbst zu sein, ist nicht nur voll okay, sondern kann einen auch voranbringen. Zu einem besseren Menschen machen. Selbstkritik kann schon sehr effektiv sein – zumindest in Maßen. Manchmal darf man sich auf jeden Fall auch mal loben. Und ganz wichtig: das Lob auch annehmen. Damit haben wir aber irgendwie leider oft Probleme. Oft überhören wir die positiven Stimmen in uns, schenken ihnen kaum Aufmerksamkeit. Woran liegt das? Die negativen Stimmen kommen doch auch durch. Vielleicht, weil wir uns noch nicht gut genug kennen? Wenn einem ein Wildfremder etwas Negatives sagt, nimmt man sich das zu Herzen. Bei einem positiven Kommentar eines Wildfremden gerät man direkt wieder ins Relativieren („Ach, der kennt mich doch gar nicht.“). Ja, vielleicht sollte man einfach mal anfangen, sich kennenzulernen. So richtig. Wer weiß, vielleicht gefallen Sie sich ja sogar ein kleines bisschen. Vielleicht können Sie sich sogar vorstellen, dass etwas Ernstes aus Ihnen werden könnte. „Wenn es jetzt gerade nicht klappt, dann soll es vielleicht gerade nicht sein.“ Man muss sich ja nicht gleich direkt lieben – Sie lernen sich schließlich gerade erst kennen, lassen wir mal die Kirche im Dorf. Aber vielleicht kann man sich ja mal ein bisschen texten, mit sich selber hin- und herschreiben, sich bei Instagram stalken und eventuell das eine oder andere Like dalassen. Sich eines Tages auf ein zunächst entspanntes Treffen einlassen, wenn man sich zumindest oberflächlich kennengelernt hat. Man kann dann vielleicht eine Kleinigkeit kochen, ins Gespräch kommen und hoffen, dass keine unangenehme Stille entsteht. Für den Fall der Fälle einfach Musik anmachen, dann fällt das gar nicht so sehr auf. Einfach auf das Beste hoffen, vielleicht stimmt ja der Vibe. Vielleicht kann man zumindest eine kleine Grundsympathie füreinander entwickeln, das merkt man meist relativ schnell. Wenn dem so ist, wäre vielleicht noch ein entspannter Film drin? Irgendetwas Schnulziges? Vielleicht „Titanic“? Ach übrigens, es gibt leider nur eine Decke, also die müsste man sich leider teilen … Oh Gott, war das jetzt zu viel? Ist der Bogen überspannt?! Okay, ich glaube, Sie haben verstanden, worauf ich hinauswollte. Daten Sie sich doch einfach selbst! Vielleicht funkt es ja. Aber erzwingen Sie nichts. Seien Sie mutig, aber verschrecken Sie sich nicht, indem Sie zu viel auf einmal wollen. Wenn es jetzt gerade nicht klappt, dann soll es vielleicht gerade nicht sein. Lassen Sie sich gehen, aber verlieren Sie sich nicht aus den Augen. Ihre Zeit wird schon noch kommen. Ich glaube an Sie.Zur Person:
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