Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Was wäre wenn...

Kolumne: Die Wahlkampfzeit hat etwas Anarchisches. Zum Stichwort „illegale Autorennen in Vechta“ träumen wir heute mit.

Artikel teilen:

So wirklich überrascht hat die Schlagzeile nicht: In Vechta soll vor einigen Tagen ein illegales Autorennen stattgefunden haben. Die Folge war ein Unfall. Die Polizei ermittelt. Nun ist im Herbst Kommunalwahl. Die Reaktionen der Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer kamen daher prompt – über die Presse (es gibt Schlechteres) und auch auf den eigenen Kanälen im Netz. Man/frau will schließlich gesehen werden. 

Die Wahlkampfzeit hat etwas Anarchisches. Jede/jeder sagt, was wäre, wenn. Also mache ich das auch mal: Was wäre, wenn am Wochenende die Große Straße nicht mehr durchgängig frei befahrbar wäre? Wenn die Poller, die für viel Steuergeld – auch Förder-Euro sind nämlich Steuer-Euro – gekauft wurden und überwiegend im Boden schlummern, auf Höhe des Europaplatzes ausgefahren werden? Was wäre dann? Wir hätten einen Platz wie zur Weihnachtsmarktzeit. Gut für die Gastronomie, doof für Autoposer und kein Problem für Parkplatzsuchende mit Konsumwunsch. Win-Win-Win für Otto Normalverbraucher samt Gattin und Nachwuchs. Warum darüber überhaupt diskutiert wird? Fragen Sie nicht mich!

„Was wäre, wenn wir unsere Straßen anders planen? Nicht immer breiter und so gerade wie möglich, sondern wie mäandernde Flüsse.“

Zurück zum Konjunktiv: Was wäre, wenn wir unsere Straßen anders planen? Nicht immer breiter und so gerade wie möglich, sondern wie mäandernde Flüsse. Wenn Tempo 30 nicht nur in Siedlungen Standard wäre und es flächendeckend Überholverbote gäbe. Wenn die Zahl der stationären Blitzer sich erhöhte und mehr mobile Anlagen verfügbar wären, die an wechselnden Stellen aufgebaut werden könnten. Wenn es mehr Beamtinnen und Beamte gäbe, die zudem mehr Zeit für Verkehrskontrollen auch am Wochenende hätten. Wenn das Auto als das definiert würde, was es ist: ein Fortbewegungsmittel, kein aufgemotztes Statussymbol, und die Zulassungsregeln entsprechend strenger würden. Wie tief kann so ein armes Auto sinken?

Und was wäre, wenn die Zufahrtsbeschränkung, die auf dem famila-Parkplatz gilt, auf andere Supermarktparkplätze übertragen würde? Was wäre dann? Es würde natürlich weiter Autoposer geben, aber sie hätten an einigen Stellen in Vechta weniger Freude. Dafür hätten die Anlieger der aktuellen Treffpunkte mehr Ruhe. Und wir mit ihnen.

Nun ist das bisher Formulierte ein Denkprozess im Konjunktiv. Nicht alles kann auf kommunalpolitischer Ebene geklärt werden. Da muss ich fair bleiben. Und auch gegen das Kopfkino der Poser, die über ein Blechteil auf vier Rädern ihre Männlichkeit definieren, helfen meine Vorschläge so wenig wie die hohen Spritpreise. Aber: Einiges könnte geregelt werden. Zumal die Probleme mit den Menschen, die sich wünschen, Benzin statt Blut in ihrem Körper zu haben, nicht neu sind.

Mancher Mahner mit politischen Ambitionen hält sein Plädoyer für mehr Sicherheit und Ruhe in Vechta seit Jahren. Denen, die jetzt als Wahlkämpfer(innen) neu dazugekommen sind, sei gesagt: Für den Anfang gar nicht schlecht. Wäre gut, wenn nicht alles nach dem Wahlkampf in einer Abgaswolke verpufft.


Zur Person:

  • Anke Hibbeler ist Stellvertreterin der OM-Medien-Chefredaktion.
  • Die Autorin erreichen Sie per Mail: redaktion@om-medien.de.

Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Was wäre wenn... - OM online