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Warten ist das neue Machen

Kolumne: Wer jetzt etwas verändert, der könnte den Anfang vom Ende einleiten – sagen nicht nur die Mutlosen, sondern auch die Prinzipienreiter.

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Wir warten auf die Energiewende, wir warten auf die nächste Corona-Welle, wir warten darauf, dass Corona vorbeigeht, wir warten auf mehr Ladesäulen, das Wasserstoff-Auto, auf den Totimpfstoff und jetzt schon wieder auf das Christkind. Wir warten einfach mal ab. Aus dem Volk der Macherinnen und Macher ist ein Volk der Wartenden geworden.  

Vor einigen Wochen durfte ich an einem sogenannten Hackathon in Vechta teilnehmen. Das war ein 2-tägiger Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern, die gemeinsam überlegen, was alles besser laufen könnte in ihrer Stadt. Die Teilnehmenden haben ganz schön herumgesponnen und viele tolle Ideen entwickelt. Vechta könnte klimaneutral werden und die Innenstadt autofrei obendrein. Oder wenigstens manchmal, zumindest ein bisschen. Es könnte überall grünen und blühen. Kinder könnten spielen ohne Angst davor, überfahren zu werden.

Die Ideen aus dem Hackathon möchte die Stadt weiter verfolgen und  nicht untergehen lassen im Tagesgeschäft. Ich bin gespannt. Es wäre der Startpunkt, um aus dem Warten ins Machen zu kommen, und es würden sogar Bürgerinnen und Bürger mitmachen. Was will die Stadt mehr? 

Oder hat sie Angst vor der eigenen Courage? Bedenklich finde ich schon, dass sich nicht eine Ratspolitikerin und nicht ein Ratspolitiker die kreativen Präsentationen beim Hackathon anschauen wollte. Warum auch? Es läuft doch alles so gut bei uns. Wer jetzt etwas verändert, der könnte den Anfang vom Ende einleiten. Warten wir doch lieber, bis es unserem Einzelhandel so schlecht geht wie anderswo, weil sich – da sind sich alle Experten einig – die Innenstadt durch den Onlinehandel vom reinen Shoppingmekka weiterentwickeln muss. Das Gute ist der Feind des Besseren.

"Wir sollten nicht nur auf Politik und Verwaltungen warten. Wir sollten uns einmischen. Denn letztlich sind wir alle der Staat."

Stefan Freiwald

Warum bestellen die meisten Städte und Gemeinden keine Lüftungsanlagen für die Schulen und Kitas – trotz kräftiger finanzieller Unterstützung des Bundes? Bis die eingebaut sind, ist Corona längst vorbei, hieß es im vergangenen Sommer. Und jetzt: Warten wir auf die nächsten Wellen.

Wir sollten nicht nur auf Politik und Verwaltungen warten. Wir sollten uns einmischen. Denn letztlich sind wir alle der Staat.

Dazu ein weiteres reales Beispiel: Einige Bürger gehen verbal auf die Barrikaden, weil das Mahnmal für gefallene Soldaten endlich vom Unkraut befreit werden müsse. Sie zetteln einen Kleinkrieg mit mehreren Behörden und der Kirchengemeinde an und ärgern sich schwarz. Anstatt überall zu lamentieren, wie schrecklich dieser „Schandfleck“ aussieht, hätten sie sich ein paar Mitstreiterinnen und Mitstreiter suchen und selbst zur Hacke greifen können. Kiste Bier dabei, Radio an für die Bundesligakonferenz. Das ist produktiver und könnte sogar Spaß machen.

Sie werden jetzt einwenden: Es geht doch ums Prinzip. Aber: Wer so argumentiert, hat in Wirklichkeit keine echten Argumente mehr.  Macht doch einfach mal! Es könnte gut werden. 


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (48) arbeitet als Redakteur für OM-Medien und hat ein Büro für PR, Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement in Vechta.
  • Er wohnt mit seiner Familie in Oythe.

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