Vechtaer Pfarrchronik aus der NS-Zeit steht unter der Lupe
Das Institut für Regionalgeschichte und Katholizismusforschung informiert über neue Forschungsprojekte.
Andreas Kathe | 06.10.2024
Das Institut für Regionalgeschichte und Katholizismusforschung informiert über neue Forschungsprojekte.
Andreas Kathe | 06.10.2024

Über neue Projekte informierten Maria Anna Zumholz und Michael Hirschfeld die Mitglieder desInstituts für Regionalgeschichte und Katholizismusforschung auf einer Versammlung in Vechta. Foto:Kathe
Entwickelte sich die Stadt Vechta in der nationalsozialistischen Zeit zwischen 1933 und 1945 zu einer Art Widerstandsnest gegen den damaligen Zeitgeist? Eine Frage, zu deren Klärung ein neues Buchprojekt des in Vechta ansässigen Instituts für Regionalgeschichte und Katholizismusforschung beitragen soll. Auf der Mitgliederversammlung des vor 3 Jahren gegründeten Instituts konnten der Vorsitzende Professor Dr. Michael Hirschfeld, seine Stellvertreterin Dr. Maria Anna Zumholz und weitere an den Forschungen Beteiligte dazu einen Zwischenbericht abgeben. Im Kern geht es zunächst einmal um die sorgfältige Edition der Pfarrchronik von St. Georg in Vechta, die vom Pfarrer Joseph Hermes geführt und von Georg Windhaus um weitere wichtige Berichte ergänzt wurde. Näher untersucht werden zum Beispiel die Vorfälle rund um die Beerdigung der Jüdin Hanna Bloch im Jahr 1936. Sie war unter großer Beteiligung der katholischen Bevölkerung zu Grabe getragen worden. Manche Teilnehmer hatten im Anschluss Repressionen der Nationalsozialisten zu ertragen. Auch die Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 ist ein Thema. Die Vechtaer SA unter Dr. Timphus verweigerte die Teilnahme; es musste ein Sturmtrupp aus Lohne anrücken. Auch dies hatte entsprechende Konsequenzen. Die Pfarrchronik reicht bis in die Nachkriegsjahre, die ebenfalls entsprechend wissenschaftlich ausgewertet werden sollen. Als weiteres Projekt des Instituts wurde noch auf die Erschließung regionalgeschichtlich interessanter handschriftlicher Akten des Weihbischofs Nils Stensen aus dem 17. Jahrhundert hingewiesen, die allerdings noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen werde. Nachdem weitere Institutsmitglieder kurz über ihre anstehenden Projekte berichtet hatten, gab es seitens des Vorstandes den Verweis darauf, dass die umfangreichen Aktenbestände – unter anderem auch aus dem Nachlass des früheren Vechtaer Professors Joachim Kuropka – mithilfe des Offizialatsarchives in Vechta gesichert werden konnten. Im Archiv hat das Institut nun auch seine feste Adresse. Turnusgemäß wurde auf der Versammlung eine Vorstandswahl abgehalten. Vorsitzender Michael Hirschfeld wurde ebenso im Amt bestätigt wie Stellvertreterin Maria Anna Zumholz und Schriftführerin Gertrud Arkenau.
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