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Um Mitternacht zum Retter geworden

Der 23-jährige Marco Einhaus aus Petersfeld war bei dem schweren Unfall an der B72 als Ersthelfer zur Stelle. Er half einem 39-Jährigen aus dessen Auto, das von der Straße abgekommen war.

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Fahrer rechtzeitig befreit: Das Wrack brannte völlig aus. Foto: Nordwestmedia

Fahrer rechtzeitig befreit: Das Wrack brannte völlig aus. Foto: Nordwestmedia

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war kurz für Marco Einhaus aus Petersfeld – und wird dem 23-Jährigen wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Er war gegen Mitternacht als Ersthelfer zur Stelle, als sich an der Kreuzung B72/Petersfelder Straße ein schwerer Verkehrsunfall ereignete. Ein 39-Jähriger aus Holtland (Landkreis Leer) war mit seinem Mazda 6 auf der B72 unterwegs, aus noch ungeklärter Ursache nach links von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen massiven Findling geprallt. Der Wagen schleuderte gegen Schilder und einen Ampelmast und fing daraufhin Feuer.

„Ich wollte eigentlich gerade schlafen gehen“, sagt Anwohner Marco Einhaus. Dann habe er es zwei-, dreimal laut knallen hören. Der Blick aus dem Fenster sagte ihm, dass etwas nicht stimmen könne: Eine Ampel an der Kreuzung, blinkte nur orange. Für gewöhnlich befinde diese sich immer im Normalbetrieb. „Es musste irgendwas passiert sein.“ Der 23-Jährige zog sich schnell an und ging mit einer Taschenlampe hinaus. Gesehen habe er zunächst nichts – bis ein Kennzeichen reflektiert habe. Es war der Unfallwagen, der auf der Fahrerseite liegend, zum Stehen gekommen war.

Marco Einhaus. Foto: EinhausMarco Einhaus. Foto: Einhaus

„Es schlugen bereits kleine Flammen aus dem Motorraum.“ Der Fahrer sei ansprechbar gewesen, so Einhaus. Der Mann habe sich schon selbst Richtung Beifahrertür fortbewegen können – Einhaus hielt sie auf und half dem 39-Jährigen schließlich, das Fahrzeug zu verlassen. „Ich musste selber erstmal verarbeiten, was da gerade passiert“, sagt der 23-Jährige, der von Kindesbeinen an Mitglied bei den Johannitern ist und dort auch seinen Rettungsschein gemacht hat. „Eigenschutz ist das höchste Gebot: Man will sich nicht in Gefahr bringen“, betont er.

Nachdem er den Mann zur anderen Straßenseite begleitet habe, setzte er einen Notruf ab. Zusammen mit seinem Nachbarn, dem 55-jährigen Helmut Meyer, versuchte Einhaus, mit herbeigeholten Feuerlöschern die lodernden Flammen zu ersticken – vergeblich. „Wir haben alles versucht“, betont Helmut Meyer. Wie Einhaus berichtet, habe er den Unfallfahrer „permanent“ davon abhalten müssen, zum Auto zurückzulaufen, um Handy und Portemonnaie herauszuholen.

Hemut Meyer. Foto: MeyerHemut Meyer. Foto: Meyer

Meyer kümmerte sich darum, die Unfallstelle zu sichern und andere Verkehrsteilnehmer darauf hinzuweisen. Sehr geärgert haben sich beide nach eigener Aussage, dass viele einfach über die Trümmerteile drüber gefahren seien – ohne anzuhalten oder ihre Hilfe anzubieten. „Ich war da ziemlich aggressiv“, so Einhaus. „In so einer Situation braucht man Hilfe.“ Nur ein Lkw-Fahrer habe angehalten.

Der schwer verletzte Unfallfahrer, bei dem die Polizei einen Atemalkoholgehalt von 1,34 Promille feststellte, wurde vom Rettungsdienst behandelt und in eine Klinik gebracht. Das in Vollbrand stehende Unfallfahrzeug wurde von der Feuerwehr gelöscht. Gegen 1.40 Uhr sei er wieder im Bett gewesen, so Einhaus. „Das Einschlafen war das Schlimmste“, sagte er. „Die Gedanken schwirren um das Erlebte herum.“ Denn: „Das hätte auch anders ausgehen können“, so der 23-Jährige.

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