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„Tannebaum“ oder „Tannenbaum“: Jetzt gibt’s ihn endlich in der Stadt

Gästebuch: Lebkuchen gibt’s schon im September, aber auf den wichtigen Weihnachtsbaum für die gute Stube mussten die Cloppenburger in diesem Jahr gefühlt besonders lang warten.

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„Es lebe hoch, es lebe hoch, der Zimmermannsgeselle.“ So beginnt die Originalfassung des Handwerkerliedes eines gewissen Herrn Joachim August Zarnack. Das war vor 200 Jahren. Dann wurde der „Timmermanns-Song“ umformuliert. Seitdem lassen auch die Menschen im Oldenburger Münsterland nicht mehr den Gesellen hochleben. Vielmehr steht das „Tännschen“ im Mittelpunkt, „A Tännschen please“ wie der Sachse in New York seinen Baum bestellt. Wir Niedersachsen singen demzufolge „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ statt „Es lebe noch, es lebe hoch“.

Das ist auch in Ordnung. Denn es handelt sich schließlich um eines der bekanntesten Weihnachtslieder, jugendfrei für Jung und Alt. Es gab aber auch noch eine andere Fassung des Liedes. Denn der gute Herr Zarnack war durchaus ein Schlitzohr und mindestens einmal durch ebenjenes gebrannt. Die ursprüngliche Fassung des Liedes „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ lautete nämlich „O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte.“ Das meinte: Die treuen Blätter des immergrünen Tannenbaumes sind das Gegenbild zur wankelmütigen Geliebten. So, un nu kummst du. Da musste natürlich erst ein Schulmeister kommen, um das Lied von solch schlüpfrigem Beigeschmack zu befreien. Jetzt hat der Baum mehr Tiefgang und Moral, dank Hauptlehrer Ernst Anschütz. Ein Lob der Lehrerschaft, der Krone der Schöpfung.

In der vom strengen Lehrer Anschütz entschärften Fassung heißt es ja: „Die Hoffnung und Beständigkeit gibt Mut und Kraft zu jeder Zeit“. Da passt in die Cloppenburger Tanner-Szene doch eher das Lied von der wankelmütigen Geliebten als das von Hoffnung und Beständigkeit. Denn die Cloppenburger Tannenbaum-Verkäufer taten sich in diesem Jahr schwer, eine einheitliche Linie zu finden. Streit um'n Baum in CLP.

„Zwar gibt es ja schon Lebkuchen und Nikolausbolzen im September und Spekulatius im Oktober. Doch das ist Kommerz. Der Weihnachtsbaum hat seine eigene Zeit.“

Das fing schon bei dem Namen an. „Tannenbaum“ oder „Tannebaum“, das war hier die Frage. Sie konnte noch schnell, weil leicht, beantwortet werden. Beides geht. Hochsprachlich mit „n“ und umgangssprachlich ohne. Geht doch.

Doch ab wann soll es denn Christbäume geben? Nach dem Totensonntag und nicht vor dem 4. Advent? Zwar gibt es ja schon Lebkuchen und Nikolausbolzen im September und Spekulatius im Oktober. Doch das ist Kommerz. Der Weihnachtsbaum hat seine eigene Zeit. Den künstlichen Baum Westerloher Art, wasch- und wiederverwertbar, gibt es zwar auch noch. Eher in Staatsforsten.

Aber hier ist die Rede vom frischen Gewächs. Zahlreiche Cloppenburger hatten sich angesichts der extrem kurzen Vorweihnachtszeit für einen frühen Kauf entschieden, um schon für den 1. Advent und danach Weihnachtsbaumfeeling ins Wohnzimmer zu zaubern. Doch Pustekuchen. Trotz Hoffnung auf Beständigkeit; es gab keinen Baum in Cloppenburg. Jedenfalls keinen offiziellen. Selbst Lüske in Höltinghausen, in der Regel Garant für frühe Gewächse, winkte ab. No Chance. Und wer schlägt schon selbst?

Kurz vor dem 3. Advent läuft uns dann doch die Zeit davon

Zum 2. Advent hatten sich dann einige Händler der wartenden Kundschaft erbarmt und ihrer Sehnsucht Flügel gegeben. Hier und da und netzverpackt. Andere wiederum zögerten, sämtliche Gesetze des Marktes von Angebot und Nachfrage missachtend, stumpf und stur weiter.

Heute nun stehen wir an der Schwelle des 3. Adventssonntages, und die Zeit läuft uns davon. Nur noch einige wenige Nächte schlafen, und die schlesischen Heiligabend-Weißwürste dampfen aus dem Kessel. Doch da naht das Rettende. Der Tannenhof in Cloppenburgs Bührener Tannen, Hort und Hotspot der Tannenpflege, hat jetzt geöffnet. Endlich und als Letzter. Dafür frisch geschlagen vom einzigen Cloppenburger Christbaumverkäufer aus Afrika. Das entschädigt für manches und sogar für die Wartezeit und bestätigt wieder mal den Grundsatz: Willst was gelten, mach dich selten. Endlich Frieden im Schatten des Friedwaldes.


Zur Person

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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