Tage der offenen Tür
Kolumne: Dass Schlüssel Macht bedeuten, ist hinlänglich bekannt. So richtig bewusst wird einem das jedoch meist erst, wenn es in den Urlaub geht.
Heiko Bosse | 20.02.2026
Kolumne: Dass Schlüssel Macht bedeuten, ist hinlänglich bekannt. So richtig bewusst wird einem das jedoch meist erst, wenn es in den Urlaub geht.
Heiko Bosse | 20.02.2026

Es ist ein Phänomen: Wann immer wir die eigenen vier Wände für die Dauer einer Reise verlassen, ziehen wir Haus oder Wohnung vorher einmal komplett auf links. Denn: Die Nachbarn haben ja einen Schlüssel – Stichwort Postkasten leeren, Blumen gießen und nach dem Rechten sehen. Dabei unterscheidet sich diese Form des „Besuchs“ deutlich vom Kaffeekränzchen, zu dem Tante Hilde und Onkel Hinnerk in die Bude schneien. Denn bei Letzterem haben wir selbst die Regie – und die Verwandtschaft im Blick. Nun darf ich mich in der glücklichen Lage schätzen, mit der guten Regina plus Gisela die Seelen der Nachbarschaft am Schlüssel zu wissen und mir – Gott sei Dank – keinerlei Gedanken machen zu müssen. Aber wenn ich so überlege, wer sonst noch alles die Urlaubsaufsicht innehaben könnte …! Mein lieber Scholli! Würde Hannelore Giese von gegenüber etwa den Briefkasten leeren, stünden im Haus aber alle Türen und Schränke offen, sofern wir sie nicht verrammelt und verriegelt hätten. Ich müsste vor Reiseantritt den Flur besenrein hinterlassen. Wo im Alltag ohne Aufschrei vier Paar Schuhe stehen können, um nicht jeden Morgen erst in den Keller humpeln zu müssen, würde jetzt alles verstaut, was Senkel oder Klett hat. Sollte ja perfekt aussehen, wenn Hannelore die neue „Hörzu“ auf die Anrichte hievt. „Oder die Biermanns vom Ende der Straße, die zu keinem Grillfest je einen Salat, wohl aber verlässlich zwei Gläser mitbringen!“ Oder die „Frau Boldt“ unserer Siedlung! Ich kann mir genau vorstellen, wie Siegrid Gehlenborg den Blick schweifen ließe: „Oh, die Gardinen haben sie aber auch, seit sie hier wohnen!“ Und Helmut Giese – Hannelores Ex-Verlobter – würde „nur mal kurz“ im Keller nach dem Rechten schauen, dass die Heizung auch ja nicht ausläuft. Is’ klar ..! Schon sähe er ungeputzte Schuhe und ausrangierte Garten-Jeans. „Guck an, Lörchen, Mini-Knödel von ’gut & günstig’ hat er hier stehen. Aber in den Kolumnen immer schwadronieren, was er doch alles kocht!“ Oder die Biermanns vom Ende der Straße, die zu keinem Grillfest je einen Salat, wohl aber verlässlich zwei Gläser mitbringen! Bei denen wär’s mir ja fast lieber, die würden sich einfach ’nen Hunni aus der Küchenschublade mitnehmen, als mir auszumalen, wie sie durch mein Schlafzimmer baldowern. Und früher oder später fiele der berühmteste aller Sätze, wenn Menschen allein in fremden vier Wänden umherstreifen: „Hier ist die Zeit aber auch stehen geblieben.“ Bei derartigen Ausmalungen könnte ich die arme Yuccapalme besser vorm Urlaub noch eben auf
Hydrokultur umtopfen, statt Leute wie Rosi und Horst Tepe in die Butze zu lassen. Dabei müssten sich ausgerechnet die beiden das Maul zerreißen! Sie glauben ja gar nicht, was die für Magazine abonniert haben! Statt sowas zu lesen, sollten die besser mal ihre Gefriertruhe abtauen – die hat’s nämlich echt nötig ..!Zur Person:
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