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Stadt lässt Areal für die Planung der Cloppenburger Südtangente kartieren

Im Fokus sind dabei seltene Tiere und Pflanzen. Wie genau die Experten arbeiten, schildert die Stadt jetzt.

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Arne Hilbich (rechts) und Lars Bertram dokumentieren bei ihrer Kontrollrunde am Zaun die Tiere in den Fangeimern und setzen sie danach wieder an einem der Gewässer aus. Fotos: Stadt Cloppenburg/Westerkamp

Arne Hilbich (rechts) und Lars Bertram dokumentieren bei ihrer Kontrollrunde am Zaun die Tiere in den Fangeimern und setzen sie danach wieder an einem der Gewässer aus. Fotos: Stadt Cloppenburg/Westerkamp

Frühmorgens im moorigen Wald im Süden der Stadt: Hier waren in den vergangenen Wochen Wissenschaftler unterwegs, um Vorkommen von Fröschen, Molchen und anderen Amphibien zu erfassen. Diese Kartierungen sind Teil der Vorarbeiten für die Planung der Cloppenburger Südtangente.

Seit Jahrzehnten ist die Tangente in Cloppenburg ein Thema. Der Nutzen indes ist umstritten; die Kosten vielen Bürgerinnen und Bürgern zu hoch. Die Stadt indes sieht das anders und ließ daher unlängst das betroffene Areal genau kartieren, um dokumentieren zu können, wo was lebt und wächst.

Der Planungskorridor für die künftige Entlastungsstraße zieht sich laut einer Mitteilung der Stadt Cloppenburg als breiter Bogen von nördlich Stapelfeld bis südöstlich Emstekerfeld. In diesem Gebiet prüfe die „Planungsgruppe Grün“ (PGG) aus Oldenburg demnach seit Mitte Februar vorhandene Biotope und Vorkommen verschiedener Tierarten, schreibt das Rathaus, das in einer Mail von der Arbeit der Experten detailliert berichtet:

Ein seltener Kammmolch, von denen einige Exemplare in den Fangeimern gefunden wurden.Ein seltener Kammmolch, von denen einige Exemplare in den Fangeimern gefunden wurden.

Als Erstes standen Amphibien auf dem Programm. Um diese kümmern sich Landschaftsökologe Arne M. Hilbich und Werkstudent Lars Bertram. Quer durch ein mooriges Waldgebiet mit Buchen, Erlenbruch, Teichen, Gräben und sumpfigen Flächen haben die beiden einen rund 300 Meter langen, kniehohen Zaun aus grünem Textilgewebe aufgestellt. Alle paar Meter wurden Eimer in den Boden eingelassen, um wandernde Amphibien aufzufangen. Diese plumpsen in den Sammelbehältern auf ein weich gepolstertes Bett aus Moos und Laub.

Bei frischen, aber nicht zu warmen Außentemperaturen ab 5 Grad und regnerischem Wetter ist fast jede Falle „belebt“. So wie an dem Morgen, an dem die beiden Wissenschaftler auf einer ihrer regelmäßigen frühmorgendlichen Kontrollrunde unterwegs sind. Gestiefelt und leise arbeiten sich Hilbich und Bertram durch das Gebiet, kontrollieren jeden Eimer, dokumentieren die Funde und setzen die Tiere anschließend vorsichtig am nächstgelegenen Gewässer wieder aus. Zusätzlich suchen sie entlang von Gräben und Teichen nach Laich und achten auf typische Tierlaute.

In dem Untersuchungsgebiet ist in Sachen Amphibien „gut was los“, so eine erste Zwischenbilanz der beiden – etliche der weit verbreiteten Erdkröten, Grasfrösche und Molche wurden dokumentiert. Auch der ein oder andere Kammmolch war dabei. Auf den achten die Experten besonders, denn die bis zu 18 Zentimeter lange Salamander-Art gilt als gefährdet und ist nach der europäischen FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) streng geschützt. Und damit auch ihre Lebensräume.

Häufig zu finden: Erdkröten. Hier hockt ein paarungswilliges Männchen rittlings auf einem Weibchen.Häufig zu finden: Erdkröten. Hier hockt ein paarungswilliges Männchen rittlings auf einem Weibchen.

Bei einer früheren Untersuchung 2014 wurden in dem Gebiet mehr als 190 dieser Kammmolche gefunden. Wie viele es diesmal sein werden, muss noch ausgewertet werden. Was diese und die noch folgenden Untersuchungen für die Trassenfindung der künftigen Entlastungsstraße bedeuten, bleibt abzuwarten. Zunächst müssen alle Daten der Kartierungsphasen erhoben und ausgewertet werden, resümiert die Stadtverwaltung.

Die Amphibiensuche läuft noch bis Mitte Juli weiter. Neben Hilbich und Bertram sind aber auch noch andere Spezialisten-Teams unterwegs, die mit Ferngläsern, Ultraschalldetektoren und anderen Geräten Fledermäuse und Brutvögel suchen, beobachten und dokumentieren. Zudem erfolgt eine landschaftliche Bewertung und Beschreibung der vorhandenen Biotop-Typen. Voraussichtlich bis November sind die Wissenschaftler vor Ort unterwegs, danach werden alle Daten zusammengetragen und analysiert. Eventuell folgen im kommenden Jahr noch punktuell vertiefende Untersuchungen. Zum Abschluss der Kartierungsarbeiten werden die PGG-Experten eine Einschätzung geben, wie wertvoll und schützenswert Fauna und Flora in diesem Gebiet sind, und empfehlen entsprechende Schutz- oder
Ausgleichsmaßnahmen.

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