Sie sind schuldig, ich nicht!
Kolumne: Die Generation Z zeigt’s Ihnen – Ich hätte die Welt längst zu einem besseren Ort gemacht – wenn man mich nur gelassen hätte.
Julian Röben | 04.11.2024
Kolumne: Die Generation Z zeigt’s Ihnen – Ich hätte die Welt längst zu einem besseren Ort gemacht – wenn man mich nur gelassen hätte.
Julian Röben | 04.11.2024

Welthunger. Kriege. Krankheiten. Leid. Naturkatastrophen. Darauf könnte man liebend gerne verzichten. Wie gut, dass es mich gibt: Alle diese Probleme könnte ich im Handumdrehen beenden. Würde ich auch sehr gerne machen, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber das kann ich leider nicht. Schuld daran sind Sie. Na gut, das war vielleicht etwas übertrieben. Natürlich könnte ich nicht mit einem Fingerschnippen die Welt von allem Leid erlösen. Aber selbst wenn ich es könnte, würde mir sicher jemand einen Strich durch die Rechnung machen. Wäre ich allein verantwortlich, sähe die Welt viel besser aus, da bin ich mir ganz sicher! Aber leider sorgen alle möglichen anderen Menschen dafür, dass ich nicht das Beste aus mir machen kann – in allen Lebensbereichen. Das fängt schon im ganz normalen Alltag an: Klassiker – schon wieder verschlafen. Warum hat denn auch der Wecker nicht geklingelt? Der muss über Nacht ausgefallen sein. Diese verdammten Elektronikhersteller! Die Qualitätssicherung scheint bei denen zu wünschen übrig zu lassen, ich werde mich auf jeden Fall beschweren. „Fehler sind menschlich – und viele Kolleginnen und Kollegen scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, diese These zu untermauern“. Natürlich passieren auch bei der Arbeit viele Fehler, das lässt sich nicht vermeiden. Fehler sind menschlich – und viele Kolleginnen und Kollegen scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, diese These zu untermauern. Wie soll ich meine Deadlines einhalten, wenn mir ständig Steine in den Weg gelegt werden? Wenn die Arbeitsanweisungen einfach zu ungenau sind? Dann tut es mir natürlich leid, aber ich muss die Schuld von mir weisen. Auch im Straßenverkehr ist es leicht, die Schuld von sich zu weisen. Ich habe einem dieser Sonntagsfahrer die Vorfahrt genommen und dabei fahrlässig einen Unfall riskiert? Ja, aber nur, weil er so langsam gefahren ist, da muss er sich an die eigene Nase fassen. Auch im Privaten kommt man nicht voran – Schuld? Freunde und Familie, wer sonst. Man nimmt sich zum Beispiel vor, am Wochenende super produktiv zu sein, sich ein bisschen um den Haushalt zu kümmern, endlich mal wieder Unkraut zu jäten oder ein paar Rechnungen zu bezahlen. Am Ende bleibt das auf der Strecke - weil man ständig abgelenkt ist. Auch der gute alte Körper bleibt irgendwann auf der Strecke. Denn wenn es um Gesundheit und Ernährung geht, scheint es fast unmöglich, den richtigen Weg zu finden. Fast täglich erscheinen neue Studien mit neuen Erkenntnissen zu bestimmten Lebensmitteln. An einem Tag habe ich mir noch ein gutes Salamibrötchen gegönnt und am nächsten Tag stuft die WHO verarbeitetes Fleisch als krebserregend ein. Tolle Wurst. Tja, so läuft es immer im Leben. Man möchte so gerne nach den Sternen greifen. Aber die sind halt leider echt weit entfernt. Verflucht sei derjenige, der die Sterne so weit oben angebracht hat. Sich ein kleines bisschen auf die Zehenspitzen zu stellen und sich ganz weit zu strecken, wäre auch wirklich zu anstrengend.Zur Person:
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