Selbst die Paarung passiert in der Luft
Zwölf Mauersegler-Paare brüten mittlerweile in Bakum. Darüber freut sich der Nabu, der in den vergangenen Jahren viele Nisthilfen angebracht hat.
Dr. Philipp Ebert | 30.06.2020
Zwölf Mauersegler-Paare brüten mittlerweile in Bakum. Darüber freut sich der Nabu, der in den vergangenen Jahren viele Nisthilfen angebracht hat.
Dr. Philipp Ebert | 30.06.2020

Für das Auge fast zu schnell: Bis zu 200 Stundenkilometer schaffen die Mauersegler, die hier eine Nisthöhle in Bakum beziehen. Foto: Stoppel
Den Großteil ihres Lebens verbringen sie in der Luft: die Mauersegler. Sie trinken und fressen nicht nur über unseren Köpfen, sie schlafen dort auch. Und auch der Liebesakt soll in luftigen Höhen stattfinden. Kurzum: Die kleinen Vögel sind faszinierende Tiere. Das finden auch die Mitglieder der Bakumer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Sie haben sich in den vergangenen Jahren für den streng geschützten Mauersegler im Bakumer Ortskern stark gemacht. Das einzige "nennenswerte" Vorkommen der Tiere in Bakum habe es im Dachstuhl von Haus Beckmann gegeben, berichtet Christian Behnen, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe. Seit 1982 lebt der pensionierte Lehrer und Hobby-Ornithologe in der Gemeinde. Fünf bis sechs Paare hätten früher unter dem Dach von Haus Beckmann gebrütet, berichtet Behnen. Genau dort fühlen sich die Mauersegler wohl: Weil sie nämlich nur Stummelfüße hätten, bauten die Vögel ihre Nester in einer luftigen Höhe. Von dort können sie sich abstoßen und ihren Flug starten. Würden sie hingegen auf dem Boden nisten, könnten die Flugtiere kaum abheben, so Behnen. Weil aber bei modernen Häusern kaum mehr Spalten zwischen Mauerwerk und Dachstuhl entstünden, werde es für die Tiere zunehmend schwieriger, Nistplätze zu finden, erklärt der Experte. Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass das Haus Beckmann abgerissen würde, wollte der Nabu in Bakum den Flugtieren daher helfen. 2011 stellte er einen Antrag bei der Stiftung Umwelt und Natur des Landkreises Vechta. Mit Erfolg: Der Nabu bekam Geld, um spezielle Nisthöhlen im Bakumer Ortskern anbringen zu können und den Mauerseglern so ein neues Domizil anbieten zu können - wenn Haus Beckmann der Abrissbirne zum Opfer fallen würde. Heute weiß der Nabu: Das Projekt war ein großer Erfolg. Insgesamt wurden mehr als 20 Brutlöcher zur Verfügung gestellt. Aus den früher fünf bis sechs Paaren sind in diesem Jahr zwölf Paare der Mauersegler geworden. Bakum ist anscheinend ein beliebter Ort, um kleine Mauersegler aufzuziehen, könnte man scherzen. Wenn der Nachwuchs geschlüpft und gewachsen ist, machen sich die Bakumer Vögel übrigens auf eine lange Reise: Sie überwintern nämlich jenseits des Äquators, in der südlichen Hälfte Afrikas. Auch während der Sommermonate fürchten die Vögel eine weite Reise nicht, etwa, wenn sich dauerhaft schlechtes Wetter über Mitteleuropa festsetzt. Dann "flüchten" die kleinen Federtiere auch mal bis nach Frankreich, erläutert Behnen. Die Jungtiere könnten unterdessen in eine "Kältestarre" verfallen. So könne der Nachwuchs bis zu 14 Tage ohne Futter überleben. Mittlerweile sind Nisthilfen an ganz verschiedenen Gebäuden im Bakumer Ortskern angebracht worden. Auch Privatleute haben Brutplätze unter den Dachüberstand hängen lassen. Dabei hat in einem Fall sogar eine Schallattrappe geholfen, Mauersegler anzuziehen, wie Sabine Schlotmann, Schwalbenbeauftragte des Nabu-Kreisverbandes, berichtet. Gleichzeitig stellt sie klar: Die Mauersegler ähneln zwar den Schwalben, sind mit diesen aber nicht verwandt. Unterdessen appelieren die Nabu-Mitglieder an die Bakumer: Wer bei sich ein Brutpaar entdecke, möge sich bitte bei dem Verein melden.
Das Winterquartier liegt in Afrika
Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.