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Schließung der Münsterlandhalle stellt Tierzüchter vor große Probleme

Die Münsterlandhalle in Cloppenburg hat eine große Tradition unter den Tierzüchtern. Nach der Schließung müssen sie erst einmal mit Übergangslösungen leben. Bleiben die Verbände dem Standort treu?

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Optimal für Tierauktionen geeignet: Die Münsterlandhalle in Cloppenburg. Foto: Heimatbund OM/ Gabi Henneberg

Optimal für Tierauktionen geeignet: Die Münsterlandhalle in Cloppenburg. Foto: Heimatbund OM/ Gabi Henneberg

Von Online-Auktionen hält Schafzüchter Klaus Gerdes nicht viel. Denn bevor er ein Schaf kauft, müsse er ihm ins Maul schauen und in die Wolle greifen, sagt er. Nur dann wisse er, was er bekommt. Die Schaftage Nord-West in der Münsterlandhalle geben ihm und anderen Züchtern aus der Region jedes Jahr im August die Gelegenheit dazu. Gerdes ist Zuchtleiter des Landes-Schafzuchtverbandes Weser-Ems und Veranstalter der Schaftage. Traditionell finden sie in der Münsterlandhalle statt. Gerade erst habe Gerdes verstärkt auf den Veranstaltungsstandort in Cloppenburg gesetzt.

Die Halle sei überregional bekannt, groß und bezahlbar. Und sie hat eine lange Tradition unter den Züchtern. Schon sein Vater habe kurz nach dem Krieg seine Bullen dort angeboten, erklärt der Resthausener. Ein Foto im Elternhaus erinnert ihn daran. Er selbst habe in den 70er-Jahren als Kind Hühner und Kaninchen dort verkauft. Nun musste die "Schweinehalle", wie der Cloppenburger Volksmund sie auch nennt, wegen Mängeln an der Dachkonstruktion schließen. Für Gerdes ist das "eine Katastrophe". Aus dem Stehgreif sei eine vergleichbare Alternative nicht zu finden. 

Geflügelzuchtverein ist seit Jahrzehnten der Halle treu

Ähnliches berichtet Alexander Afelt, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Cloppenburg. Für seinen Verein sei "eine solche Lokalität in so einer Lage unmöglich zu ersetzen". Nun stehe sein Zuchtverein vor einem "gewaltigen Problem". Nach einigen schweren Jahren sei sein Verein gerade wieder im Aufwind, erklärt Afelt. Dass das so bleibt, hänge auch von der Münsterlandhalle als Veranstaltungsort ab. Seit Jahrzehnten finden die Märkte und Ausstellungen des Geflügelzuchtvereins dort statt. Vor der Corona-Pandemie kamen bis zu 1500 Besucher zu der Jahresausstellung, darunter seien endlich auch wieder mehr Jugendliche gewesen. "Die Münsterlandhalle ist für diese Veranstaltungen wie geschaffen", sagt Afelt. 

ArchivfotoScreenshot: HermesArchivfoto/Screenshot: Hermes

Nun ist sie geschlossen und die Züchter müssen sich zunächst einmal mit der viel kleineren Nebenhalle begnügen. Dort fand am vergangenen Mittwoch bereits eine Zuchtrinderauktion des Unternehmens "Masterrind" statt. Da mit 120 Rindern weniger Tiere als sonst angemeldet waren, sei die Auktion dort gut möglich gewesen, erklärt der Organisator Josef Brinkhus. Alle 6 Wochen veranstaltet er in der Markthalle die Masterrind-Auktion. "Für uns ist das ein optimaler Auktionsstandort", sagt Brinkhus. Er verweist einerseits mit Blick auf die vielen Kunden aus dem Südoldenburger Raum, sowie aus dem Emsland, der Wesermarsch und dem Osnabrücker Raum auf die zentrale Lage Cloppenburgs. Andererseits sei auch die Bauweise der Halle optimal für Tierauktionen geeignet.

Schafzüchter wünschen sich eine Perspektive

Dass die Halle und der Standort der Stadt erhalten bleiben, versicherte Bürgermeister Neidhard Varnhorn (CDU) in der vergangenen Woche. Fraglich ist allerdings, wie lange eine Sanierung oder ein möglicher Neubau dauern werden. Stadthallen-Geschäftsführer Alfons Lücking möchte die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben, dass die Halle eventuell im Sommer zumindest zeitweise wieder öffnen könnte. Zunächst müsse man ein weitergehendes Gutachten abwarten, sagt er auf Nachfrage. In 4 bis 8 Wochen wisse man mehr. Falls eine Öffnung wie zu erwarten nicht möglich ist, sei auch eine vorübergehende "Zeltlösung" denkbar.

Die vielen Pfeiler in der Markthalle eignen sich zum Anbinden der Tiere. Foto: HermesDie vielen Pfeiler in der Markthalle eignen sich zum Anbinden der Tiere. Foto: Hermes

An ein Zelt denkt auch Josef Brinkhus. Allerdings sei das immer eine Kostenfrage. Eventuell könne man in Eigenregie ein Zelt neben der kleineren Halle aufbauen, um so die monatlichen Rinderauktionen weiter bestmöglich durchführen zu können. „Wir kämpfen für diesen Standort“, sagt Brinkhus.

Bis auf Weiteres möchten auch Klaus Gerdes und der Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems der Münsterlandhalle treu bleiben. Cloppenburg habe als Standort immer punkten können. Gerdes wünscht sich aber auch, dass sich möglichst schnell eine Perspektive abzeichnet. Wenn sich über Jahre nichts tue, müsse man nach Alternativen suchen. Eine Möglichkeit ist dabei eine Veranstaltungshalle in Verden, die unter einigen Kollegen beliebt sei. "Wenn sich das erst einmal etabliert", sagt Gerdes. "Dann für immer."

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