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Robert-Koch-Institut nimmt Cloppenburger Proben an

Ist die mutierte Virus-Variante in Cloppenburg angekommen? Dafür ist eine Laboruntersuchung notwendig. Das RKI kümmert sich jetzt darum. Das Ergebnis wird aber dauern. Außerdem: Die aktuellen Zahlen.

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Symbolfoto: dpa

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Es ist weiterhin unklar, ob die mutierte Variante des Coronavirus für die Infektionen im Cloppenburger Krankenhaus verantwortlich ist. Wie bereits berichtet, gibt es im Cloppenburger Gesundheitsamt zumindest einen ersten Verdachtsmoment - schon allein wegen der Menge an Neuinfektionen binnen kürzester Zeit: 14 Patienten und 15 Mitarbeiter sind am 13. Januar positiv getestet worden. Um zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um die noch ansteckendere Virus-Variante handelt, ist eine sogenannte Sequenzierung erforderlich. Das Problem: Die Kapazitäten für eine solche Untersuchung ist in deutschen Laboren knapp.

Offenbar zu knapp: Denn erst jetzt - 5 Tage nach dem positiven Corona-Testergebnis - kümmert sich das Robert-Koch-Institut direkt darum, dass die in Cloppenburger genommen Proben analysiert werden. "Der Landkreis Cloppenburg hat nun vom Robert Koch-Institut die Zusicherung einer Laborkapazität erhalten", erklärt Kreissprecher Frank Beumker am Montag auf Anfrage von OM online. Die Proben sind bereits auf dem Weg nach Berlin. Das Ergebnis der Analyse wird wohl allerdings dauern. "Das RKI hat dem Gesundheitsamt mitgeteilt, dass wegen hoher Auslastung und der Aufwendigkeit der Untersuchungen mit einem Ergebnis in 14 Tagen zu rechnen ist", erklärt Beumker. Unabhängig davon sehe das Gesundheitsamt derzeit "keine Veranlassung", das bestehende Hygienekonzept des Cloppenburger Krankenhaus zu ändern beziehungsweise anzupassen. 

Laborengpässe sollen laut Spahn behoben werden

Angesichts von Laborengpässen für Untersuchungen wie dieser hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag angekündigt, die Corona-Tests  stärker und besser auf etwaige Mutationen auszurichten. Labore und Einrichtungen, die die sogenannten Sequenzierungen vornehmen, werden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums dazu verpflichtet, die erhobenen Daten an das Robert Koch-Institut zu übermitteln, und bekommen dafür eine Vergütung. Eine entsprechende Verordnung soll an diesem Dienstag in Kraft treten.

Der Verordnung zufolge sollen Labore, die Corona-Tests auswerten, aber selbst keine Gen-Analyse durchführen, einen Teil ihrer positiven Corona-Proben an entsprechende Speziallabore schicken können und bekommen dafür die Versandkosten erstattet. Labore, die selbst sequenzieren, bekommen 220 Euro pro Datenübermittlung an das Robert Koch-Institut. Ziel ist laut Spahn, dass mindestens fünf Prozent aller Positivtests in Deutschland auf den genauen Virustyp untersucht werden.

Derweil meldet das Cloppenburger Gesundheitsamt auch am Montag vergleichsweise wenig Neuinfektionen. Demnach liegen nur 10 positive Testergebnisse vor. Demgegenüber stehen 27 Personen, die seit Montag als genesen gelten. Dadurch sinkt die Zahl der aktiven und nachgewiesenen Infektionen im Kreisgebiet auf nunmehr 555 (zwei zuvor gemeldete Fälle sind korrigiert worden).

Auf einem beunruhigend hohem Niveau bewegen sich allerdings die Zahlen aus den Krankenhäusern. Die drei Hospitäler haben dem Gesundheitsamt gemeldet, dass derzeit 26 infizierte Patienten stationär behandelt werden müssen, 5 von ihnen intensivmedizinisch. Laut Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (kurz: DIVI) sind im Landkreis Cloppenburg derzeit noch 3 von 28 Intensivbetten frei (Stand 18. Januar, 12.15 Uhr). Von den 5 intensivmedizinsch betreuten Covid-Patienten müssen derzeit 3 beatmet werden.

Wie bereits berichtet hat das Landesgesundheitsamt für den Landkreis Cloppenburg am Montagvormittag eine 7-Tagesinzidenz von 138,9 gemeldet - und damit setzt sich der deutlich sinkende Trend fort. Derzeit stehen 1131 Einwohner des Landkreises unter amtlich angeordneter Quarantäne.


Ein Kommentar zu dem Thema von Matthias Bänsch (Redakteur)

Deutschland wird kalt erwischt - von einem mutierten Coronavirus, das Großbritannien und Irland lahm gelegt hat. Von einer Variante, die als deutlich ansteckender gilt und dadurch noch gefährlicher ist. Überraschend kommt das aber nicht. Schon zu Beginn der Pandemie warnten Virologen davor, dass sich ein Virus ständig durch Mutationen anpasst. Umso überraschter darf man aber sein, dass man in Deutschland jetzt so träge darauf reagiert. Das Cloppenburger Beispiel zeigt's deutlich: Nehmen wir an, dass es tatsächlich die gefürchtete Virus-Variante ist - der Beweis dafür würde nach derzeitigem Stand erst 19 Tage (!) nach dem Coronatest vorliegen. Bei einer solch lahmen Reaktionszeit wäre es nicht verwunderlich, wenn die Virus-Variante, die bundesweit bis dato nur in Einzelfällen nachgewiesen wurde, im Verborgenen schon längst weiter verbreitet ist, als man ahnt.

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