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Riskiere eine Rippe

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Eine Rippe geben? Was könnte das bedeuten? Und wie kommen Menschen auf ein solches Sinn-Bild? Nun, dafür gibt es Erklärungen.

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Neues Jahr – neue Vorsätze? Gesünder essen? Mehr Sport? Ein gutes Buch lesen? Ich habe noch einen Vorschlag: eine Rippe riskieren!

Die bekannteste Rippe dürfte wohl immer noch die von Adam sein. Aus der, wie die Bibel erzählt, Gott dann Eva „baut“. Und so das Paradies erst wirklich zum Paradies wird. Leider wurde diese märchenhafte Geschichte oft für frauenfeindliche Auslegungen missbraucht. Dabei es geht hier gar nicht um eine angebliche Nachrangigkeit oder Unterordnung der Frau. Adam heißt Erdling, er steht für jedes Erdenkind, und wir alle haben Sehnsucht nach einem Gegenüber, das uns noch anders entspricht als die Tiere. Und dafür, meint die Bibel, muss man eine Rippe geben.

Eine Rippe geben? Was könnte das bedeuten? Und wie kommen Menschen auf ein solches Sinn-Bild? Nun, offensichtlich bilden die Rippen einen Knochenpanzer, der unsere inneren Organe abschirmt. Doch vor dem Schlag in die Magengrube sind wir nicht geschützt. Da noch eine große Rippe, und wir wären fast unverwundbar! Harte Kerle! Das ist ein alter Menschheits- oder vielleicht auch nur Männertraum. Seit Urzeiten wurde erzählt von unverwundbaren und darum unbesiegbaren Helden wie Siegfried. Der tötet den Drachen, badet im Blut des Ungeheuers und bekommt so eine undurchdringliche Hornhaut. Doch beim Blut-Bad fällt ein Lindenblatt auf seine Schulter, eine kleine Schwachstelle haben selbst Drachentöter. Und Siegfrieds Frau verrät den falschen Freunden diese Schwachstelle, nicht aus Bosheit, sondern aus schlichter Dummheit. So können die den Helden hinterrücks ermorden.

"Wenn du mehr leben willst, riskiere ab und an eine Rippe."Dr. Heinrich Dickerhoff

Viele Heldensagen von Samson bis Herkules, von Troja bis Camelot wiederholen diese Männerangst: „Die Liebe macht uns schwach und verletzlich! Und die Frauen sind unser Unglück, ob sie es wollen oder nicht. Also sei ein Mann! Behalte dein Herz. Mach dich zu!“ Wo immer es vor allem um Stärke geht, um körperliche oder auch moralische, finden wir eine solche Sicht des Lebens. Ihr widerspricht die Paradiesgeschichte. „Es ist nicht gut für den Menschen, allein zu sein!“ Wir brauchen zum Glück Menschen, denen wir vertrauen. Die uns am Herzen liegen. Das macht uns allerdings auch verletzbarer. Denn jede echte Zuneigung kostet eine Rippe. Jedes Vertrauen riskiert Enttäuschung. Jede Liebe macht verletzbar. Nicht nur, weil mich niemand so verletzen kann wie die, denen mein Herz gehört. Sondern auch, weil jedes Unglück, das meinen Lieben zustößt, auch mich trifft. Aber ohne dieses Risiko, erinnert die Bibel und glaube auch ich, sind wir nicht wirklich lebendig.

Das Neue Testament wagt sich vor zu dem Geheimnis, dass auch Gott, dem wir nie näher sind als da, wo wir lieben, uns seine Verletzbarkeit gezeigt hat, von Jesu Krippe bis zu Jesu Kreuz. Das bleibt ein Geheimnis, tröstlich und traurig, aber für unser kleines alltägliches Leben gilt auf jeden Fall: Wenn du mehr leben willst, riskiere ab und an eine Rippe.


Zur Person:

  • Heinrich Dickerhoff ist Akademiedirektor in Rente, Hausmann und arbeitet als freiberuflicher Dozent.
  • Er wohnt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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