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O Tannenbaum

Meine Woche: Heute, Kinder, wird's was geben. Unterm Tannenbaum natürlich. Der sah in meiner Kinderzeit etwas anders aus als heute. Ein Vergleich.

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Früher, da war mehr Lametta. Viel mehr sogar. Es kam nach dem Einsatz am Tannenbaum nicht in den Müll, sondern – sauber aufgereiht und glatt gelegt – in die Truhe mit dem übrigen Weihnachtsschmuck. Alle Jahre wieder rein. Alle Jahre wieder raus.

Anfang des 17. Jahrhunderts soll Lametta in Nürnberg erfunden worden sein. Es soll an Eiszapfen erinnern, die die Bäume im Winter glitzern lassen. Seinen miesen Ruf hat der Schmuck ob des Bleianteils, der früher üblich war, um das Gewicht zu erhöhen und damit die Falleigenschaften zu optimieren. Klingt nicht gesund. War es wohl auch nicht. Aber schön fand ich Lametta als Kind. Schön edel. Zu edel für mich heute und längst nicht so dekorativ wie Zuckerstangen und Christbaumkugeln in Fußballoptik.

Früher, da hatte der Baum echte Kerzen. Viel Feierlichkeit; große Aufregung beim Entzünden, dazu der besondere Duft, der sich mit dem von Wunderkerzen im Moment der Bescherung paarte: eingebrannte Kindheitserinnerungen, ganz wörtlich genommen. Wobei ich froh war, als meine Eltern endlich auf elektrische Kerzen umstiegen. Die waren so herrlich modern und brannten viel länger. Und weil noch länger noch besser ist, sind bei uns bunte Mini-LED im Einsatz. 

Früher, da war Gold die erste Wahl. Goldene Kugeln, goldene Engel, goldene Häkelware ... dazu Strohsterne, selbst gemacht. Buntes Schmuckwerk? Nein, Danke. Als Kind hätte ich vor Empörung geschrien. Schon die Silber-Variante meiner Verwandtschaft fand ich grenzwertig. Über viel Rot bin ich zu gnadenlos bunt gewechselt. Gold ist mittlerweile gar nichts mehr. Die Christbaumkugeln haben Gesichter, manche dazu auch Ohren. Viel ist gebastelt und/oder geschenkt. Die Männchen aus Haselnüssen im Filzmantel habe ich selbst erschaffen – vor über 40 Jahren. Nicht schön, aber definitiv selten. 

Die Krippe aus den 70er Jahren kam aus dem Devotionalienladen

Die Krippe von früher, die haben meine Eltern in den 1970ern in einem Devotionalienladen in Quakenbrück erstanden. Solche Geschäfte gab es damals in jeder Kleinstadt. Maria, Josef, das Jesuskind und zwei Schafe gab es da anscheinend im Kombipaket. Sie fanden ihr Zuhause in der Weihnachtszeit unter unserem Baum – zunächst auf Parkett, dann auf wechselnden Teppichböden. Immer schlicht – ohne Moos und ohne Tamtam, mit einer Kerze davor und einem Engel darüber. Bis heute ein Vorbild, wobei die Figuren, die ich mir vor 14 Jahren zulegte, noch schlichter sind. 

Und der Baum? Der war in meinen Kindertagen so groß, wie er sein konnte, um mit goldener Spitze in ein durchschnittliches Wohnzimmer zu passen. Die aktuelle Ausgabe ist dagegen klein, kompakt und steht auf einem Tischkicker. Das hat nur Vorteile; besonders, wenn der Baum zu nadeln beginnt.

O Tannenbaum, o Tannebaum, was soll uns all das lehren? Dass ich heute schon gespannt bin, wie der Tannenbaum aussieht, den sich meine Kinder irgendwann in ihr Zuhause stellen.

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