Nordkreis ist südoldenburger Spitzenreiter bei den Erneuerbaren Energien
Alle vier Gemeinden liegen deutlich über dem Durchschnitt bei der Energieproduktion. Drei davon könnten sich selbst sogar mehrfach versorgen.
Heiner Stix | 06.11.2023
Alle vier Gemeinden liegen deutlich über dem Durchschnitt bei der Energieproduktion. Drei davon könnten sich selbst sogar mehrfach versorgen.
Heiner Stix | 06.11.2023

Wind und mehr: Die im Nordkreis installierte Leistung der erneuerbaren Energieträger reicht aus, um den Energiebedarf der vier Kommunen mehr als doppelt zu decken. Foto: Pille
Die vier Kommunen im Norden des Landkreises Cloppenburg sind in Südoldenburg beim Ausbau der Erneuerbaren Energien weit vorne. Rechnet man die Erträge aus Windenergie, Biomasse und Solaranlagen zusammen, können Barßel, Bösel, Friesoythe und das Saterland den im Nordkreis anfallenden Energiebedarf rein rechnerisch mehr als zweimal selbst und aus erneuerbaren Energien decken. Die Stadt Friesoythe etwa konnte schon 2015 fast 200 Prozent ihres Strombedarfs aus regenerativen Quellen decken. Ein wesentlicher Grund dafür sind 2387 im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur gelistete Solaranlagen (Stand 6. November) im Stadtgebiet – keine Kommune in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta hat mehr. Auf Platz zwei folgt Damme mit 1838 Solaranlagen, Vechta liegt mit 1780 auf Platz drei. Auch bei der Windkraft (72 Anlagen) und den Biogasanlagen liegt die Stadt vorne. Im Saterland sind 1279 Solaranlagen aktiv. Hinzu kommen 36 Windkraftanlagen und acht Biogasanlagen. "Bereits die heute installierte Leistung in der Gemeinde könnte rechnerisch mehr als die hier ansässige Bevölkerung versorgen", erläutert Bürgermeister Thomas Otto. Exakt dreimal so viele, sagt die Datenbank von Energymap.info. Sie wies bereits für 2015 eine Stromproduktion aus, die 299 Prozent des Saterländer Eigenbedarfs abdeckt. Die Produktion an Erneuerbarer Energie ist seitdem gewachsen und wächst weiter. 2023 etwa sei, so der Bürgermeister, eine Änderung des Flächennutzungsplans auf den Weg gebracht worden, die einen weiteren Zubau an Windenergieanlagen ermöglichen soll. "Die prozentuale Ausweisung der Flächen", sagt Otto, "geht dabei über 6 Prozent der Gemeindefläche hinaus". Etwa 75 Prozent ihres Strombedarfs kann die Gemeinde Barßel mit den installierten Anlagen decken. Bei einem Verbrauch von gut 147.100 Megawattstunden (MW/h) produzierten die sieben Biogasanlagen, 862 Photovoltaikanlagen und 15 Windenergieanlagen im Jahr 2022 knapp 110.000 MW/h Strom. Das Ende der Fahnenstange ist damit allerdings noch nicht erreicht. Zum einen hat die Zahl der installierten und in Betrieb befindlichen Photovoltaikanlagen laut Bundesnetzagentur inzwischen die 1000er-Marke überschritten. Zum anderen, so Bürgermeister Nils Anhuth, sind auf dem Gemeindegebiet noch acht bis zwölf weitere Windkraftanlagen möglich, sofern der Landkreis die Flächen entsprechend ausweist. In Bösel schließlich sind derzeit 880 Solaranlagen, 24 Windkraftanlagen und 17 Biogasanlagen in Betrieb. Allein die 189.400 Module der Solaranlagen produzieren rund 30.500 MW/H. Rund 9800 MW/h kommen aus Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken, die Windanlagen steuern weitere 100.000 MW/h bei. Auch Bösel produziert damit rund dreimal so viel Strom, wie in der Gemeinde selbst verbraucht wird. Die Gründe für den überproportional starken Ausbau der Erneuerbaren Energien im Nordkreis lassen sich nur vermuten. "Eine Rolle spielt sicher, dass hier sehr viel Fläche zur Verfügung steht", sagt Bernhard Krone vom städtischen Bauamt in Friesoythe. Dadurch sei viel Platz für Windenergieanlagen, gleichzeitig würde die starke landwirtschaftliche Prägung den Bau von Biogasanlagen fördern. "Durch die Flurbereinigung sind viele große Flächen entstanden", so Krone. "Das ermöglicht den Einsatz von großen Maschinen und damit den wirtschaftlichen Anbau von Mais." Und der wiederum sei der Rohstoff für den Betrieb von Biogasanlagen. Gleichzeitig wurden, so eine weitere Vermutung, die großen Dachflächen vieler landwirtschaftlicher Gebäude frühzeitig für Solaranlagen genutzt. Das wiederum könnte eine Sogwirkung für den Bau von Solaranlagen auch in Wohngebieten erzeugt haben. Studien legen zudem nahe, dass gerade Landwirte als Unternehmer frühzeitig die Potenziale der Erneuerbaren Energien und der finanziellen Förderungen erfasst haben.Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht
Verfügbare Fläche fördert Ausbau der Erneuerbaren Energien
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