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Natalie Koene ist mit 23 Jahren die Chefin

Die Lüscherin leitet das neu gegründete kleine Kaufhaus in Lohne. In den kommenden Monaten möchte sie mehr Jugendliche für die Idee von Second-Hand-Kleidung begeistern.

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Sie hat die Schlüssel im neuen kleinen Kaufhaus in Lohne in der Hand: Natalie Koene, die Geschäftsführerin. Foto: Scholz

Sie hat die Schlüssel im neuen kleinen Kaufhaus in Lohne in der Hand: Natalie Koene, die Geschäftsführerin. Foto: Scholz

Erst wenige Tage ist es her, dass die Türen des kleinen Kaufhauses des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Lohne zum ersten Mal für die Besucher geöffnet waren. Offen war nur kurz. Nun ist Lockdown angesagt. Doch das ist kein Grund für die neue Geschäftsführerin Natalie Koene sich entmutigen zu lassen. Die 23-Jährige möchte vor allem ein neues Zielpublikum mit dem Second-Hand-Laden ansprechen: Jugendliche.

Es ist schon ein wenig ungewöhnlich, dass eine 23-Jährige die volle Verantwortung für ein Kaufhaus trägt, muss auch Koene zugeben. Doch: "Ich war nach meinem Masterstudium auf der Suche nach einer passenden Arbeitsstelle und bin dann so auf das Lohner Kaufhaus gestoßen", berichtet Koene. 

Nach ihrem Abitur hat die Lüscherin zunächst ein Bachelorstudium in Mode- und Designmanagement durchlaufen. Danach zog es sie für das Masterstudium nach Florenz, wo sie sich spezialisiert hat auf das Thema: Modeeinkauf. "Mode war mir eigentlich schon immer total wichtig. Mit 13 habe ich angefangen Nähkurse zu besuchen", sagt Koene. Zunächst sei ihr Plan gewesen, auch als Designerin nach der erfolgreichen Abschlussprüfung zu arbeiten, doch ein Praktikum überzeugte sie dann doch eher im Bereich Einkauf zu arbeiten. Denn im Einkauf tritt Mathematik auf Kreativität. Das ist ein toller Mix, findet die 23-Jährige.

Sortieren von Kleidung und die damit verbundene Deko des Ladens gehört neben den Verwaltungsaufgaben zum Tagesablauf von Natalie Koene. Foto: ScholzSortieren von Kleidung und die damit verbundene Deko des Ladens gehört neben den Verwaltungsaufgaben zum Tagesablauf von Natalie Koene. Foto: Scholz

Die Jobsuche im Corona-Jahr gestaltete sich schwierig. Ihre Mutter, die zum Vorstandsteam des SkF gehört, hätte ihr von der freien Stelle in Lohne berichtet. Zunächst hatte Koene etwas gezweifelt, da die Arbeit dort schon etwas anderes ist, als sie sich eigentlich für ihre berufliche Zukunft vorgestellt hatte. Aber dann sah sie sich das Steinfelder Kaufhaus des SkF an – und war überzeugt. Natalie Koene bewarb sich und überzeugte selbst. 

Koene möchte Workshops für Jugendliche anbieten

Was ist jetzt ihre Aufgabe? Zunächst einmal leite sie ein Team von rund 50 Ehrenamtlichen, die im Laden mitarbeiten, berichtet Koene. Dienstpläne erstellen, die Abrechnung machen – Klassiker für eine Geschäftsführerin. Daneben hilft die junge Frau bei der Dekoration des Ladens oder auch bei der Sortierung von gespendeten Kleidungsstücken mit.

Dabei möchte Koene es aber nicht belassen. "Wir verkaufen hier  Second-Hand-Gegenstände", sagt die 23-Jährige. Mit Blick auf die Konsumgesellschaft und ihre vielen negativen Folgen sei ein solcher Laden genau die richtige Antwort. In den größeren Städten seien Second-Hand-Läden längst der Renner. Die Kundinnen und Kunden seien auch Menschen, die bewusster kaufen und konsumieren möchten.  Dafür möchte die 23-Jährige auch in Lohne werben. 

Um hier besonders bei den Jugendlichen mehr Anreize zu schaffen, plant die neue Geschäftsführerin, wenn die Corona-Pandemie dies wieder zulässt, Workshops anzubieten. "Wir geben der Kleidung in unseren Läden ein zweites Leben und das kann jeder zu Hause auch machen, indem er Kleidungsstücke upcycelt", erklärt Koene. Upcyceln? Das meint, dass alte Kleidungsstücke durch neue Elemente hip werden. Manche Jugendliche würden sich laut Koene nämlich schwertun gebrauchte Kleidung zu tragen. Mit den Workshops könne sie solche Hemmungen abbauen.

SkF Kaufhäuser sollen auf Social Media besser vertreten sein

Neben diesem Angebot möchte Koene auch das Thema Social Media mehr in den Fokus nehmen. Auf dieser Ebene hätten die kleinen Kaufhäuser noch gute Chancen sich mehr in der gesamten Gesellschaft zu etablieren. In einem Zweitjob würde sie bereits für eine andere Einrichtung in diesem Themenfeld arbeiten. 

Für ihre Zukunft würde sie sich wünschen irgendwann einmal bei einer größeren Modefirma im Einkauf zu arbeiten, sagt Natalie Koene. Zudem reise sie gern. "Ich habe einen niederländischen Pass, lebe aber in Deutschland und spreche daneben noch etwas Italienisch und Französisch", sagt Koene. Doch erst einmal stehe ihre Rolle in Lohne im Vordergrund.

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