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Nach Corona-Ausbruch in Bösel: "Schuldzuweisungen sind fehl am Platz"

Die Auswirkungen der politischen Sitzung haben heftige Diskussionen ausgelöst. Kollegen und Grundschüler werden getestet, die geschlossene Arztpraxis öffnet am Donnerstag wieder.

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Mit Sitzungsunterlagen in die Sporthalle: Danach wurden fünf Anwesende positiv getestet. Foto: Claudia Wimberg

Mit Sitzungsunterlagen in die Sporthalle: Danach wurden fünf Anwesende positiv getestet. Foto: Claudia Wimberg

In den sozialen Netzwerken ist eine heftige Diskussionen entbrannt, auch ein Fernsehsender hat sein Kommen angekündigt: Die Auswirkungen der interfraktionellen Sitzung des Böseler Gemeinderates schlagen hohe Wellen. Wie berichtet, waren im Anschluss an die Versammlung am 22. Februar fünf Teilnehmer positiv getestet worden, für alle 22 Anwesenden, darunter Bürgermeister Hermann Block, sein allgemeiner Vertreter Rainer Hollje, Bauamtsleiter Christoph Burtz und ein weiterer Mitarbeiter aus dem Bauamt wurde daraufhin Quarantäne angeordnet. Gleiches gilt für zwei Planer, die zusätzlich eingeladen waren.

Neben der Vorstellung der geplanten „Kita für alle“ des Caritas Vereins war Hauptthema das „Dichtekonzept“, um sogenannte Großbauten in der Gemeinde, die im vergangenen Jahr für massiven Ärger sorgten, nun angemessener strukturieren zu können. Da eine Bürgerbeteiligung noch in dieser Ratsperiode vollzogen werden soll, „sollte es die letzte Abstimmung sein“, so Block. Das Thema sei so komplex und mit zahlreichen Details verbunden, dass der digitale Weg den Verantwortlichen schwierig erschien „und wir uns deshalb auf eine Präsenzveranstaltung in der BiB-Arena geeinigt haben.“

Die Hygienevorschriften seien allesamt eingehalten worden, wiederholte Block. Gelüftet worden sei über die Anlage als auch über geöffnete Türen, die Einzeltische hätten weit auseinander gestanden und die Masken seien erst beim Hinsetzen abgenommen worden.

Thematisiertes "Essen" waren einfolierte Häppchen

Das vom Bündnis-Ratsherrn Holger Meister öffentlich thematisierte „Essen“ erwecke schlicht einen falschen Eindruck, sagte der Verwaltungschef. So habe es kein Büfett oder eine Bewirtung gegeben, sondern einfolierte Häppchen, die jedem der Teilnehmer vor der Sitzung auf seinen Tisch gestellt wurden. Meister, auch Hausarzt in Bösel, hatte darüber hinaus erklärt, dass das Virus nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über in der Luft schwebende Aerosole übertragen werden könnte. Der positiv getestete Mediziner zeigte sich überzeugt, in der Sitzung angesteckt worden zu sein.

Für Bürgermeister Hermann Block stellt sich angesichts dieser Äußerungen die Frage, „warum er die Umstände dann nicht schon im Vorfeld kritisiert und infrage gestellt hat und überhaupt gekommen ist, wenn das aus seiner Sicht nicht vertretbar war.“ Dennoch wolle er durchaus Selbstkritik üben. „Natürlich muss man im Nachhinein und mit diesem Ergebnis hinterfragen, ob es hätte anders laufen können“, so Block auch im Einklang mit CDU-Fraktionschef Ludger Beeken. „Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Jetzt geht es darum, dass alle Erkrankten wieder gesund werden“, so Beeken. In jeder Kommune hätte diese Situation eintreten können, „es hat uns getroffen, wer wen angesteckt hat, weiß man nicht und später ist man immer schlauer.“

Bündnis-Fraktionsvorsitzender Bernd Roder hat sich nach der Infektion der Ratskollegen die Frage gestellt, ob man auf die Sitzung nicht hätte verzichten können. „Den interfraktionellen Austausch hätte man sicher auch per Mail oder digital machen können“, sagt er.

Infizierte Teilnehmer saßen alle in einem Bereich

Andererseits seien bei der Sitzung auch Fachleute dabei gewesen, „mit denen man diskutieren wollte.“ In der Sitzung sei es um zukunftsweisende Themen gegangen, da muss man sich auch im Vorfeld einer Ratssitzung austauschen, in welche Richtung es gehen soll.“ Wie es zu den Ansteckungen kam, könne er nicht nachvollziehen. Auffallend sei aber, dass alle nun infizierten Ratsmitglieder in einem bestimmten Bereich gesessen hätten.

Vorwürfe zu machen, sei auch nicht sein Ansatz, teilt er die Meinung des CDU-Kollegen. Nun müsse man vielmehr nach vorne schauen und Lehren aus den Infektionen ziehen. „Eine davon könnte sein, vor Sitzungen Schnelltests zu machen“, sagt er. „Das kostet uns dann zwar eine halbe Stunde“, sagt Roder, „aber die haben wir im Vorfeld einer Sitzung immer.“

Was die Ursache für die Häufung der Fälle in der Gemeinde Bösel ist,  konnte bislang auch von offizieller Seite noch nicht ermittelt werden, die Ergebnisse der Abstriche werden im Laufe der Woche eingehen, teilte der Landkreis Cloppenburg mit. Aufgrund von Berichten, das Gesundheitsamt wäre am Freitag für betroffene Personen aus Bösel nicht erreichbar gewesen, informiert die Behörde, dass das Bürgertelefon von montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr, sowie samstags, sonntags und feiertags von 9 bis 12 Uhr erreichbar ist „und es auch am vergangenen Freitag war.“ Darüber hinaus sei auch das Gesundheitsamt am Freitagabend und am Wochenende über die Zeiten des Bürgertelefons hinaus tätig und erreichbar gewesen.

Fakten:

  • Laut Niedersächsischer Corona-Verordnung dürfen durch Rechtsvorschriften vorgeschriebene Sitzungen in geschlossenen Räumen unter Einhaltung der Hygieneverordnung abgehalten werden. In welcher Form öffentliche Sitzungen stattfinden, entscheidet die Kommune in Eigenverantwortung, teilt der Landkreis mit. Sitzungen in Video- bzw. hybrider Form sind zulässig. Die gefassten Beschlüsse sind rechtlich nicht zu beanstanden und können umgesetzt werden. Bei Sitzungen in hybrider Form wird der Öffentlichkeit die Teilnahme in Präsenz ermöglicht, während sich die Sitzungsteilnehmer überwiegend digital zuschalten.
  • Nach drei Coronafällen im Kollegium der St.-Martin-Schule in Bösel ist der Präsenzunterricht aus eigenem Antrieb herausausgesetzt worden. Alle Lehrer lassen sich testen. Heute werden Schüler/innen aus sechs Klassen, beziehungsweisen den jeweiligen Klassenteilen, die zur betreffenden Zeit im Präsenzunterricht waren, abgestrichen. Die sechs Klassen und Klassenteile stehen zudem unter häuslicher Quarantäne, teilt der Landkreis Cloppenburg mit.
  • Die momentan in Bösel aufgrund eines Coronafalls geschlossene Arztpraxis kann am Donnerstag mit Unterstützung von weiteren Personen wieder öffnen, informiert der Landkreis. Der nach der Teilnahme an eine Ratssitzung positiv getestete Hausarzt bleibt allerdings in Quarantäne und Teile des Personals werden bis dahin dreimal getestet worden sein. Für eine Mitarbeiterin wurde eine Arbeitsquarantäne eingerichtet, sie darf also weder Kontakt zu Mitarbeitern noch zu Patienten haben. Durch erweiterte Hygienemaßnahmen kann gewährleistet werden, dass die ärztliche Versorgung in der Gemeinde nicht langfristig eingeschränkt bleibt

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