Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Museumsdisko erinnert Minister an "scharfe Mischung" im Glas

Die Zerlegung und der komplette Wiederaufbau der Disko "Zum Sonnenstein" im Cloppenburger Museumsdorf weckt persönliche Erinnerungen - auch bei Björn Thümler, dem Wissenschaftsminister.

Artikel teilen:
Konfetti-Knall zur Eröffnung: Björn Thümler (rechts) zählte an, krachen ließen es Dr. Julia Schulte to Bühne (links) und die ehemaligen Disko-Wirte Klaus und Gunda Sengstake. Foto: Kreke

Konfetti-Knall zur Eröffnung: Björn Thümler (rechts) zählte an, krachen ließen es Dr. Julia Schulte to Bühne (links) und die ehemaligen Disko-Wirte Klaus und Gunda Sengstake. Foto: Kreke

Mit einer spritzigen Unterhaltungsshow im Stil der farbenfrohen 70er Jahre hat das niedersächsische Freilichtmuseum in Cloppenburg seine jüngste Neuerwerbung gefeiert: Die Disko "Zum Sonnenstein" ist 47 Kilometer entfernt von ihrem alten Standort Harpstedt originalgetreu wiederaufgebaut worden. Zur 3-mal verschobenen Eröffnung sprudelten am Freitagnachmittag die Erinnerungen über.

Selbst der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) ließ vor rund 150 Gästen in die gefüllten Gläser seiner Disko-Jugend blicken: "Cola kam auch ins Getränk, aber eher weniger", erzählte er offenherzig im Interview mit Moderator Dirk Böhling: "Auf jeden Fall hat das geduhnt." Ob er eher Popper oder Punker war, ließ der politische Förderer der Neuerwerbung allerdings offen.

Wenn die Tanzfläche zu lange voll war, rief Inhaber und Disko-Gründer Klaus Sengstake häufiger per Haustelefon beim DJ an: "Fahr' mal die Musik runter!" Uwe Geppert alias DJ "Potter" erinnerte sich auf offener Bühne noch gut an seinen ersten Einspruch: "Aber die Leute feiern doch gerade!" Antwort vom Chef: "Aber keiner steht am Tresen."

Freut sich auf Beginn einer Zeitreise: Julia Schulte to Bühne sieht die Disko als ersten Baustein einer Siedlung aus den 60er und 70er Jahren. Foto: KrekeFreut sich auf Beginn einer "Zeitreise": Julia Schulte to Bühne sieht die Disko als ersten Baustein einer Siedlung aus den 60er und 70er Jahren. Foto: Kreke

Heute ist Klaus Sengstake "heilfroh, dass unser 'Stein' hier steht". Denn als sein letzter Nachfolger untertauchte, drohte dem 1959 gebauten Tanz- und Ausflugslokal der Abriss. Bis das Museumsdorf die einmalige Chance ergriff, "die Zäsuren in der Freizeitkultur nach dem Krieg abzubilden", wie die Direktorin Dr. Julia Schulte to Bühne erklärte. Cloppenburg ist seit der Schenkung des Gebäudes europaweit der erste museale Disko-Standort. Die Macher verfolgen damit das Ziel, "Menschen zu bewegen und an ihre Emotionen heranzukommen", so Schulte to Bühne.

Bewegt hat dieser Moment ganz sicher Gunda Sengstake, die als junges Mädchen aus Bremen ihrem Klaus in die neue Disko folgte. Mit ihren knappen und fantasievollen Outfits avancierte die gelernte Friseurin rasch zur "Dancing Queen" des "Sonnensteins".

"Dancing Queen" stieß anfangs auf Ablehnung

"Ich hab' mich immer gern schön gekleidet", erzählt sie: "Aber dafür musste man ein bisschen Mumm haben." Denn in der Gemeinde galt die Zugezogene rasch als "Paradiesvogel".  "Ich war anfangs sehr schüchtern und kam mir vor wie eine Aussätzige", berichtete die lebensfrohe und offene Ex-Wirtin stockend. Gerührt dankte sie unter großem Applaus im Festzelt ihrem Mann: "Er hat mir damals Halt gegeben." 

Klaus Sengstake freut sich vor allem, dass seine ehemaligen Stammgäste "jetzt ihren Enkeln zeigen können, wo sie sich kennengelernt haben". Wieviel Ehen auf der unterleuchteten Tanzfläche oder in der zurückgezogenen Bar gestiftet worden sind, mag der Ex-Wirt gar nicht schätzen: "Ich glaube, die würden hier gar nicht alle reinpassen."

Entspannt vor dem alten Lokal: das Wirtepaar Klaus und Gunda Sengstake aus Harpstedt mit der Direktorin des Museumsdorfs, Dr. Julia Schulte to Bühne (links). Foto: KrekeEntspannt vor dem alten Lokal: das Wirtepaar Klaus und Gunda Sengstake aus Harpstedt mit der Direktorin des Museumsdorfs, Dr. Julia Schulte to Bühne (links). Foto: Kreke

Damit das Gefühl von damals stimmt, obwohl in der Disko kein echter Wirtschaftsbetrieb mehr stattfinden wird, hat das Museum eigens eine Klanggestalterin ins Boot geholt: Stefanie Hoppe-Fuchs hat mit ihrem Team das Klang- und Stimmengewirr nachgestaltet. Sogar die Tanzfläche bebt leicht – als ob die "Dancing Queen" zurückgekehrt wäre. 

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Museumsdisko erinnert Minister an "scharfe Mischung" im Glas - OM online