Mein Garten und ich…
Gästebuch: Ist das Grüne vor unserem Haus eigentlich noch Garten oder schon ein Biotop?
Heiner Stix | 06.05.2026
Gästebuch: Ist das Grüne vor unserem Haus eigentlich noch Garten oder schon ein Biotop?
Heiner Stix | 06.05.2026

Heiner Stix
Unser Garten ist ein – ja, ein was eigentlich? Ein Biotop? Einen Moment bitte, wir schauen nach. Laut Brockhaus (Große Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Dritter Band BED-BRN, Mannheim 1987, Seite 352 – unfassbar, was so alles im Bücherregal steht) ist ein Biotop der Lebensraum einer Biozönose und „umfasst die Gesamtheit der unbelebten (abiotischen) Faktoren eines Ökosystems (Beispiele: Bach, See, Moor, Wald, Wiese)“. Aha. Gegencheck bei Wikipedia: Dort ist das (oder auch der) Biotop „ein bestimmter Lebensraum einer Lebensgemeinschaft in einem Gebiet“. Also: Unser Garten ist ein Biotop. Schon weil wir – eine Lebensgemeinschaft – hier wohnen, der Garten also irgendwie unser Raum ist. Vor allem aber, weil er der Lebensraum der Gesamtheit aller denkbaren Pflanzen ist. Mal bewusst angelegt, wie in den von meiner Frau gepflegten Beeten, mal eher ungeplant entstanden, wie in der eigentlich mir zugewiesenen Rasenfläche. „Wir haben halt eine Wiese. Und wenn sie kurz geschnitten ist und man von schräg draufschaut, fällt es auch kaum auf.“ Was begrifflich schon mal in die Irre führt. Dort, wo eigentlich Gras stehen sollte, erkennt die Pflanzen-App Glechoma hederacea, vulgo „Gundermann“, Geranium pusillum (Kleiner Storchschnabel), Bellis perennis (Gänseblümchen), Holcus lanatus (Wolliges Honiggras), das „gewöhnliche Ferkelkraut – Hypochaens radicata“ sowie eine nicht unbedeutende Menge an Taraxacum – in Leer früher bekannt als Krimibuchhandlung, auf der Wiese unbeliebt als Löwenzahn. Und natürlich Rhytidiadelphus squarrosus, das sparrige Kranzmoos. Man gönnt sich ja sonst nichts. Nur Rasen, den hat’s hier nicht. „Wir haben halt eine Wiese“, sagt meine Frau, um mich ob meines gärtnerischen Versagens zu trösten. „Und wenn sie kurz geschnitten ist und man von schräg draufschaut, fällt es auch kaum auf.“ Deshalb ist der autonome Rasenmähroboter, korrekt also Wiesenmähroboter, auch unermüdlich im Dauereinsatz. Wenn er nicht an irgendwelchen tatsächlichen oder imaginären Hindernissen hängenbleibt. Das Einzige, was mir die pflanzliche Vielfalt erträglich macht, ist ihre Insektenfreundlichkeit. In meiner Fantasie summt und brummt es im Sommer auf dem gesamten Grundstück, schwirren Hummeln um den Gundermann, delektieren sich Bienen an den Gänseblümchen – und lassen die Marmelade auf dem Frühstückstisch in Ruhe. Das mit dem Summen, Brummen und Schwirren klappt auch ganz gut. Zumindest solange die Marmelade auf dem Tisch steht. Mein Garten und ich: Was mache ich bloß falsch?Zur Person
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