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Litauenhilfe Visbek: Kinderheim muss bis 2023 umziehen

Ein neues Gesetz in Litauen zwingt das von Alfons Hoping seit Jahrzehnten unterstützte Kinderheim dazu, sich zu verkleinern. Viele Jahre kämpfte der Astruper um den Erhalt – vergeblich.

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Blick von oben: In dem roten Gebäude residiert aktuell das Kinderheim St. Kazimier. Vorne ist das alte Gebäude zu sehen, in dem aktuell ukrainische Geflüchtete unterkommen können.   Foto: Hoping

Blick von oben: In dem roten Gebäude residiert aktuell das Kinderheim St. Kazimier. Vorne ist das alte Gebäude zu sehen, in dem aktuell ukrainische Geflüchtete unterkommen können.   Foto: Hoping

5 Jahre habe er gekämpft, sagt Alfons Hoping. Nun habe er damit abgeschlossen. Das von ihm seit mehr als 2 Jahrzehnten unterstützte Kinderheim St. Kazimier im litauischen Alvitas wird kommendes Jahr umziehen. Das dafür nötige Gebäude, ein altes Haus, habe der Leiter der Einrichtung, Pfarrer Vytautas Kajokas, kürzlich gekauft. Es befindet sich lediglich rund 200 Meter vom jetzigen Standort entfernt.

Was soll das denn? Alfons Hoping zuckt mit den Schultern, schüttelt während des Gesprächs immer wieder den Kopf. Die litauische Regierung habe 2017 entschieden, dass die Kinderheime im Land sich verkleinern sollen, erzählt der Astruper. Maximal acht Kinder sollen in einer Einrichtung leben dürfen. „Das soll besser für die Kinder sein“, sagt er und hat wenig Verständnis für diese Anordnung. Ab 2023 soll das neue Konzept dann auch in Alvitas umgesetzt werden.

Nicht mehr als acht Kinder pro Kinderheim

Dabei war das Kinderheim St. Kazimier erst 2015 in ein neues Gebäude gezogen. In drei Gruppen konnten jeweils bis zu acht Kinder unterkommen. Momentan leben neun Mädchen und Jungen aus schwierigen Familienverhältnissen in dem Heim. Viel Spielraum, um weitere aufzunehmen, hat man mit der Aussicht auf das kommende Jahr ohnehin nicht mehr. Obwohl es den Platz doch durchaus gibt, der Bedarf nach wie vor vorhanden ist. Doch das Gebäude dient künftig einem anderen Zweck. Per Gesetz darf es nicht mehr als Kinderheim weitergenutzt werden, berichtet Alfons Hoping. So wird es zu einem Altenheim, in dem zehn bis zwölf Personen unterkommen können.

Setzen sich für benachteiligte Kinder ein: Johannes Reckzeh (von links), Alfons Hoping, Pfarrer Vytautas Kajokas (Leiter Kinderheim St. Kazimier) und Clemens Rottinghaus. Die drei Männer aus Deutschland hatten bei ihrem Besuch Anfang März eine Spende in Höhe von 11.000 Euro im Gepäck Foto: HopingSetzen sich für benachteiligte Kinder ein: Johannes Reckzeh (von links), Alfons Hoping, Pfarrer Vytautas Kajokas (Leiter Kinderheim St. Kazimier) und Clemens Rottinghaus. Die drei Männer aus Deutschland hatten bei ihrem Besuch Anfang März eine Spende in Höhe von 11.000 Euro im Gepäck Foto: Hoping

Sich dem Schicksal einfach ergeben habe sich Alfons Hoping aber nicht. „Gekämpft an allen Fronten“, habe er, um das Kinderheim so zu erhalten, wie es aktuell ist, erzählt er. Politikerinnen und Politiker des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments, Verantwortliche der Caritas sowie die Deutsche Botschaft in Litauen habe er um Unterstützung gebeten. „Der litauische Sozialminister war vor ein paar Jahren vor Ort“, zählt Hoping weiter auf. Der habe sich selbst ein Bild davon machen können, dass die Kinder in einer neuen, modernen Unterkunft leben. Genützt habe alles nichts. Das Kinderheim St. Kazimier in Alvitas darf in seiner jetzigen Form nicht weiter existieren. „Wir gucken nach vorne“, sagt Alfons Hoping lediglich.

Neues Gebäude muss saniert werden

Gebäude Nummer drei: In dieses alte Haus soll das Kinderheim St. Kazimier kommendes Jahr einziehen. Dafür muss es noch saniert werden. Foto: HopingGebäude Nummer drei: In dieses alte Haus soll das Kinderheim St. Kazimier kommendes Jahr einziehen. Dafür muss es noch saniert werden. Foto: Hoping

Jetzt gehe es darum, das neue Gebäude zu sanieren und pünktlich zum Umzug herzurichten. Für 30.000 Euro konnte ein altes Einfamilienhaus mit Nebengebäude auf 1700 Quadratmetern erworben werden, berichtet der Astruper. Da das Gebäude stark sanierungsbedürftig sei, sei mit zusätzlichen Kosten von rund 100.000 Euro zu rechnen. 80.000 Euro erhalte das Kinderheim zur Unterstützung vom Staat. Fehlen also noch 50.000 Euro, die Alfons Hoping über Spenden generieren will. Zuletzt war Hoping Anfang März vor Ort und hatte 11.000 Euro für die Einrichtung im Gepäck.

Insgesamt konnten in den vergangenen 25 Jahren rund 400.000 Euro für das Kinderheim St. Kazimier gesammelt werden. Darüber hinaus starteten 28 Hilfstransporte mit Sachspenden im Kreis Vechta ihre Reise nach Litauen, 25 davon steuerten das Kinderheim an, erzählt Alfons Hoping. 1996 wurde damit begonnen, eine alte Baracke, wie er das frühere Pfarrhaus nennt, zum ersten Gebäude des Kinderheims umzubauen. Bis zu 20 Kinder fanden dort von 1999 bis 2015 ein neues Zuhause. Aktuell wird das Haus dafür genutzt, um Geflüchtete aus der Ukraine unterzubringen. Um dem damaligen Platzbedarf gerecht zu werden, wurde in unmittelbarer Nähe das neue Haus gebaut, das ab 2015 bis heute als Kinderheim dient. Ab 2023 ist damit Schluss. Dann residiert das Kinderheim St. Kazimier in Gebäude Nummer 3. Auf Unterstützung von Alfons Hoping können die Verantwortlichen vor Ort aber auch weiterhin zählen.

  • Info: Wer das Projekt von Alfons Hoping finanziell unterstützen möchte, kann mit dem Stichwort „Kinderheim St. Kazimier“ auf das Spendenkonto, IBAN: DE52280661030001496603, Geld überweisen. Nähere Informationen erteilt Hoping auch telefonisch unter 0178/2303301.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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