Seit ich 4 Jahre alt bin, begleiten mich Lebewesen, die mich ohne Worte verstehen. Sie hören zu, wenn man selbst keine Worte findet. Sie sind da, wenn man sie braucht – ehrlich, sensibel und oft klüger, als man denkt. Ich erinnere mich an jedes Pony und Pferd, auf dem ich gelernt habe. Ganz besonders an meine eigenen Wegbegleiter. Sie waren jede Geburtstagskerze, die ich als Kind mit geschlossenen Augen auf einem Kuchen ausgepustet habe.
Alles begann mit einem Pony namens Moonwalker. Es war kein Spielzeug, kein Traum aus einem Bilderbuch – es war plötzlich da. Mein Kommunionsgeschenk. Nach der Kirche stand Moonwalker im Garten, als hätte jemand all meine unausgesprochenen Wünsche auf einmal wahr werden lassen. In diesem Moment war klar: Pferde würden kein Abschnitt meines Lebens sein, sie würden mein Leben prägen. Er war jede Geburtstagskerze, die ich als kleines Kind ausgepustet habe. Mit Moonwalker habe ich gelernt, was Verantwortung bedeutet. Was Vertrauen heißt.
Dann kam 2019 mein erstes Pferd. Mit Shutterboy wurde aus der kindlichen Leidenschaft sportlicher Ehrgeiz. Gemeinsam sind wir im Springsport bis in die schwere Klasse gewachsen. Wir waren ein Team, das Höhen und Tiefen kannte, Siege und Rückschläge, Zweifel und unbändigen Stolz. Ein Jahr durfte ich Teil des Perspektivkaders des Pferdesportverbandes Weser-Ems sein – eine Zeit, die mich geprägt hat und die ohne Shutterboy nicht denkbar gewesen wäre. Er war mehr als ein Sportpartner. Er war jede Geburtstagskerze, die ich als kleines Kind ausgepustet habe.
„Es gab etliche Siege und unzählige Platzierungen, doch manche Momente brennen sich tiefer ein als jede Schleife.“
Es gab etliche Siege und unzählige Platzierungen, doch manche Momente brennen sich tiefer ein als jede Schleife. Einer davon ist der gemeinsame Sieg auf dem Oldenburger Landesturnier im Rasteder Schlosspark. Strömender Regen, klatschnasse Jacken, matschiger Boden – und eine einzige fehlerfreie Runde. Wir entschieden damit das Finale der Landesmeisterschaften für uns. Später kam noch Bronze bei den Kreismeisterschaften dazu. Doch Medaillen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Und nun wartet ein neues Kapitel auf mich. Vor wenigen Monaten ist ein neues Familienmitglied eingezogen: Zeltic Girl. Eine richtige Stute – mit Meinung, mit Ecken und Kanten und teilweise mit einem zickigen Charakter. Wir kennen uns noch nicht lange. Wir müssen uns noch aufeinander einstimmen, lernen und Geduld haben. Und gerade deshalb habe ich sie unfassbar lieb. Nach einer langen Suche ist sie ganz zufällig in mein Leben getreten. Vielleicht sind es genau diese Zufälle, die sich im Nachhinein wie Schicksal anfühlen.
Ich habe große Hoffnungen. Ich wünsche mir, dass wir ein starkes Team werden, dass wir zusammenwachsen, lernen, scheitern und siegen. Dass wir die großen Springen bald gemeinsam bewältigen können. Und auch sie war jede Geburtstagskerze, die ich als kleines Kind ausgepustet habe.
Zur Person: