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Jagdhorn diente dem Jäger seinerzeit als eine Art Handy

Der 85-jährige Rudolf Siemer gehört zu den Gründungsmitgliedern der zum Hegering Molbergen gehörenden Gruppe. Zusammenhalt und Kameradschaft zeichnen die Bläser aus.

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Rudolf Siemer "tut nur so", musste er doch aus gesundheitlichen Gründen mit dem Jagdhornblasen aufhören: Foto: Heinzel

Rudolf Siemer "tut nur so", musste er doch aus gesundheitlichen Gründen mit dem Jagdhornblasen aufhören: Foto: Heinzel

Das Jagdhorn liegt in der rechten Hand und ist leicht auf der Hüfte von Rudolf Siemer aufgesetzt. Auf das Kommando „Horn an“ setzt er es an den Mund an und würde – sofern er denn dürfte – beispielsweise das Signal „zum Essen“ blasen. Schmunzelnd meint er, dass sei eines der wichtigsten Signale für die Jäger. Das Jagdhorn diente auf der Jagd zur Kommunikation unter den Jägern – sozusagen das Handy der damaligen Zeit. Heute hat das Jagdhorn diese Funktion weitgehend eingebüßt und dient vorwiegend zeremoniellen Aspekten.

Rudolf Siemer ist der Obmann der Jagdhornbläsergruppe des Hegerings Molbergen. Das Ziel der Mitglieder ist es, das Jagdhorn, seine Tradition und das dazugehörige Brauchtum wachzuhalten. Aktuell sind es 28 Jagdhornbläser. In der Zahl sind die neun im März offiziell aufzunehmenden Nachwuchsmusiker bereits enthalten. Sie sind schon über ein Jahr dabei und nehmen an den Übungsabenden teil. Die musikalischen Übungen werden aktuell durch Jens Preut geleitet. 

Jagdhorngruppe zeichnen Brauchtum und Kameradschaft aus

Die weiterhin das Leben bestimmende Pandemie hat eine Aufnahme der neuen Bläser bislang verhindert und die Aktivitäten der Gruppe stark beeinträchtigt. Statt montags, trifft sich die Gruppe nun immer donnerstags im Saal Schnieders in Ermke. Dann wird zweieinhalb Stunden lang geprobt. Rudolf Siemer erzählt, dass es dabei vor allem um „Brauchtum und Kameradschaft“ gehe. Im Vordergrund stünden Signale wie „Sammeln“, „Begrüßung“ oder der „Jagdbeginn“ sowie die Totsignale. Mit den Totsignalen wird am Ende der Jagd den erlegten Tieren die letzte Ehre erwiesen. „Jedes Tier hat sein eigenes Signal“, so Rudolf Siemer.

„Ich bleibe der Gruppe als einfaches Mitglied treu.“Rudolf Siemer, tritt im März nicht mehr zur Wahl des Obmannes an

Der Jäger gehört zu den Gründungsmitgliedern und steht seit 32 Jahren an der Spitze der Gruppe. Doch nun ist Schluss. Der gelernte Kaufmann wird auf der Generalversammlung im März nicht mehr für die Wahl zum Obmann zur Verfügung stehen. Es sei Zeit für einen Generationenwechsel. „Ich bleibe der Gruppe als einfaches Mitglied treu“, meint Siemer. Dieser Schritt war aber schon lange klar und entsprechend kommuniziert worden. Doch seit etwa einem halben Jahr darf der rüstige Rentner aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in sein geliebtes Jagdhorn blasen. „Das war ein harter Schlag“, berichtet Rudolf Siemer.

Abenteuerlich: Anfangs wurde im Wald geübt

Rudolf Siemer machte 1961 seinen Jagdschein und gründete gemeinsam mit Lambertus Schnieder und Heinrich Abeln 1968 die Jagdhornbläsergruppe im Hegering Molbergen. Als diese gegründet wurde, konnten die neuen Musiker noch kein Jagdhorn blasen. Damals übten sie bei gutem Wetter im Wald und bei schlechtem  im Pfarrheim. „Das war schon abenteuerlich“, erinnert sich der Bläserobmann. Ein halbes Jahr nach der Gründung, also im September 1968, nahmen sie am Kreisbläsertreffen teil, erzählt Rudolf Siemer. Trotz anfänglichem „großem Lampenfieber“ konnten die Molberger Jagdhornbläser einen guten Mittelplatz erringen. 

Das Jagdhorn wird durch Atemtechnik und die Lippenmuskulatur beherrscht. Reine Übungssache, meint Rudolf Siemer. Foto: HeinzelDas Jagdhorn wird durch Atemtechnik und die Lippenmuskulatur beherrscht. Reine Übungssache, meint Rudolf Siemer. Foto: Heinzel

Die Kreisbläsertreffen starteten 1966 in Thüle. Bis 1970 wurden sie noch als Bläserwettstreit ausgetragen, dann wurden daraus reine Freundschaftstreffen. Damit flossen neben den Jagdsignalen auch die Jagdmusik und die Jagdmärsche in die Treffen ein, schreibt Bernd Preut, Kreisobmann der Jagdhornbläser, 1993 im Programmheft des Kreisbläsertreffens. Molbergen war erstmals 1975 Ausrichter dieses Treffens.

Das Jagdhorn wird über die Atemtechnik und die Lippenmuskulatur geblasen. Das sei teils Begabung, aber auch sehr viel Fleiß. „Es ist eine reine Übungssache“, meint Rudolf Siemer. Die Molberger treten mit ihrem Repertoire beispielsweise bei Goldenen Hochzeiten oder dem Weihnachtsmarkt in Molbergen auf. Sie sind ein Teil des kulturellen Lebens in der Gemeinde. Und seit Mitte der 1970er Jahre haben sie auch ihr eigenes Vereinslokal – den Gasthof Schnieder in Ermke. Und mit den neuen Mitgliedern sei „die Zukunft der Gruppe gesichert“, meint der 85-Jährige.

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