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Ich erhebe die Farbwalze gegen meinen Erzfeind

Kolumne: Von der Pieke auf – Nach langer Überlegung wusste ich, was ich mit den abscheulichen Wandfarben mache. Doch ganz ohne Schweiß und Tränen ging das nicht.

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Und plötzlich war alles weiß … Nur noch weiß. Und genau das war auch meine Intention. Wer vor Kurzem meine erste Kolumne gelesen hat, kann bestätigen, dass die Farbe Weiß das kleinere Übel war. Aber von vorne: Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, da bin ich umgezogen. In den wunderbaren Landkreis Cloppenburg – genauer nach Emstek. Alles war perfekt. Doch ein riesiges Problem enthüllte sich, als ich die Wohnung betrat. Die Wände im Wohn- und Esszimmer waren schwarz. Und dann noch das Schlafzimmer in mint-grün. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich musste was ändern.

Darum habe ich überlegt und überlegt. Und am Ende kam ich zu dem Ergebnis. Alles muss weiß. Also ging es zum Baumarkt. Ich kam mit zwei Eimern weißer Wandfarbe und Streichutensilien zurück. Über den Preis würde ich hier lieber nicht sprechen.

Mit harter Arbeit geht alles

Um etwa 23 Uhr und nach etwa 7 Stunden harter Arbeit habe ich mein Ziel erreicht: Weiße Wände. Allerdings nur im Wohn- und Esszimmer. Als wäre das nicht schon hart genug gewesen, schoss mir direkt das Schlafzimmer wieder in den Kopf. Mein Erzfeind. Mein Rivale. Meine Nemesis. Die mint-grüne Wandfarbe. Für diesen Tag war allerdings die Schlacht geschlagen und ich legte die Pinsel nieder.

„Ein weiterer Sieg gegen die Wohnung, die ich bald mein Zuhause nennen werde.“

Doch ich schwor mir, am nächsten Tag den Kampf wieder aufzunehmen. Also fing ich an, das giftige Grün mit dem reinen Weiß zu übermalen. Und es ging gut voran. Die erste Schicht übertönte das Augenschmerzen verursachende Grün schon recht gut. Ich fühlte mich gut. Ein weiterer Sieg gegen die Wohnung, die ich bald mein Zuhause nennen werde. Dann kamen die beiden Dachfenster. Und natürlich auch da: Die mint-grüne Wandfarbe. Doch auch das meisterte ich makellos. Ich sagte zu mir selbst: „Ey… das läuft doch super; vielleicht werde ich noch vor dem Abend fertig.“

Daraufhin schweifte mein Blick nach oben. Dort sah ich sie: die Decke. Wie konnte ich nur denken, dass der Krieg bald vorbei war. Für alle, die anstatt zu streichen eher ihre Wände tapezieren: Die Decken sind – meiner Meinung nach – das Schwierigste an dem ganzen Vorhaben. „Das kann doch nicht so schwer sein; immerhin haben es die geschmacklosen Vormieter auch geschafft, die Decke in Mint-Grün zu streichen“, dachte ich mir.

Die Decke schlägt – pardon, tropft – zurück

Also tunkte ich die Farbwalze in das Arktis-Weiß und fing an, meinen Arm zur Decke zu strecken. Dann traf es mich. Ohne Vorwarnung. Mein Gesicht war voll mit dem teuren Arktis-Weiß, das eigentlich für die Decke gedacht war. Zu meiner Verteidigung: Mir ist bewusst, dass jeder halbwegs begabte Heimwecker niemals direkt unter der Farbwalze stehen würde. Doch ich bin kein Heimwerker. Und auch nicht halbwegs begabt. Für mich war das Neuland. Also strich ich weiter und weiter.

Mit schmerzenden Armen legte ich die Farbwalze nieder. Es war getan. Die Decke, das Schlafzimmer, das Wohnzimmer und auch ich waren nun Arktis-Weiß. Die Schlacht war vorüber und ich für mein Leben gezeichnet.


Zur Person:

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