Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Hundeschulen geschlossen: Muss der Welpe jetzt ins Homeschooling?

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen auf den Hund gebracht. Rainer Babina vom Hundetreff Visbek bereitet das Sorgen.

Artikel teilen:
Trainingsnormalität vor der Pandemie: Rainer Babina mit seinem Hund Ridjo sowie dem Vereinsmitglied Ann-Kathrin Horn und ihrem Hund Marley. Foto Hundetreff/Deickert

Trainingsnormalität vor der Pandemie: Rainer Babina mit seinem Hund Ridjo sowie dem Vereinsmitglied Ann-Kathrin Horn und ihrem Hund Marley. Foto Hundetreff/Deickert

Die Corona-Regeln machen heimischer. Die Kinder lernen im Homeschooling, die Eltern sitzen im Homeoffice und weite Reisen sind lediglich fern gelegene Träume. Für viele ist diese Pandemie die Gelegenheit, den lang gehegten Wunsch, sich einen Hund anzuschaffen, in die Realität umzusetzen. Schließlich ist man ja jetzt viel zu Hause und kann sich bestens mit dem Neuzugang beschäftigen.

Konsequenz: Es gibt einen regelrechten Welpen-Boom. Hundezüchter wissen gar nicht mehr wohin mit all den Anfragen von potenziellen Hundehaltern und selbst in den Tierheimen ist eine höhere Nachfrage zu verzeichnen. Das hat auch Rainer Babina, erster Vorsitzender des Hundetreffs Visbek, selbst erfahren müssen, als er im vergangenen Jahr, nach dem Tod zwei seiner Begleiter, wieder jüngeren Hunden einen Platz in seinem Haushalt schenken wollte. Der Hundetrainer arbeitet seit rund 30 Jahren mit Hunden, erzählt er.

„Ich weiß nicht, ob das von allen Besitzern zuendegedacht ist.“Rainer Babina, Erster Vorsitzender des Hundetreffs Visbek

„Ich habe mich in ganz Norddeutschland in Tierheimen umgesehen“, sagt er. Es sei schwierig gewesen, in Deutschland einen Hund aus dem Tierschutz zu finden. Schließlich habe er sich im Ausland umgesehen und wurde fündig. Mit der Organisation in Bosnien stehe er weiterhin in Kontakt und weiß: Auch dort sei eine erhöhte Nachfrage nach Hunden zu verzeichnen.

Rainer Babina beobachtet das allerdings mit Sorge. „Ich weiß nicht, ob das von allen Besitzern zuendegedacht ist“, gibt er zu bedenken. Sich während des Corona-Lockdowns einen Welpen anzuschaffen, findet er problematisch. Gerade die ersten 16 Wochen sind eine prägende Zeit im Leben eines Hundes. Es lasse sich vieles gut, aber auch vieles falsch machen, sagt Babina.

Ein großes Problem: Die wichtigen sozialen Kontakte für die jungen Tiere mit Gleichaltrigen fehlen, da die Hundeschulen wegen der Corona-Maßnahmen geschlossen sind. So auch der Hundetreff in Visbek. „Es ist bereits die 2. Generation Welpen, der viel verloren geht“, sagt er mit Bedauern. Seit Anfang Dezember habe der Hundetreff keine Trainingsstunden mehr anbieten können. Genauso erging es der Hundeschule bereits im Frühjahr 2020.

Welpen entgehen wichtige Erfahrungen

Normalerweise besuchen zahlreiche Welpen die Hundeschule. Sie spielen miteinander, testen ihre Grenzen aus, erlernen die ersten Kommandos und beginnen, eine Verbindung zu ihrem Besitzer aufzubauen. Wenn die Hundeschule über Wochen bis hin zu Monaten geschlossen ist, entgeht diese wichtige Erfahrung den jungen Tieren.

Selbst der erfahrene Trainer hat mit seinen jungen Hunden mit diesem Problem zu kämpfen. Wenn sich die Menschen nicht treffen dürfen, treffen sich automatisch auch ihre tierischen Begleiter nicht. Die soziale Interaktion fehlt und: „Die Hunde brauchen es, sich voll auszupowern“, sagt er. Das funktioniere mit gleichaltrigen Hunden einfach am besten.

Kein Training ohne Profi

Doch was mache ich jetzt, wenn ich trotzdem einen Welpen daheim habe und seinen Bedürfnissen gerecht werden möchte? Auf jeden Fall sollte der Kontakt zu einem Profi gesucht werden, rät Rainer Babina. Gerade als Anfänger es allein mit einem Buch oder mit Youtube-Videos zu versuchen, hält er für schwierig. Einen Hundetrainer sollte man zumindest telefonisch oder per Video-Chat zu Rate ziehen können. Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat am Mittwoch (3. Februar) entschieden, dass zumindest der Eins-zu-eins-Unterricht wieder möglich ist.

Und was hält der Visbeker Hundetrainer generell von Online-Kursen? „Es ist besser als gar nichts zu tun“, sagt er. Er frage sich aber, ob man viel online machen könne. Vorteilhaft sei das seiner Meinung nach nicht. Die richtigen Trainingsstunden vor Ort auf dem Hundeplatz könnten diese Kurse nicht ersetzen.

Wie hält es der Hundetreff Visbek derzeit selbst, um den Hundehaltern zu helfen? „Wir bleiben auf jeden Fall per E-Mail mit den Mitgliedern in Kontakt“, sagt Babina. Auch telefonisch seien er und die anderen Trainer im Zweifel zu erreichen, wenn jemand Schwierigkeiten mit seinem Hund hat. Im Dezember habe es etwa 6 Anrufe gegeben, sagt er.

Rechnungen müssen weiter bezahlt werden

Es gebe zudem immer wieder Anfragen zum sogenannten Hundeführerschein, dem Sachkunde-Nachweis für Hundehalter. Auch in diesem Fall muss der Hundetreff die Halter vertrösten. Den letzten Hundeführerschein konnte man bei den Visbekern im September 2020 erlangen, erzählt Rainer Babina. Normalerweise bietet der Verein die Prüfungsvorbereitung und die anschließende Prüfung im März und September an.

Und wie ergeht es dem Hundetreff Visbek sonst während des Shutdowns? Da es sich um einen Verein handele und alle im Team sich ehrenamtlich und unentgeltlich engagieren, könne die Hundeschule bislang von Rücklagen leben. Der Verein trägt sich ausschließlich von den Mitgliedsbeiträgen, berichtet Rainer Babina. „Es müssen aber weiterhin Rechnungen bezahlt werden.“ Versicherungen, Pacht und Platzpflege sind Kosten, die bleiben. Zudem hat der Verein seinen Mitgliedern den halben Jahresbeitrag für 2020 erlassen. Es seien zu viele Trainingsmöglichkeiten wegen Corona ausgefallen, begründet der erste Vorsitzende diesen Schritt.

Normalerweise sei das Vereinserleben sehr rege, berichtet Babina. Dabei „passiert 20 Prozent der Arbeit auf dem Platz“, sagt der Trainer. Die 9 ehrenamtlichen Trainer müssten Dienste besprechen, wie das Training gestaltet wird und sich über neueste Erkenntnisse auf dem Laufenden halten. „Hundeerziehung wird jedes Jahr moderner“, sagt Babina. Dabei seien regelmäßige Fortbildungen unerlässlich. Trotz alledem: „Die Hundeschule macht sehr viel Spaß.“

Trainer seit 30 Jahren: Für Rainer Babina gehören Hunde zum Leben. Aktuell begleiten ihn Ridjo (von links), Mounty und Bowie. Foto: BabinaTrainer seit 30 Jahren: Für Rainer Babina gehören Hunde zum Leben. Aktuell begleiten ihn Ridjo (von links), Mounty und Bowie. Foto: Babina

Dabei helfen die Trainer nicht nur bei der Erziehung des Familienhundes, sondern bieten auch beispielsweise Agility-Einheiten an. „Allerdings ist das nur just for fun und nicht professionell“, wirft Babina ein. Zudem stellt der Verein seit 4 Jahren den Platz für eine Rassehundausstellung und bietet Freizeitaktivitäten für Kinder an. Es gibt Zeltlager im Sommer mit dem Familienhund oder auch Nachtwanderungen – natürlich mit Hund.

Wenn die Pandemie sich beruhigt, soll das Vereinsleben wieder angekurbelt werden. „Damit es wieder so wird wie früher“, sagt Babina zuversichtlich. Einen konkreten Plan gibt es auch schon: Die jungen Trainer sollen an Fortbildungen teilnehmen. Aber das Wichtigste für Babina sei jetzt erst einmal: Arbeit behalten, gesund bleiben „und danach kommt der Hundetreff“.

„Ein Hund ist nicht mit 3 Besuchen bei einer Hundeschule erzogen.“Rainer Babina, Trainer beim Hundetreff Visbek

Nun ist der niedliche Vierbeiner eingezogen – und macht viel Arbeit. Jetzt sind viele Neu-Halter zwar vermehrt zu Hause. Aber irgendwann wird sich die Corona-Pandemie beruhigen und der normale Alltag kehrt zurück. Die Kinder gehen zurück zur Schule, nehmen wieder Freizeitaktivitäten wahr, die Eltern gehen wieder zur Arbeit, planen womöglich den nächsten Urlaub. Der Hund muss auch dann nach wie vor mehrmals am Tag nach draußen. Er braucht weiterhin die nötige Aufmerksamkeit. Und: „Ein Hund ist nicht mit 3 Besuchen bei einer Hundeschule erzogen“, sagt Rainer Babina. Die Erziehung kostet viel Geduld und Zeit.

Der Trainer befürchtet, dass mit der Rückkehr zum normalen Alltag viele Hunde wieder abgegeben werden. Dass sich das Tier nicht mehr mit den Verpflichtungen und Wünschen der Menschen vereinbaren lässt. Mehrere Tierschützer und Tierheime schlagen deswegen bereits jetzt Alarm.


Fakten:

  • Den Hundetreff Visbek gibt es seit dem 3. März 2003.
  • Er ist aus einer Schäferhund-Gruppe hervorgegangen.
  • Gestartet ist der Verein mit sieben Mitgliedern.
  • Über die Jahre wurden es im Schnitt zwischen 70 und 80 Mitglieder.
  • Mittlerweile hat der Verein rund 170 Mitglieder im Schnitt.
  • Viele treten wegen des sogenannten Hundeführerscheins ein, weiß Rainer Babina, Erster Vorsitzender des Vereins. Seit 2013 ist der Sachkundenachweis für Hundehalter in Niedersachsen verpflichtend. Etwa 30 Prozent der Neuzugänge bleiben längerfristig. Den Hundeführerschein könne man beim Hundetreff auch ohne Mitgliedschaft machen, sagt der Trainer.
  • Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 60 Euro, Familien zahlen 70 Euro.
  • Das Trainingsgelände umfasst 3 Plätze.
  • Die Trainingsstunden finden normalerweise samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis Uhr statt.
  • Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.hundetreff-visbek.de.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Hundeschulen geschlossen: Muss der Welpe jetzt ins Homeschooling? - OM online