Fusion im Oldenburger Münsterland: Die Oldenburgische Volkszeitung und die Münsterländische Tageszeitung wandeln sich zum Medienhaus. Ein Leitartikel zum 125. Geburtstag der OV in Vechta.
Redakteur Max Fuhrmann plant am Newsdesk in Vechta die lokalen Themen des Tages, in enger Abstimmung mit den Reportern vor Ort. Foto: Chowanietz
Die Oldenburgische Volkszeitung feiert ihren 125. Geburtstag in unübersichtlichen Zeiten. Ein Virus versetzt die Welt in Angst und Schrecken und selten hat eine amerikanische Präsidentenwahl mehr Aufmerksamkeit erregt.
Mit Schlagworten wie Klimawandel, Migration, Globalisierung, Populismus oder Digitalisierung lässt sich die Liste existenzieller Herausforderungen problemlos erweitern. Wen wundert es, dass sich in diesen verwirrenden Zeiten immer mehr Menschen in Verschwörungstheorien, Vorurteile und Fake News der virtuellen Welt verlieren?
Diese und andere Herausforderungen klingen nach großer Politik, fordern uns aber auch in unserer lokalen Erfahrungswelt, denn unser Planet ist heutzutage ein Dorf und alles hängt mit allem zusammen. Viele Entwicklungen bergen dabei neben Risiken auch Möglichkeiten. Selbst die Corona-Pandemie.
Dem unabhängigen Journalismus, auch dem Lokaljournalismus bietet sich in dieser unberechenbaren Zeit eine historische Chance. Der Wert gründlich recherchierter, wahrheitsgemäßer Informationen wird gerade neu entdeckt. In den vergangenen Monaten haben Lokaljournalisten einiges richtig gemacht. Die Abkehr von Terminjournalismus hin zu Themenjournalismus hat zu einer größeren Lesernähe geführt. Menschen haben viele Fragen, suchen praktische Hilfe, konstruktive Lösungen – und finden all das in lokalen Nachrichten.
Informationen verlässlich zu prüfen, kritisch nachzufragen und relevante Neuigkeiten schnell zu verbreiten sowie kompetent einzuordnen, bleibt ein wichtiger Dienst für die Demokratie.
Ulrich Suffner, Chefredakteur
Das gilt im Großen wie im Kleinen. Auch für die Menschen im Oldenburger Münsterland bleibt relevant, was sich vor ihrer Haustür abspielt. Auch die OV bleibt ein wichtiger Marktplatz der lokalen Meinungen und eine vertrauenswürdige unabhängige Stimme in der Region.
Allerdings sind Tageszeitungen schon lange nicht mehr die einzigen Orte des öffentlichen Diskurses. Ob sich das Papier als Trägermedium zukünftig neben digitalen Trägern wie dem Smartphone behaupten kann, lässt sich abschließend noch nicht beurteilen. Die Vorteile des Trägermediums Papier werden gerade von jüngeren Menschen gerne unterschätzt. Doch ist unbestritten, dass Journalisten im Jahr 2020 viele Menschen nur noch über digitale Kanäle erreichen und ihre Arbeitsweise deshalb künftig kanalunabhängiger gestalten müssen.
So verbreitet auch die Redaktion der OV schon seit einigen Jahren ihre Nachrichten eben nicht mehr nur über die Tageszeitung, sondern auch über ein E-Paper, über Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram, den Videochannel YouTube und nicht zuletzt über das neue lokale Nachrichtenportal om-online.de.
Die Medienbranche durchlebt eine Transformation
Neben exklusiven lokalen Nachrichten werden seit Mai spannende Hintergründe und pointierte Meinungen von Redaktionsmitgliedern und Gastautoren veröffentlicht. Auch Bildergalerien und Videos gehören zum gemeinsamen Angebot der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg. Ergänzt wird om-online.de von den bereits erfolgreich eingeführten Webportalen om-stellen.de und karrierestart.tv.
Das neue Heimat-Portal bietet kostenfreie, aber auch kostenpflichtige journalistische Angebote aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Lifestyle. Nach einem kostenfreien Probemonat ist das OM-plus-Abo aktuell bereits für 2,49 Euro/Woche zu haben. Abonnenten der OV und der MT können Plus-Artikel aktuell kostenlos lesen und zahlen ab Jahresbeginn 2021 wöchentlich nur einen Euro.
Ein Zeichen wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem ersten Weltkrieg: 1924 errichtete die OV am Neuen Markt in Vechta ein neues Verlagsgebäude. Zeichnung: aus demBuch "100 Jahre OV"
Wie schon gesagt: Die OV feiert ihren 125. Geburtstag in unübersichtlichen Zeiten. Wie die Automobilindustrie oder die Energiebranche durchleben auch Medien weltweit einen dramatischen Transformationsprozess. Der stellt in Deutschland große wie kleine Verlage vor existenzielle Fragen.
Vor allem jüngere Menschen wollen journalistische Inhalte digital konsumieren, vor allem auf dem Smartphone. Sie sind – das ist eine neue und positive Entwicklung – auch immer häufiger bereit, für Online- Angebote zu bezahlen. Die Aufgabe lautet, junge Menschen in den sozialen Netzwerken abzuholen und für Inhalte zu interessieren. Studien zeigen, dass dies vor allem mit konstruktivem Journalismus zu Zukunftsfragen und Nachhaltigkeitsthemen gelingen kann. Junge Menschen suchen Lösungen statt Probleme.
Nicht nur die Arbeitsweisen der Journalisten ändern sich. Auch das Geschäftsmodell wandelt sich von einem analogen zu einem digitalen.
Ulrich Suffner, Chefredakteur
Die Transformation von analogen Verlagen zu digitalen Medienunternehmen ist aufgrund hoher Kosten für technische Innovationen und deren Implementierung insbesondere für kleinere Häuser eine finanzielle Herausforderung. Die Lösung ist Kooperation von Partnern ähnlicher Größe und ähnlicher Bedürfnisse. So ist die rückwirkend zum Jahresbeginn 2020 vereinbarte Fusion der südoldenburgischen Verlage MT und OV zur OM-Medien GmbH & Co. KG eine wirtschaftlich richtige und auch kulturell logische Antwort auf die Veränderungen im Markt.
Die Menschen in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg haben eine gemeinsame Identität. Diesen Ansatz denken wir konsequent weiter. Beide Verlage sind in dieser erfolgreichen Wirtschaftsregion fest verwurzelt und auch dank ihrer stabilen Print-Auflagen profitabel. Die OM-Medien deckt künftig mit lokalen Geschäftsstellen die gesamte Region ab und wird auch in Zukunft mit Reportern und Verkäufern die Nähe zu Lesern und Geschäftspartnern pflegen.
Geschäftsführer der neuen Holding ist Dr. Michael Plasse. Im Februar 2018 wechselte der langjährige Verlagsleiter des Spiegel-Verlages aus Hamburg nach Vechta. Er hat zudem die operative Geschäftsführung in den Tochtergesellschaften von MT und OV übernommen. Der bisherige MT-Verleger und neue Hauptgesellschafter Jan Imsiecke ist Mitglied im Aufsichtsrat der OM-Mediengruppe und begleitet auch als Geschäftsführer den weiteren Fusionsprozess. Aufsichtsrats-vorsitzender ist der bisherige OV-Gesellschafter Karl Themann aus Bakum-Hausstette.
Neues Medienzentrum treibt die Digitalisierung voran
Die OM-Medien wird neben der Herausgabe der OV und MT sowie weiterer Printprodukte die Entwicklung und den Betrieb digitaler Plattformen und Rubrikenmärkte forcieren. Diese neuen digitalen Produkte bieten zusätzliche wirtschaftliche Potenziale. Wir erreichen damit zudem neue Zielgruppen, die auch für den lokalen Handel und Mittelstand relevant sind. Immer häufiger wird auch digital geworben, auch wenn die auf Papier gedruckte Zeitung noch lange Zeit ein wichtiges Trägermedium für Anzeigen bleiben wird.
Nach dem erfolgreichen Launch von om-online.de im Mai startet mit dem Online-Veranstaltungskalender OM Termine in diesen Tagen folgerichtig das nächste digitale Informationsprodukt. Wenn das öffentliche Leben endlich wieder Fahrt aufnimmt, können Vereine, Veranstalter und Kommunen bei om-termine.de kostenfrei ihre Veranstaltung präsentieren. Wir wollen damit unsere Funktion als regionale Community unterstreichen und unsere Plattform im Netz konsequent weiterentwickeln.
Der geplante Bau eines neuen Medienzentrums im Ecopark in Emstek wird den Wandel vom Verlag zum Medienhaus und das Zusammenwachsen der Belegschaften von OV und MT sowie die Digitalisierung aller Geschäfts- und Produktionsbereiche beschleunigen. Treiber der publizistischen Transformation soll ein zentraler Newsroom werden. Er wird eine integrierte Produktion von Nachrichten für Print und Online und das effiziente Ausspielen journalistischer sowie auch werblicher Beiträge als Text, Foto, Podcast oder Video in verschiedenste Kanäle ermöglichen.
Zusteller Thomas Tranzschel hat schon immer mit frischer Ware zu tun gehabt, früher als Muschelfischer, heute als Austräger der OV. Foto: Berg
Die Zusammenführung und Konzentration redaktioneller Arbeiten im Emsteker Medienzentrum schafft zugleich neue Freiräume und personelle Kapazitäten für die journalistische Recherche vor Ort. Die Reporter zwischen Friesoythe und Damme werden sich noch stärker als bisher um exklusive Nachrichten kümmern. Auch künftig setzt die Redaktion der OMMedien konsequent auf lokale Inhalte.
Was dabei wichtig ist: Die gedruckten Zeitungen liegen uns weiterhin genauso am Herzen wie digitale Angebote. Die OV und die MT sind und bleiben Lokalzeitungen im besten Sinne des Wortes, über die wir auch weiterhin Menschen für unsere journalistischen Inhalte gewinnen wollen. Gleichzeitig tragen wir einem veränderten Mediennutzungsverhalten Rechnung und erschließen über die konsequente Digitalisierung unserer Produkte verstärkt nachwachsende Zielgruppen.
Es geht also nicht um ein Entweder oder, sondern um ein Sowohl als auch, das von OV und MT gemeinsam besser zu meistern ist als jeweils allein. Zumal gerade deutlich wird, dass die Corona-Pandemie die digitale Transformation aller Lebensbereiche um ein Vielfaches beschleunigen wird. So ist die Fusion von OV und MT zur OM-Medien zur rechten Zeit eine weitsichtige verlegerische Entscheidung in unübersichtlichen Zeiten.